Zweiter Teil des Interviews

Tobi Schweinsteiger: "Ich kenne die Hoeneß-Werte"

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Tobias Schweinsteiger sieht einige hoffnungsvolle Talente in der Jugend des FC Bayern.

München - Im zweiten Teil des großen Merkur-Interviews spricht Tobias Schweinsteiger über seine Zukunft als Trainer, den Bezug zu seiner Heimat und

Sie kickten die meiste Zeit in Heimatnähe. Wie wichtig ist denn Heimat, um Leistung zu bringen?

Tobias Schweinsteiger: Eine Typfrage. Für mich war es sehr wichtig. Um abschalten zu können, um Lebensqualität zu haben. Aber natürlich gibt es Spieler, die da anders denken. Ich habe in Lübeck und Braunschweig gemerkt, wie sehr mir die Heimat fehlt. Auch Basti ist diese Verbundenheit wichtig. Manchester ist für ihn jetzt eine Aufgabe, die er so nicht kennt.

Sie haben für Engagements in Heimatnähe auch auf den einen oder anderen Euro verzichtet – kann man sowas jungen Bayern-Talenten noch vorleben: Schaut, wie gut Ihr es hier habt?

Schweinsteiger: Man verliert oft den Blick für das Schöne, das man hat, das stimmt. Man lässt sich von anderen Dingen ablenken, allem voran vom Geld, das in dieser Branche steckt. Aber hier in München, in Bayern, darfst du dich nicht beschweren. Andere fahren hierher für Urlaub.

Heimat schafft Identifikation – ist so etwas jungen Fußballern in der heutigen Zeit noch vermittelbar, oder ist das zu romantisch, zu unrealistisch? Sind Sie ein Fußballromantiker?

Schweinsteiger: Ich bin auf jeden Fall ein Fußballromantiker. Aber solche Sachen kann man keinem vorschreiben, und das ist gut so. Jeder muss für sich selber wissen, was für ihn das Beste ist. Sehen Sie: Ich hätte auch lieber, dass der Basti weiter hier bei uns spielt, ich hätte ihn gerne immer vor meiner Haustür gehabt. Aber ich verstehe natürlich, dass er noch eine tolle Herausforderung annimmt. So etwas passiert. Wenn ich an Steven Gerrard denke, der war für mich der Mister FC Liverpool – und jetzt spielt er in Los Angeles! Die Fans finden das schade, das verstehe ich, ich empfinde ja auch so – aber es gehört auch zum Fußball.

Tobi Schweinsteiger: Für Basti war England stets ein Traum"

Wenn wir bei Fußballromantik, Werten und dem Geschäft sind, landen wir bei Uli Hoeneß. Wie ist Ihr Austausch mit ihm, da er ja nun in Bayerns Juniorenabteilung die Feder führt?

Schweinsteiger: Meine Vorgesetzten sind Tim Walter als Chefcoach bei der U 17, dann kommt unser Koordiantor Heiko Vogel, und danach kommen Herr Hoeneß und Herr Sammer. Ich kenne die Werte, die Herr Hoeneß im FC Bayern verankert hat. Mein Bruder lebt sie seit 17 Jahren, ich bin jetzt auch schon das vierte Jahr da und kann nur sagen, dass ich sie hochhalten werde in meiner Zeit hier. Ich fühle mich heimisch, weiß, worauf es bei Bayern ankommt. Und mache ich etwas falsch, wird es mir schon einer sagen – eventuell sogar Herr Hoeneß.

Wie wäre der U-17-Co-Trainer Tobias Schweinsteiger mit dem 16-jährigen Spieler Tobias Schweinsteiger zurechtgekommen?

Schweinsteiger: Wir hätten uns gar nicht gesehen – weil ich mich mit 16 auf Skifahren konzentriert hatte und mein Leben lang nur am Gletscher war. Mit 16 habe ich das erste Mal professionell mit Krafttraining angefangen, alles mit Fokus aufs Skifahren. Damals habe ich meine eigenen Erfahrungen gesammelt. Plötzlich hatte ich zehn Kilo Muskelmasse mehr, da ändern sich deine Bewegungsabläufe. Ich weiß also schon, auf was man in dem Alter so achten muss, wenn man als Leistungssportler bestehen will. Ich denke, ich wäre mit meinem 16-jährigen Ich gut klargekommen.

Sie starteten erst mit 22 so richtig im Fußball, da war Ihr Bruder schon Nationalspieler – fällt es Ihnen deshalb schwerer, sich jetzt in einen 16-jährigen Kicker hineinzuversetzen?

Schweinsteiger: Es ist komisch, dass ich selbst nicht B-Jugend gespielt habe, ja. Aber ich weiß trotzdem, welche Phasen du so durchmachst in dem Alter, wenn du Profisportler werden willst. Man muss Entbehrungen hinnehmen, muss auf vieles verzichten. Aber wenn man ein Ziel hat, fällt es nicht schwer.

Haben Sie wie Ihr Bruder auch gegen Ski-Ass Felix Neureuther gewonnen?

Schweinsteiger: Ja, öfter sogar. Aber ich war auch zwei Jahre älter, muss ich fairerweise dazusagen. Als ich 20 war und er 18, hatte sich das Niveau sehr angenähert.

Wie kam es denn zum Engagement als Trainer?

Schweinsteiger: Ich wollte im Fußball bleiben, hatte eigentlich eher was im Marketing im Kopf. Aber im Herbst kam von Bayern das Angebot, dann habe ich bei der U15 reingeschnuppert. Nach den ersten Tipps „Du musst lauter werden, direkter werden“ hat es Spaß gemacht. Ich habe im Winter die B-Lizenz erworben, jetzt einen Vertrag für zwei Jahre und möchte die weiteren Lizenzen angehen.

Und wie fühlt sich das an: Eben noch selbst auf Torejagd, sieben Treffer in der abgelaufenen Saison, und nun Beobachter – juckt es nicht sehr in den Füßen?

Schweinsteiger: Ach, es geht, ich hatte ja so viele Verletzungen. Ich mache gern mal Übungen vor, schaue aber sonst lieber von außen zu. Die Perspektive von außen ist ja noch neu für mich. Sie juckt mich mehr als mitzukicken.

Die Fans lechzen nach einem Eigengewächs, das sich endlich mal wieder bei den Profis etabliert – haben Sie eines in der U17?

Schweinsteiger: Es ist noch zu früh, das zu sagen. Aber wenn sie alle hart arbeiten und bei den Anweisungen ihrer Betreuer gut zuhören, sind da schon ein paar dabei, die es schaffen können.

Und Sie selbst – was ist Ihr Ziel: Einmal Coach der Bayern-Profis zu werden?

Schweinsteiger: (lacht) Oh, das ist weit gedacht. Aber wer würde da mit Nein antworten? Für mich ist es jetzt schon ein Traum, das vierte Jahr hier im Verein sein zu dürfen. Das will ich so lange wie möglich erleben. Dafür muss ich weiter hart arbeiten und mich gut aufführen.

Einen Cheftrainer aus Bayern gab es hier bisher nie – außer Franz Beckenbauer, interimsmäßig, und Felix Magath aus Asschaffenburg, der aber nicht als Bayer wahrgenommen wird.

Schweinsteiger: Ist also nicht leicht (grinst).

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