Interview mit dem Bruder des Ex-Bayern

Tobi Schweinsteiger: Für Basti war England stets ein Traum"

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Bastian Schweinsteiger (li.) beglückwünschte seinen Bruder Tobias nach seinem letzten Spiel für die kleinen Bayern. 

München - Im großen Merkur-Interview spricht Tobias Schweinsteiger über den Weg seines Bruders Bastian, seine Ziele als Juniorencoach, Heimat und Fußballromantik.

Stets war er „der Andere“. Wo auch immer Tobias Schweinsteiger auftauchte – irgendwie war sein jüngerer Bruder Bastian schon da. Mit 33 hat er nun seine Karriere beendet, nach Stationen wie Ismaning, Braunschweig, Regensburg, Unterhaching und FC Bayern II startet er ein neues Leben als Co-Trainer der U 17 des Rekordmeisters. Bei der Karriere nach der Karriere ist er seinem Bruder voraus.

Herr Schweinsteiger, bevor wir auf Ihre neue Aufgabe schauen, erst ein Rückblick auf Ihre Karriere: Wo war es am schönsten, was war das Highlight?

Tobias Schweinsteiger: Der Aufstieg mit Regensburg in die Zweite Liga 2012. Wir galten damals eigentlich als Abstiegskandidat. Der Spaß, der Zusammenhalt – einzigartig.

Es gab da ein Lied...

Schweinsteiger: ... ja, das haben wir oft gesungen: „Wir haben keinen Strom, wir haben kein Geld – wir haben das beste Team der Welt.“ Regensburg wurde früher einmal der Strom abgedreht, weil sie nicht zahlen konnten. Wir waren ein richtiges Low-Budget-Team, haben aber auch die vielen Rückschläge mit viel Ironie genommen und immer das Beste aus allem gemacht.

Bedauern Sie etwas, was Sie nun Ihren Schützlingen sagen: Macht das nicht!

Schweinsteiger: Eigentlich nicht. Rückblickend hätte ich vielleicht die ein oder andere Trainingseinheit intensiver nützen können, und manchmal habe ich mich ungerecht behandelt gefühlt. Da hätte ich mich nicht so bemitleiden und so bockig sein dürfen. Die großen Entscheidungen würde ich aber wieder so treffen. Im Alter ist man immer schlauer, aber ich rate den jungen Spielern jetzt: Nutzt jede Einheit! Eine Karriere ist relativ schnell vorbei, und wenn du dich am Ende ärgerst, dass du deine Möglichkeiten nicht ausgereizt hast, ist es halt zu spät.

Gab es wirklich keine Jugendsünden? Ihr Bruder hockte mal mit einer „Cousine“ im Bayern-Whirlpool.

Schweinsteiger: (lacht) Ach, diese uralte Geschichte. Also, in den Klubs, bei denen ich gespielt habe, gab es gar keinen Whirlpool.

Wie werden Sie von Ihren Talenten wahrgenommen: Als ehemaliger Profi – oder als Bruder von Bastian?

Schweinsteiger: Ich glaube beides. Die Jungs wissen natürlich, dass ich Profi war, auf einem Niveau, das sie selbst noch nicht erreicht haben. Das sind sehr gute Kicker, aber sie müssen Gas geben, um so etwas zu erreichen. Sie wissen natürlich auch über Basti Bescheid, das ist ja klar. Generell bin ich ein Kumpeltyp, es entspricht meinem Naturell, aber ich habe den Jungs auch gesagt, dass ich bei Disziplin und Teamgeist rigoros durchgreife. Wer diese Werte mit Füßen tritt, hat es bei mir schwer.

Wie oft heißt es: „Erzähl’ uns doch von Basti!“

Schweinsteiger: Kam bisher gar nicht vor. Privat vielleicht mal, und ich erzähle ihnen dann schon, wie es wirklich war. Der Tenor ist ja immer, beim Basti lief alles reibungslos, auf einmal war er Bundesligaprofi. Das stimmt so natürlich nicht, und da bekommen sie von mir die wahre Geschichte: Dass es auch bei ihm nicht immer reibungslos war, dass man hart arbeiten und immer an sich glauben muss.

Es heißt, schon in der Kindheit waren Sie und Ihr Bruder Fans von Manchester United. Es gibt sogar Fotos von Ihnen in entsprechenden Trikots. Wie sehen Sie seinen Wechsel zu ManU?

Schweinsteiger: Es stimmt, dass ich seit Kindheitstagen Fan von Manchester bin. Eric Cantona war immer mein Vorbild. Und auch für Basti war England stets ein Traum. Er hat immer gesagt, die Premier League würde ihn reizen. Das war ein Kindheitstraum von uns beiden, und er hat auch immer gesagt, wenn, dann will er dort zum größten Klub: Manchester United. Ich freue mich jetzt sehr für ihn.

Der Vergleich mit ihm hat Sie während der Karriere nie belastet, Ihr Credo war immer: Ich schaue auf mich. Vergleicht Euch nicht – ist das etwas, was Sie nun auch als Coach vermitteln?

Schweinsteiger: Schlussendlich ist jeder für sich verantwortlich. Es bringt nichts, sich zu vergleichen. Wir Trainer wollen ja auch kein Team aus elf Bastian Schweinsteigers, das funktioniert nicht. Es ist keinem geholfen, wenn er sich mit anderen vergleicht. Du musst für dich der Beste sein. So war es bei mir und Basti auch. Ich wusste immer, welche Möglichkeiten wir beide haben. Und auch ich habe aus meinen das Beste gemacht.

Es heißt über Sie, Sie seien ab und zu ein Grantler. Als Trainer auch noch?

Schweinsteiger: Das hat Michael Hofmann als Torwart bei Regensburg mal erzählt. Er bezog es darauf, dass ich nicht mal ein Trainingsspiel verlieren kann. Da fuhren wir immer danach mit Kleinbussen zum Duschen, und nach Niederlagen wusste jeder: Die 15 Minuten Fahrt spricht den jetzt besser keiner an, das wäre nicht lustig. Ich habe immer mit vielen Emotionen gespielt, war dann in erster Linie auf mich sauer. Als Trainer liegen die Dinge anders – aber verlieren werde ich nie gerne. Mich nervt das, seit Kindheitstagen.

Woher kommt das?

Schweinsteiger: Bei meinem Bruder ist es dasselbe: Wir gewinnen einfach beide gern – und verlieren beide ungern. Wenn du mit Sport aufwächst, unter zwei Jungs, da manifestiert sich sowas. Sogar wenn wir nur Tennis auf der Straße gespielt haben war das so. Unsere Eltern waren nicht zu beneiden: Jeden Tag war es am Ende so, dass einer sauer war und der andere super drauf. Das ist unsere Mentalität, die braucht man. Sonst hätten wir es, jeder auf seinem Niveau, nicht so weit gebracht.

Den zweiten Teil des Interviews mit Tobias Schweinsteiger gibt es am Samstagvormittag. Dort spricht der ehemalige Kapitän der kleinen Bayern u.a. über seinen Zukunft als Trainer, nachwachsende Bayern-Talente, die Zusammenarbeit mit Uli Hoeneß und den Bezug zur Heimat.

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