Lösung aus den eigenen Reihen

Kroos: Bayern hat Nachfolger ausgemacht

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Bald Abschied? Toni Kroos mit Pep Guardiola.

München - Dass Toni Kroos in München bleibt, ist nahezu ausgeschlossen – auch weil der FC Bayern schon einen Nachfolger ausgemacht hat.

Es gab sie schon mal beim FC Bayern, diese Situation. Noch nicht mal zehn Jahre ist das her. Als Michael Ballack, 2005 mit 29 Jahren im besten Fußballalter, zudem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, zu lange zögerte, zog der Rekordmeister sein Angebot für eine Vertragsverlängerung zurück. Ballack ging zum FC Chelsea und stieg dort zum Topverdiener der Premier League auf. Uli Hoeneß, damals Manager, bezeichnete den Mittelfeldspieler als „Geldgeier“.

Nun ist es angeblich wieder passiert. Der FC Bayern hat erneut ein Vertragsangebot zurückgezogen. Glaubt man den jüngsten Medienberichten, liegt Nationalspieler Toni Kroos inzwischen gar keine Offerte für eine Verlängerung seines 2015 auslaufenden Vertrages mehr vor. Die Gegenseite dementiert natürlich (Berater Volker Struth: „Wie kann man ein Angebot zurückziehen, das Toni direkt abgelehnt hat?“). Es gibt sie aber dennoch, die Parallele zum Fall Ballack.

Kroos, wie Ballack seinerzeit Leistungsträger beim FC Bayern, fühlt sich nicht genug wertgeschätzt. Bei Real Madrid, dem Klub, zu dem er seinen Wechsel nach WM-Ende bestätigen wird, winkt deutlich mehr Geld. Angeblich mehr als sechs Millionen Euro netto; die Bayern wollten den 24-Jährigen nicht in die Gehaltsklasse von etwa Franck Ribery, Philipp Lahm und Mario Götze vordringen lassen. Da ging es dem Klub ums Prinzip – fängt Kroos an, will der nächste sein Gehalt verdoppeln. Darauf konnte man sich nicht einlassen. Deshalb geht Kroos nun dahin, wo Geld winkt. Ist er also auch ein Geldgeier? Bedingt.

Die Personalie Kroos ist als ganze zu betrachten. Da ist nicht nur ein Spieler, der mehr Geld will und ein Verein, der nicht mehr zahlen will. Es gibt diverse Nebenschauplätze. Einer davon, der wichtigste, betrifft seinen Berater Volker Struth. Der in Köln ansässige Manager betreut auch Mario Götze, der im vergangenen Jahr für 37 Millionen Euro nach München wechselte. Eine Summe, die jeden Berater froh macht – und Struth mit Blick auf Kroos Perspektiven eröffnete.

Götze als Nachfolger

Weil Götze, der in seiner ersten Saison bei Bayern und auch bei der WM weit unter seinen Möglichkeiten spielt, in den Bayern-Planungen eigentlich eine Rolle in der Mittelfeldzentrale und nicht auf dem Flügel einnimmt, war es nur logisch, dass Kroos über kurz oder lang zur Diskussion stehen würde. „Durch ein Stahlbad“ müsse Götze nun gehen, ließ Sportvorstand Matthias Sammer in der „Süddeutschen Zeitung“ verlauten. Intern geht man im zweiten Jahr in München von einer deutlichen Leistungssteigerung des Ausnahmetalents aus. Heißt: Kroos ist verzichtbar – und Struth würde bei einem Wechsel erneut kassieren.

Dass Kroos nach diesem Poker in der kommenden Saison noch in München spielt, wie von der Führungsetage lange behauptet, scheint nahezu ausgeschlossen. Natürlich hatte er Lichtmomente – zuletzt unter anderem im Achtelfinale der Champions League bei Arsenal; natürlich wird ihm nicht umsonst nach den jüngsten WM-Auftritten von Größen wie Johan Cruyff eine „fast perfekte Ballbehandlung“ attestiert. Aber er hat es in sieben Jahren in München nicht geschafft, unumstritten zu werden.

Madrid ist eine gute Option, eine, die er nicht nur (wie Ballack einst) wegen des Geldes, sondern auch wegen der sportlichen Perspektive bis 2019 zieht. Sollte er sich beim Champions League-Sieger durchsetzen, werden auch seine letzten Kritiker verstummen. Geklärt werden muss nur noch die Ablösesumme, 25 Millionen Euro sind im Gespräch. Ein erstes Angebot aus Madrid soll der FC Bayern aber abgelehnt haben.

Sollte es tatschlich am Geld scheitern, werden andere Interessenten hellhörig – es gibt genug. Nur der FC Bayern gehört nicht mehr dazu.

Hanna Schmalenbach und Andreas Werner

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