Erster Löwe bei Wahl seit Ferdl Keller

TV-Kritik: Ein Blauer als Weltreporter auf dem Roten Teppich

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Münchner Derby: Ex- Löwe Torben Hoffmann interviewt FCB-Keeper Manuel Neuer.

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich schaute sich die Weltfußballer-Wahl live im Fernsehen an. Er kürt einen Ex-Löwen zum "Weltreporter"!

Bravo, Manuel Neuer! Der überragende Kicker des Jahres wurde gestern im Rahmen einer Wahlsendung auf Sky auch zum Weltfußballer der Herzen gewählt – während es für Rivale Cristiano Ronaldo nur zum Titel des Geldfußballers 2014 reichte. Sichtlich enttäuscht räumte der Portugiese das Feld, nach einer Abstimmung, die an Glaubwürdigkeit höchstens von der DDR-Volkskammerwahl 1971 übertroffen würde, bei der die SED 99,85 Prozent abräumte.

Im Vergleich zu unseren gewohnten Wahlsendungen zog sich das Ganze ziemlich hin. Kein Gong mit Prognose um 18 Uhr, keine Hochrechnung um 18.17 Uhr. Da mauschelte die FIFA nämlich noch das Ergebnis zusammen. Dafür war die Moderatorin toll. Kate Abdo, die Ex-Schöne von Sky Deutschland, die Uli Deppendorf des Fußballs, führte charmant und vielsprachig, darunter mehrere südfinnische Dialekte, durch den Abend. Mit ihr als Moderatorin hätte „Wetten, dass..?“ nicht sterben müssen.

Leider hinkte der Livestream von Sky Go auf dem iPad furchtbar hinterher. Als Neuer endlich zum Weltfußballer der Herzen ausgerufen wurde, lief in der App noch die Ehrung von Johan Cruyff als Fußballer des Jahres 1973 – das muss schneller werden! Dafür sah die Verkündung einiger Gewinner richtig toll aus. Sie tauchten schemenhaft aus dem Nebel auf, spektakulär! Diese Bilder wollen wir künftig auch bei Wahlen in Deutschland sehen. Landtagswahl in Bayern 2018, der Sieger schreitet aus der Nebelwand, und keiner weiß, wer es sein wird: Söder? Aigner? Oder doch Graf Guttenberg? Eine meisterhafte Inszenierung von Horst Seehofer, dem weißblauen Blatter.

Am Ende bleibt uns noch, den Sky-Weltreporter des Jahres zu ehren. Es kann nur einen geben: Torben Hoffmann, der gestern wieder einen Super-Super-Job machte, obwohl der Teppich schreiend rot war. Der erste Löwe bei der Weltfußballer-Wahl seit Ferdl Keller 1974 pflückte einen Promi nach dem anderen ab, darunter Lahm, Löw und Neuer. Und mit allen unterhielt er sich als Halb-Waldi in einer offensiven Mischung aus Duzen und Siezen. Ungefähr so: „Hallo Du, Manuel, was erwarten Sie persönlich?“ Schade, dass Ronaldo vor dem Event nicht mit ihm reden wollte. Auf dieses Interview hätten wir uns gefreut: „Hallo Du, Cristiano, was war Ihr größter Erfolg 2014?“ „Der WM-Titel im Finale gegen Deutschland, im Videospiel FIFA15.“

Jörg Heinrich

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