TV-Kritik: Meister Leders Rückkehr ins Studio

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Nach der Freshfields-Anhörung ins Sky-Studio: Franz Beckenbauer (Mitte) und Moderator Michael Leopold.

München - Die Sky-Übertragung vom Bayern-Spiel gegen Piräus stand am Dienstag ganz im Zeichen der Rückkehr vn Franz Beckenbauer. Die TV-Kritik von Jörg Heinrich.

Hurra hurra, der Kaiser mit dem weißen Haar, hurra hurra, der Franz ist wieder da! Die Sky-Übertragung vom Bayern-Spiel gegen Piräus (4:0) stand am Dienstag ganz im Zeichen der Rückkehr vom Meister Leder. Franz Beckenbauer feierte das spektakulärste Comeback seit Elvis 1973 auf Hawaii. Nach wochenlanger Pause war der Sommermärchenerzähler endlich wieder Gast im Studio. Der Still-Schweiger sprach sogar, wirkte aufgeräumt und gut gelaunt: „Ich freue mich, dass ich endlich wieder hier bin, und mit vernünftigen Menschen über Fußball reden kann.“ Erster Rückschlag: Der „vernünftige Mensch“ neben ihm am Tisch war Lothar Matthäus. So kann man sich täuschen.

Höchstwahrscheinlich wollte Beckenbauer den Abend lieber daheim verbringen. Aber weil er seinen Sky-Vertrag vor dem Unterschreiben nicht gelesen hat, musste er zum Dienst antreten. Das Publikum feierte ihn euphorisch, Beckenbauer happy: „Einen Fan gibt’s doch noch.“ Moderator Michi Leopold gab sich zutraulich: „Franz, was bringt die Zukunft?“ Da hätte man sich gewünscht, dass der Kaiser antwortet: „Ja sicherlich, den ersten Advent und dann den zweiten, wenn nicht sogar den dritten. Und die Autoreifen müss ma auch dringend wechseln.“

Hat er aber nicht, woran man gesehen hat, dass hier tatsächlich der echte Beckenbauer steht – und nicht Schorsch Aigner, sein Stellvertreter auf Erden. Beim Sky-Interview davor lag dagegen wieder der Verdacht nahe, dass hier der geniale Olli Dittrich spricht. Moderator Wasserziehr erkundigte sich, ob Beckenbauer bei der WM-Bewerbung Grenzen überschritten hat. Darauf der Franz, der alte Strizzi aus Unterobergiesing: „Wie hätten wir von einem Land in ein anderes fliegen können, ohne Grenzen zu überschreiten?“

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Ansonsten war Sky gestern super, weil nämlich wegen des Leverkusen-Spiels nur eine knappe Stunde Zeit für den Vorlauf blieb. Das war perfekt. Die YouTube-Plage war nicht da – und drei Wochen nach dem verstrahlten Pep-Hellseher hatte Sky auch keinen Voodoo-Schamanen eingeladen, der den Trainer zur Vertragsverlängerung hexen will. Stattdessen: Fußball, sonst nix! Herrlich! Dafür stand auch Kommentator Kai Dittmann, dem bereits in der 31. Minute nur noch Staunen blieb: „Ob Sie’s glauben oder nicht, seit zehn Minuten kein Torerfolg der Münchner.“

Jörg Heinrich

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