Beckenbauers letzte Sendung

TV-Kritik: Time to say GoodSky für Franz

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Franz Beckenbauer bei seinem letzten Auftritt als Experte im Sky-Studio.

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich analysiert den TV-Abend beim Duell FC Bayern gegen Juventus. Er findet: Da läuft doch was falsch bei uns im Fernsehen.

Gute Freunde kann jemand trennen. Komplett überraschend hat Analyse-Kaiser Franz Beckenbauer am Mittwoch sein letztes Spiel für Sky unter die Lupe genommen – nach 25 Jahren! Erst kurz vor der Sendung war bekannt geworden, dass die etwas verfunzelte Lichtgestalt darum gebeten hat, seinen Vertrag vorzeitig aufzulösen. O-Ton vom Franz: „Ich bin jetzt 70 Jahre alt, stehe seit über 50 Jahren in der Öffentlichkeit. Nach so langer Zeit möchte ich mir eine Pause gönnen.“ Ein Zusammenhang mit dem Sommermärchen-Ankauf, nach dem der Kaiser nicht mehr ständig gefragt werden will, ist aber nicht restlos auszuschließen.

Und so galt am Mittwoch: Time to say GoodSky! Andrea Bocelli sang sein gefürchtetes Maske-Schluchzlied zwar nicht. Aber die Zuschauer erhoben sich ehrfürchtig wie früher, als Max Schmeling in ein Fernsehstudio kam. Sebastian Hellmann wirkte bedrückt, hatte womöglich geweint. Und der Skyser Kaiser erklärte, warum Schluss ist: „Bevor man merkt, dass ich die Konzentration nicht mehr habe.“ Pssst, Franz: Man hat’s längst gemerkt, aber nicht weitersagen!

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Den großartig sympathischen Menschen wird man vermissen, den Experten nicht ganz so. Bei seinem Schwan-Gesang franzelte der Kaiser nochmal kräftig, beispielsweise zu Alabas Vertragsverlängerung: „David Alaba ist in München aufgewachsen.“ Okay, erst ab 16, als er praktisch erwachsen war, aber wer nimmt’s schon so genau? Nun bleiben viele Fragen offen: Hat Beckenbauer seinen Auflösungsvertrag überhaupt gelesen, oder wie immer blind unterschrieben? Gilt er überhaupt? Solidarisiert sich Didi Hamann und hört ebenfalls auf (man kann ja noch hoffen)? Darf jetzt Stefan Effenberg zurückkommen (Gott behüte)?

Überschattet vom Kaiser-Rücktritt übertrug auch das ZDF das schreckliche Spiel, das Arjen Robben wegen einer Adduktorenerkältung leider verpasste. Im Zweiten saß Deutsch-Azubi Oliver Schmidt am Mikrofon, und kommentierte frei von jeglichem Charme, Esprit, Eloquenz, Sprachwitz. Und er verzählte merkwürdiges Zeug wie „Juve kappt die Nabelspur im Aufbauspiel der Bayern.“ Auf Twitter wurde er bereits mit dem legendär verwirrten Kaiserslautern-Aufsichtsrat Wieschemann verglichen. Reif hört auf, Schmidt macht weiter. Da läuft doch was falsch bei uns im Fernsehen.

Jörg Heinrich

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