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TV-Kritik zu Bayerns Viertelfinale, gesehen beim ORF: Spaßige Spülanalyse

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Von: Jörg Heinrich

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ORF1-Runde: Furunkelfreies Exotik-Fernsehen.
ORF1-Runde: Furunkelfreies Exotik-Fernsehen. © Screenshot ORF

Noch übertragen ZDF und Sky die Champions League in Deutschland. Wir aber haben uns die Partie des FC Bayern gegen den FC Sevilla mal im ORF gegönnt - und das war unterhaltsam!

Wir haben gelesen: Wer sich zu oft über Sky und das ZDF aufregt, schadet seinem Drüsensystem, und häufig wachsen dann auch Furunkel auf der Nase. Das möchten wir auf gar keinen Fall. Deshalb haben wir am Mittwoch stattdessen untersucht, was ein uns fremdes, exotisches Volk mit anrüchiger Regierung über den FC Bayern so denkt. Also haben wir das Sevilla-Spiel auf ORF 1 geschaut.

Der Moderator: Der bewährte Rainer Pariasek ist der Ösi-Hellmann, und präsentierte das „Spül“ (Teutonisch „Spiel“) sehr angenehm und entspannt. Im ORF gibt’s keinen Twitter-Vorleser und keine neumodischen ­Wackel-Interviews mit angeschickerten Fans – sondern bloß Fußball. Leiwand. Sprachlich kann man viel lernen vom Rainer, zum Beispiel zum Thema Robbery-Verlängerung. „Woran könnte sich das noch spießen?“, erkundigte sich der Moderator.

Die Experten: Herbert „Schneckerl“ Prohaska ist der Minipli-Matthäus – ein gestrandeter Trainer, der durchs Fernsehen geistert, weil ihm sonst fad wäre. Sein Beitrag vor dem Spül zu unserer Österreichisch-Weiterbildung: „Im Normalfall wird Bayern aufsteigen.“ Wer da denkt, wieso aufsteigen, Bayern spült doch schon seit 1965 in der Bundesliga, liegt falsch. Denn „Aufsteigen“ steht im Ösi-Fußball für „Weiterkommen“. Dem Wunderer von Cordoba steht als Analyse-Assistent Roman Mählich zur Seite, Trainer von Zweitligist SC Wiener Neustadt. Mählich riet den Bayern, beim Spülen besser auf die „zweite Stange“ (langer Pfosten) achtzugeben. Sein gelungenster Schmäh, über Sevillas Ben Yedder: „Bei mir in Wiener Neustadt würde er immer spülen.“ Insgesamt solide Spülanalyse, keinen Deut schlechter als bei uns daheim, eher im Gegenteil.

Der Kommentator: Oliver Polzer ist in Österreich mindestens so beliebt wie Béla Réthy in Deutschland, also eher weniger. Er erfand gleich nach drei Minuten eine geniale Universal-Ausrede: „Ich hab einen ganz schlechten Fernseher, Bildauflösung sehr schlecht hier.“ Erkannte trotzdem mühelos den „Dimpel“ (Blaues Auge) im Gesicht von Lewandowski, sinnierte über die Würschtlstände in der Allianz Arena und ferndiagnostizierte in Sachen Rafinha: „Kann sein, dass man die Schulter wieder zusammenräumen muss.“

Fazit: Unterhaltsame Exotik, wir hätten gern noch mehr Nachspülzeit gehabt.

Jörg Heinrich

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