BR wollte für Bayerns Doublefeier nicht zahlen

TV-Zoff bei FCB-Party: Darum durfte Sport1 kostenlos senden

München – Der Streit mit dem BR erzürnt zahlreiche Bayern-Fans. Sport1 sprang ein - und musste nichts zahlen. Grimme-Preisträger Ani trat gleich aus dem Verein aus.

„Diese Typen! Beckenbauer, Maier, Müller. Schwarzenbeck. Bulle Roth. Schräge Typen. Seltsame Gestalten, die man nicht auf dem Fußballplatz vermutet.“

Das Zitat von Friedrich Ani ist vier Jahre alt. Der Grimme-Preisträger, der als einer der besten Kriminalschriftsteller der Republik gilt, hat diese Sätze aus voller Überzeugung gesagt. Der FC Bayern, das ist sein Verein. Schon lange, sehr intensiv. Er erzählte einmal, dass ihn der Beitritt zu seinem Herzensklub wahnsinnig viel Überwindung gekostet hat. Weil er „kein Vereinstyp“ sei. Aber das hat sich seit vorgestern sowieso erledigt. Denn Friedrich Ani möchte ohnehin nicht mehr dazugehören.

Der Facebook-Post, den Ani am Sonntagabend absetzte, hat große Wellen geschlagen. Der 57-Jährige teilte den Kommentar eines Journalisten, der sich mit dem Zwist um die Übertragung der Double-Feier auf dem Marienplatz zwischen dem FC Bayern und dem Bayerischen Rundfunk kritisch auseinandergesetzt hatte, und schrieb dazu: „Das war’s für mich als Vereinsmitglied. Dies nur am Rande.“ Es hagelte Kommentare. Positive wie negative. Und an diesem prominenten Beispiel wurde klar: Dieses Thema, das da mitten in das Jubel-Wochenende von Berlin und München für Aufregung sorgte, ist noch nicht ausgestanden. Es polarisiert.

Der Sachverhalt ist seit Sonntag bekannt: Rund 150.000 Euro – also die Hälfte der Kosten für die Feierlichkeiten – soll der FC Bayern recht kurzfristig vom öffentlich-rechtlichen Sender eingefordert haben, der bereits die Meisterfeier auf dem Rathausbalkon übertragen hatte. Eine Woche zuvor waren für den BR abgesehen vom Produktionsaufwand der Sendung keine Kosten angefallen, diesmal aber hat der FC Bayern, so hieß es in der Mitteilung des Vereins, „den BR gebeten, sich an den Kosten – überwiegend für Sicherheit – in Höhe von 300 000 Euro zu beteiligen“.

Der BR lehnte ab, Sport1 sprang ein und zeigte die Feier in Ausschnitten während des Spiels um Platz drei der Eishockey-WM. Vom Privatsender aus Ismaning gibt es keine Stellungnahme, ob und wie viel Geld für die Rechte gezahlt wurden. Organisiert wurde die Übertragung allerdings vom klubeigenen Medienteam, dem Vernehmen nach durfte Sport1 gratis senden. Dem Spartensender wollte man anders als dem Partner BR keinen finanziellen Kraftakt zumuten.

Bilder: So wild feierten die Bayern auf dem Marienplatz

Gezeigt wurde die Feier am Ende auch im Live-Stream des Senders sowie auf dem Youtube-Kanal und der Facebook-Seite des FC Bayern. Dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, am Tag nach dem Double-Gewinn zunächst sichtlich irritiert über das große Medienecho auf die BR-Absage, war der übertragende Kanal ohnehin egal: „Man konnte unsere Feierlichkeiten auf der ganzen Welt sehen, das ist das entscheidende. Der Sender ist sekundär, da gibt es keine Automatismen“, sagte er am Rande der Party. Anspruch auf eine Übertragung gebe es nicht: „Für niemanden.“

Worte, die Leuten wie Ani missfallen. Genau wie anderen eingefleischten Fans, die die Entfremdung des Vereins von ihrer Basis seit Längerem kritisch beäugen. Der Autor sagte der AZ übrigens einst auf die Frage, warum er Mitglied sei: „Für Uli Hoeneß. Ich bewundere diesen Mann, er verkörpert für mich diesen Verein.“ Im Zwist mit dem BR kam der Ex-Präsident nicht zu Wort. hanna schmalenbach

Rubriklistenbild: © dpa

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