Zu Besuch bei Taktikexperte Erik Meijer 

tz-Blick hinter die Kulissen von Sky

Sky-Taktikexperte, Erik Meijer, tz
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Unterföhring - Erik Meijer und seine Taktikanalyse bei Sky-Champions-League-Abenden sind nicht mehr getrennt voneinander denkbar. Die tz hat hinter die Kulissen des Pay-TV-Senders geschaut.

Live auf Sendung sind es nur fünf Minuten, doch die Vorbereitung auf seine Auftritte beginnt für Erik Meijer schon eine Woche vorher. „100 Prozent Meijer“ – das bedeutet für den Ex-Profi und seine Crew eine Woche lang Fußball und Leidenschaft. Bei den Champions-League-Übertragungen von Sky darf die Taktikschulung vom Holländer in keiner Sendung fehlen, inzwischen ist sie aus dem Programm gar nicht mehr wegzudenken. Nicht nur die TV-Macher, auch die Zuschauer erfreuen sich an den ebenso aufschlussreichen wie amüsanten Erklärungen des ehemaligen Bundesliga-Profis. Taktiktafel, Greenbox, flotte Sprüche – Meijer hat sich seinen Platz im CL-Abend bei Sky durch charmante Auftritte verdient. „Ich freue mich sehr über das größtenteils positive Feedback“, gibt er nicht ganz ohne Stolz zu. „Das ist ein gutes Gefühl, und für mich ist es toll, so eine Wertschätzung zu erfahren.“

Doch die muss sich der 46-Jährige jedes Mal aufs Neue erarbeiten, ohne Fleiß kein Preis. „Unsere Planung für einen Doppelspieltag am Dienstag und Mittwoch startet schon in der Woche davor“, verrät Erik. „Ab Mittwoch beschäftigen wir uns mit den deutschen Teams, die in der Champions League im Einsatz sind, und ihren Gegnern. Wir tauschen untereinander erste Ideen aus, und am Wochenende heißt es dann Bundesliga gucken. So bereiten wir das vor.“ Wir – das sind bei „100 Prozent Meijer“ neben dem Hauptdarsteller noch sein Analyst Manuel Baum, Ulf Mendelin und Heiner Richter, den Meijer scherzhaft den „Harry Potter der Technik“ nennt. Noch während der Samstagskonferenz werden am Telefon die Spielszenen besprochen, die dann dem Zuschauer unter der Woche präsentiert werden – am Montag geht es in die finale Planungsphase. „Wir versuchen natürlich immer, eher positive als negative Szenen zu zeigen. Aber manchmal kommen wir um Patzer nicht drumrum“, schmunzelt Meijer.

Um 19 Uhr startet die Sendung - Meijer hat viel zu erzählen

Um 19 Uhr startet die CL-Sendung, bis zum Anpfiff der Spiele um 20.45 Uhr tritt der ehemalige Stürmer zweimal vor die Kamera. Jeweils nur für zweieinhalb Minuten, aber die müssen sitzen. „Für mich ist es immer wieder eine Herausforderung, denn: Ich rede ja nicht in meiner Muttersprache. Das ist nicht so einfach, manchmal drücke ich mich nicht richtig aus. Dann erzähle ich den Zuschauern etwas vom Vorbild, meine aber eigentlich das Beispiel“, sagt Meijer selbstkritisch. Das Publikum stört das aber kaum, im TV und im Internet wird der witzige Wort­akrobat für seine erfrischend ehrliche Art gemocht. Bereits am späten Nachmittag kommt der Taktikfuchs ins Studio, nach der Generalprobe bleibt ihm gemeinsam mit seinem Team noch ein bisschen Zeit für die letzten Details. Doch Meijer ist mit seinem Handwerk vertraut. Die Taktiktafel auf dem großen Flatscreen beherrscht er blind. Spielszenen einleiten oder anhalten, Spielernamen einblenden oder Laufwege aufzeigen, Spielsituationen und ihre Folgen mit Kreisen oder Linien festhalten – auf dem Taktikboard kann Erik jeden Angriff sezieren. Seit dieser Saison hat Sky seinem Experten und den Zuschauern ein besonderes Stilmittel der Analyse geschenkt – die Greenbox. In der taucht Meijer plötzlich mitten in der realen Spielsituation auf dem Feld auf und zeigt aus nächster Nähe, welche Pass- und Laufwege zum Erfolg hätten führen können. „Die Greenbox gibt es bislang erst an einem Tag unter der Woche. In der Regel am Mittwoch, weil wir diese Situation erst dienstags aufzeichnen können“, erklärt Mendelin. Was für den Zuschauer amüsant aussieht, ist für Meijer Maßarbeit. „Erik kann sich eigentlich kaum bewegen, er hat wenn überhaupt zwei Meter Platz in der Box“, so Mendelin weiter.

Nach der Analyse ist vor der Analyse

Und wenn die Spiele beginnen, ist für Meijer und seine Crew der größte Teil der Arbeit erledigt? Denkste! Der stressigste Teil des Abends beginnt jetzt erst, denn nach dem Abpfiff der Spiele wird Erik ein weiteres Mal zur Analyse ins Studio gebeten. Da bleiben keine zwei Stunden, um den letzten Auftritt am Abend ebenso detailreich und professionell wie die lange geplanten Analysen auf den Punkt zu bringen. Gemeinsam mit Baum und Mendelin sitzt er in einem Raum, der von den vielen Fernsehern an der Wand fast erschlagen wird. Hier die eine deutsche Mannschaft, da die andere – und nebenbei noch die Konferenz und diverse Einzelspiele. Während Baum, der hauptberuflich nach seiner Zeit als Trainer der SpVgg Unterhaching inzwischen Cheftrainer im Nachwuchs des FC Augsburg ist, die Eindrücke der ersten Spielminuten aufzeichnet und mit Meijer erste taktische Varianten bespricht, ist Mendelin in Absprache mit Richter für die Clips zuständig.

Später im Studio muss alles auf die Sekunde genau sitzen. Doch dank einer gewissen Routine können die Taktikprofis trotz des Zeitdrucks die Zeit genießen. „Es ist nicht so, dass wir alle total gestresst hier sitzen. Wir sind schon sehr konzentriert, schließlich müssen wir am Ende ja liefern. Aber geile Aktionen schauen wir uns dann doch gerne zwei-, dreimal öfter an“, grinst der Sky-Experte. „Die Wahrscheinlichkeit ist ja auch groß, dass wir die später noch einmal im Studio präsentieren.“

Auch mit weniger Vorbereitungszeit legt Meijer am Ende dann noch eine saubere Analyse hin. Das Publikum lacht mal wieder bei einem seiner lustigen Vergleiche, die Sendungsleiter sind zufrieden. Im Gegensatz zu Meijer. „Ich bin nicht perfekt, ich kann immer noch dazulernen“, meint der Niederländer selbstkritisch. „Ich könnte zum Beispiel noch öfter in die Kamera gucken.“ Das ist Jammern auf hohem Niveau, aber das kennt Meijer ja. Seine Spielanalysen sind es schließlich auch.

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