tz-Experten-Kolumne

Schwarzenbeck über sein Tor für die Ewigkeit

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Hat besonders gute Erinnerungen an Atlético Madrid: "Katsche" Schwarzenbeck ebnete den Weg für Bayerns Triumph im Landesmeisterwettbewerb 1974.

München - Lange ist es her, dass der FC Bayern im Europapokal gegen Atlético Madrid gespielt hat. Vor mehr als 40 Jahren avancierte "Katsche" Schwarzenbeck zum Helden.

Ich habe mich ja gleich auf Anrufe gefasst gemacht, als ich davon gehört habe, dass die Bayern im Halbfinale der Champions League auf Atlético Madrid treffe. Aber sei's drum: Ich erzähle die Geschichte von jenem Abend im Mai 1974 immer wieder gerne, als mein 1:1 in der 120. Minute Bayern ins Wiederholungsspiel gegen Atlético brachte, das wir dann 4:0 gewonnen haben.

Der FC Bayern gewinnt den Landesmeister-Pokal 1974.

Ich werde diesen Abend mein ganzes Leben lang nicht vergessen, das Tor wird für die Ewigkeit bleiben. Für mich und auch für den Klub. Nicht nur, dass dieses Tor mit dafür verantwortlich war, dass der FC Bayern zum ersten Mal diesen Pokal in die Vitrinen stellen konnte, ich war ja jetzt auch nicht unbedingt der geborene Vollstrecker. Nein, ich war Verteidiger - das Tor habe ich aber gemacht.

Ich weiß es noch genau: Atlético war eine sehr harte Nuss. Damals wie heute waren die Spanier schon immer gute Fußballer, für uns war es ein sehr schweres Spiel. Das Wiederholungsspiel war dann schon einfacher, aber zunächst waren wir etwas verkrampft. Und dann ging es in die Schlussphase. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange noch zu spielen war, man schaut ja als Spieler auch nicht auf die Uhr, aber unser Trainer hatte uns bereits das Signal gegeben, dass nicht mehr viel zu spielen war.

Beckenbauer leitet Schwarzenbeck-Treffer ein

Zwei Minuten noch, vielleicht drei. Bis auf den Maier Sepp, der irgendwo an der Mittellinie stand, waren wir mit unserer gesamten Mannschaft in der gegnerischen Hälfte. Dann gab es einen Einwurf, die Kugel kam zum Franz Beckenbauer, der dann auch nicht weiter wusste und den Ball dann mir gegeben hat. Darauf hatte ich die gute Idee, einfach mal aufs Tor zu schießen. Hat geklappt.

Ich bin schon oft gefragt worden, was mir damals durch den Kopf geschossen ist. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. In dem Moment denkt man nicht nach. Ich war vom Instinkt geleitet. Du spielst auf das Tor, du schießt auf das Tor und auf einmal ist der Ball drin. Bis ich erst mal verstanden habe, dass ich ein so wichtiges Tor geschossen hatte, ist schon ein wenig Zeit verstrichen. Aber in diesem Augenblick war es einfach nur Freude. Die pure Freude. Man kann es nicht schildern, das muss man erleben.

Schiedsrichter pfeift direkt nach Tor ab

Und just danach hat der Schiedsrichter abgepfiffen, es hat also alles gepasst. Einfach alles. Dass ich eine gute Idee gehabt habe, dass der Schuss genau reingegangen ist, einfach alles. Es lief ideal. Es war ein Endspiel, und wenn man dort auch noch so ein Tor schießt, dann bleibt das in den Köpfen und den Geschichtsbüchern. Es war ja nicht irgendein Bundesligaspiel, es war das Finale des Landesmeisterpokals.

Ich habe ja im Nachhinein gehört, dass der spanische Torwart schon die Handschuhe ausgezogen hatte, ehrlich gesagt habe ich in diesem Moment nicht darauf geachtet. All diese Geschichten sind erst hernach aufgekommen, für mich ging es in diesem Moment lediglich um das Spiel. Und wenn er sie tatsächlich ausgezogen hatte - sein Pech. Wobei: Genützt hätte es auch nichts, weil das Ding schön gepasst hat.

Georg "Katsche" Schwarzenbeck

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