tz-Experten-Kolumne

Calmund: BVB-Sieg in München? "Warum nicht?"

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Reiner Calmund hält einen Sieg des BVB beim FC Bayern im DFB-Pokal nicht für unwahrscheinlich.

München - In der tz-Experten-Kolumne analysiert Reiner Calmund das freiwillige Aus von Jürgen Klopp beim BVB. Das könnte für den FC Bayern mit Blick auf der DFB-Pokal-Halbfinale noch einmal ganz gefährlich werden.

Als am Mittwochvormittag durchsickerte, dass Jürgen Klopp im Sommer in Dortmund aufhört, da überraschte mich nur noch der Zeitpunkt der Bekanntgabe, nicht aber die Tatsache an sich. Klopp hatte mehr als einmal angekündigt, diesen Schritt zu gehen, sollte er merken, dass es nicht mehr zu einhundert Prozent passt. Klopp verschaffte sich einen unheimlich starken Abgang und seinen Lebens-Freunden in Dortmund die Möglichkeit, sich früh genug um den Nachfolger zu kümmern. Er selbst wird nun mit Angeboten überhäuft, die attraktivsten werden aus England kommen. Klopp genießt auf der Insel ein Standing wie der Glockenturm von Big Ben. Er ist hip, modern, auch auf Englisch wortgewaltig und trotz aller Erfolge und der schönen Vergangenheit ein relativ unverbrauchtes Gesicht.

Auch was seine Rest-Dienstzeit in Dortmund angeht, halte ich den Schritt vom Mittwoch für klug. Ich bin sicher, dass Trainer, Spieler, Vereinsführung und Fans in den restlichen sechs Ligaspielen ganz eng zusammenrücken werden. Gelingt es ihm noch einmal, alles aus dem Team rauszukitzeln, dann halte ich alles für möglich: Das Erreichen der Europa League, und auch als Außenseiter wäre ein Sieg bei den Bayern im Pokalhalbfinale nicht unmöglich.

Die Spieler werden ihrem Trainer, dem sie sehr viel zu verdanken haben, genau zugehört haben, als er davon sprach, sein innigster Wunsch sei es, noch einmal auf dem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren. Und ich denke, trotz aller personellen Sorgen, trotz aller Reibungsverluste, die in einer solch langen Zusammenarbeit entstehen, werden die Jungs noch einmal alles geben, um diesem Mann einen Abschied nach Maß zu bereiten.

Ich erwarte jetzt ein sechswöchiges Abschiedsspektakel und dann einen Nachfolger namens Thomas Tuchel. Ein anderer Kandidat fällt mir zumindest auf dem deutschen Trainermarkt beim besten Willen nicht ein. Tuchel wäre mir spontan auch für den HSV eingefallen. Aber der Kuchen ist gegessen. Die Vorstellung von Bruno Labbadia als neuer Trainer kam unerwartet, obwohl er schon lange als Kandidat gehandelt wurde. Er stand aber immer ganz klar hinter Wunschtrainer Thomas Tuchel, dessen Bekenntnis jedoch fehlte, den HSV auch in der 2. Liga trainieren zu wollen.

Aus einem persönlichen Gespräch mit Tuchel weiß ich, dass er sich für einen HSV-Neuaufbau sehr interessierte. Er wusste seit einem Jahr, dass ihn alle wichtigen HSV-Entscheidungsträger auf der Kommandobrücke sehen wollten. Tuchel war zuletzt irritiert, dass seine Vertragszahlen bis hinter dem Komma exakt in der Öffentlichkeit auftauchten. Nun kam es anders und HSV-Chef Didi Beiersdorfer sieht alles andere als glücklich aus, zumal er bei allen Trainer-Entscheidungen Tuchel im Hinterkopf hatte.

Reiner Calmund

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