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Wir haben geheult wie die Schlosshunde…

Heynckes’ Entlassung war Hoeneß’ „größte Fehlentscheidung“

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Die Entlassung seines Freundes 1991 war Hoeneß’ „größte Fehlentscheidung.

Die Stimme des (Fan-)Volkes war nicht zu überhören. „Heynckes raus!“ hallte es bei der 1:4-Niederlage gegen die Stuttgarter Kickers am 5. Oktober 1991 durchs Olympiastadion.

Auf Tabellenplatz zwölf war der Trainer mit dem Team abgestürzt – und das, obwohl die Mannschaft namhaft war. Hillringhaus, Berthold, Grahammer, Ziege, Pflügler, Effenberg, Schwabl, Bender, Sternkopf, Labbadia, Wohlfarth lautete Heynckes letzte Startelf. Doch die Stars konnten oder wollten ihn nicht retten. Am 8. Oktober 1991 entließ ihn das Präsidium um Fritz Scherer und holte Sören Lerby – ein Rauswurf, den Uli Hoeneß später immer als „größte Fehlentscheidung“ seiner Karriere bezeichnete. Denn Weltmeister Heynckes (63) war für den Manager stets mehr als ein Trainer. „Wir haben geheult wie die Schlosshunde“, berichtete Hoeneß über den Tag der Entlassung. „Aber das hat unserer Freundschaft nicht geschadet.“

Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern

Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Trotz der Umarmung in Bielefeld: Jürgen Klinsmann muss gehen, auch Manager Uli Hoeneß trug die Entscheidung mit. Die tz zeigt, wie das Verhältnis von Hoeneß zu seinen bisherigen Trainern war. © sampics
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Pal Csernai: Hoeneß war noch ein Neuling. Dass Csernai 1983 drei Spieltage vor Schluss entlassen wurde, war weniger seine Entscheidung als die von Präsident Willi O. Hoffmann. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Reinhard Saftig: Interims­trainer für drei Spiele. © dpa
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Udo Lattek: Lattek holte Hoeneß als 18-Jährigen zu den Bayern, sie hatten daher fast eine Vater-Sohn-Beziehung. Latteks Vertrag nicht zu verlängern, fiel Hoeneß schwer. © AP
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Jupp Heynckes: Eine echte Männerfreundschaft. Ihn zu feuern, war für Hoeneß „die schwerste Entscheidung meines Lebens“. Er tat es dennoch – zum Wohle des Vereins. Jetzt holt Hoeneß ihn zurück. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Sören Lerby: Mit dem Dänen geriet Bayern in Abstiegsgefahr, Hoeneß musste reagieren. Das Verhältnis zu Lerby war normal, ihn zu feuern fiel ihm nicht wirklich schwer. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Erich Ribbeck: Ribbeck galt als Beckenbauer-Freund, Hoeneß fand keinen besonderen Draht zu ihm, der „Sir“ zeigte zu wenig Emotionen. Präsident Scherer übernahm den Rauswurf. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Franz Beckenbauer: Beckenbauers Fleiß imponierte Hoeneß, der Kaiser war bei beiden Engagements nur als Feuerwehrmann gedacht, musste daher nicht gefeuert werden. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Giovanni Trapattoni: Traps freundliches Wesen, seine liebenswerte Art mochte auch Hoeneß. Da beide Seiten wussten, dass es keine Zukunft geben würde, trennte man sich einvernehmlich. Ein Rauswurf wäre Hoeneß schwergefallen. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Otto Rehhagel: Wurde von der Mannschaft abgesägt, Hoeneß musste reagieren. Einen besonders innigen Draht hatten beide ohnehin nicht zueinander. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Ottmar Hitzfeld: Hitzfelds natürliche Autorität, sein gewinnendes Wesen und seine Ehrlichkeit kamen bei Hoeneß gut an. Hoeneß wollte Hitzfeld nicht rauswerfen, konnte aber seine Verträge beide Male nicht verlängern. © dpa
Uli Hoeneß: So stand er zu seinen Trainern
Felix Magath: War Hoeneß zu wenig kommunikativ, das Verhältnis blieb distanziert-professionell. Der Rauswurf fiel ihm dennoch schwer, weil sich Magath immer korrekt verhielt. (Texte: jj) © dpa

1987 hatte Heynckes (220-Bundesliga-Treffer, Platz drei der ewigen Rangliste hinter Müller und Fischer) nach acht Jahren als Coach in Gladbach als Trainer an der Säbener Straße angefangen und ein schweres Erbe angetreten. Lattek war dreimal in Folge Meister geworden, allerdings hatten Matthäus, Brehme und Pfaff den Verein verlassen. 1989 wurde Heynckes mit den Bayern Meister – unvergessen war damals der Sportstudio-Auftritt an der Seite von Hoeneß gegen Daum („Die Wetterkarte ist interessanter als Jupp Heynckes“).

Nach der Trennung von Bayern unterschrieb „Don Jupp“ 1992 in Bilbao. Zwei Jahre später ging er nach Frankfurt, scheiterte dort am Aufstand der Stars um Yeboah, Gaudino und Okocha. Über Teneriffa (1995 – 1997) kam Heynckes zu Real Madrid und wurde am Saisonende 1998 gefeuert – nach dem Gewinn der Champions League. Klub-Boss Lorenzo Sanz hatte ihn gezielt demontiert, sagte scheinheilig bei der Entlassung: „Die Entscheidung erfüllt mich mit Traurigkeit.“

Über Benfica Lissabon (1999/ 2000) und Bilbao (2001/2003) ging’s zu Schalke. Dort wurde er nach anderthalb Jahren entlassen und von Rudi Assauer mit den wenig schmeichelhaften Worten verabschiedet: „Der Jupp ist ein Fußballer der alten Schule, aber wir haben 2004.“

Dem beruflichen Tiefschlag folgte der persönliche Schicksalsschlag, der ihn zu einer anderthalbjährigen Auszeit zwang. Seine Frau Iris war an Krebs erkrankt, und Heynckes wollte sich um sie kümmern. Iris Heynckes geht es wieder besser, sie war auch beim Bayern-Spiel gegen Schalke mit im Stadion. Die beiden wohnen auf einem restaurierten Bauernhof mit 5000 Quadratmetern Gründstück in Schwalmtal am Niederrhein. Casa de los Gatos (Haus der Katzen) heißt der Hof – „eine richtige Oase“, sagt Jupp Heynckes.

Klinsmanns Abgang

Klinsmanns Abgang
Jürgen Klinsmann geht durch die Tür: Es ist sein letztes Bayern-Foto! tz-online.de zeigt seinen bitteren Abgang. © Volpe
Klinsmanns Abgang
Jürgen Klinsmann kam um 9:23 Uhr durch die Tiefgarage und verließ sie zwei Stunden später wieder. © dpa
Klinsmanns Abgang
Bei seiner Ankunft war er noch Bayern-Trainer, bei seiner Abfahrt nicht mehr. © dpa
Klinsmanns Abgang
Klinsmann ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. © AP
Klinsmanns Abgang
Bis zuletzt zeigte er sich optimistisch, wollte nicht hinwerfen, sondern sein Konzept durchziehen. © AP
Klinsmanns Abgang
All der Optimismus scheint schlagartig aus seinem Gesicht gewichen. © dpa
Klinsmanns Abgang
Das Auto fährt den Fotografen entgegen. © sampics
Klinsmanns Abgang
Auch bei Tageslicht betrachtet wirkt Klinsmanns Gesicht nicht freundlicher. © sampics
Klinsmanns Abgang
Wie auch? © sampics
Klinsmanns Abgang
"Sehr enttäuscht" sei er über die Entlassung, ließ er verlauten. © AP
Klinsmanns Abgang
Sein Shirt ist rot, doch Klinsmann ist kein Roter mehr. © dpa
Klinsmanns Abgang
Der Ex-Trainer fährt vom Verensgelände. Die Mission Klinsmann ist gescheitert. © dpa
Uli Hoeneß tritt ins Freie. © dpa
Der Manager schaut auf sein Handy. Ob sich durch die Trainerentlassung nun Ruhe und Erfolg einstellen? © dpa

Am 23. Mai 2006 unterschrieb er bei dem Verein, wo er als Spieler und Trainer groß geworden war – in Gladbach. Er begann mit vier Heimsiegen – doch dann fuhr die Borussia bis zur Winterpause keinen Dreier mehr ein. Heynckes erhielt über Wochen Morddrohungen. „Die waren so ernst zu nehmen, dass ich in Bochum und Cottbus von mehreren Polizisten in Zivil begleitet wurde“, berichtete er und begründete damit seinen Rücktritt im Januar 2007 nach einem 0:0 gegen Nürnberg: „Das hat eine Dimension erhalten, die ich meiner Frau nicht länger zumuten kann.“ Er verabschiedete sich in den Ruhestand – und was ihn jetzt erwartet, weiß er: „Wer es bei Bayern München vier Jahre lang ausgehalten hat, der kann dem Druck bei jedem Klub der Welt standhalten.“ Über sein erstes Spiel sagt er jetzt: „Dass das gegen die Borussia ist, ist schon Wahnsinn. Da sind zwei Seelen in meiner Brust…“

Bernd Brudermanns

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