Bosse ziehen Notbremse/ Heynckes als Retter/ Hoeneß: „Aufbruchstimmung“

Hier gehen Klinsi & seine Millionen

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Um 11. 24 Uhr hieß es: Schluss, aus, vorbei. Hier verlässt Jürgen Klinsmann in Begleitung seines Beraters Roland Eitel ein allerletztes Mal die Geschäftsstelle.

Vom Helden des WM-Sommermärchens zum Sündenbock beim FC Bayern: Jürgen Klinsmann ist nach nicht einmal zehn Monaten in München gescheitert, das Experiment mit dem selbst ernannten Reformer ist nach 302 Tagen beendet.

Am Montag, 11.24 Uhr, verließ der sichtlich angeschlagene Klinsmann letztmals die Geschäftsstelle an der Säbener Straße. Im Gepäck: die Abfindung in Millionenhöhe?

Manager Hoeneß zu den finanziellen Folgen der Entlassung im BR: „Das diese Abfindung jetzt Geld kostet ist keine Frage. Aber eine Runde im Europapokal ersetzt die ganze Trainerorgie.“ Die Entlassung soll Klinsmann jedenfalls mit einem Jahresgehalt von fünf Millionen Euro plus Prämienzahlung versüßt worden sein. Vielleicht hat Klinsmann-Berater Roland Eitel – auf unserem Exklusiv-Foto direkt hinter Klinsmann – deshalb ein Lächeln im Gesicht…

Nach dem „Befreiungsschlag“ (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge) soll es nun bis Saisonende Jupp Heynckes richten – assistiert von Amateur-Trainer Hermann Gerland.

Rummenigge: „Es ist ein Moment entstanden, an dem wir eine psychologische Barriere zur Seite räumen mussten, um unsere Ziele zu erreichen.“ Der FC Bayern brauche eine „Aufbruchstimmung“, unterstrich Manager Uli Hoeneß.

Der 63 Jahre alte Heynckes, 1998 mit Real Madrid Champions-League-Sieger und direkt danach von den Königlichen entlassen, war seit seinem Abgang in Mönchengladbach Ende Januar 2007 ohne Job und wird nun bis zum Saisonende neuer Chefcoach. „Ich tue das für den FC Bayern, der mir das Sprungbrett in den internationalen Fußball gegeben hat, und aus Freundschaft zu Uli Hoeneß“, sagte der Ex-Nationalspieler, der die Bayern erstmals am Samstag ausgerechnet gegen Mönchengladbach betreuen wird, der Rheinischen Post.

Wer wird im Sommer neuer Bayern-Trainer?

Trainer-Kandidaten FC Bayern
Das Projekt Klinsmann ist beendet! Am 27. April entließ der Verein seinen Trainer und präsentierte Jupp Heynckes als Interimslösung bis Saisonende. Und wer übernimmt im Sommer? Das sind die Kandidaten. © AP
Louis van Gaal
Louis van Gaal: Er führte AZ Alkmaar zur niederländischen Meisterschaft und soll nun nach Höherem streben, sprich: einem großen Club in einer großen Liga! Van Gaal gilt als der Top-Kandidat auf den Trainerposten bei den Bayern. Van Gaal ist der Wunschkandidat schlechthin der Bayern, allerdings macht sein Arbeitgeber AZ Alkmaar noch Probleme. Van Gaal hat dort einen Vertrag bis 2010.  © AP
Matthias Sammer
Matthias Sammer: Ein junger, intelligenter, in der Fußballwelt anerkannter Trainer. Er führte schon Borussia Dortmund zur Meisterschaft. Seit dem 1. April 2006 ist er beim DFB als Sportdirektor beschäftigt. Er wird von der SZ und von Udo Lattek („Matthias wäre der goldene Schuss für Bayern“) als Favorit auf die Klinsmann-Nachfolge angesehen. © dpa
Schuster
Bernd Schuster: Er ist der zweite Favorit der Fans. Einer der wenigen deutschen Trainer von Weltrang. Er hat zuletzt immerhin Real Madrid trainiert und mit dem FC Getafe große Erfolge gefeiert. Der "Blonde Engel" wäre auch noch auf dem Markt! © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Oliver Kahn: Wer könnte die Jungs momentan besser motivieren als Oliver Kahn? "Weiter! Immer weiter!" Sein Wort hat Gewicht. Er ist der FC Bayern, der FC Bayern ist Oliver Kahn. Aber: Der Titan hat keinerlei Trainererfahrung und scheint auch eher einen Job im Management anzustreben als auf der Bank. Und selbst da spielt der FC Bayern derzeit für ihn keine Rolle, wie er gegenüber der tz bestätigte.  © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Klaus Augenthaler: "Auge" ist ein Roter durch und durch und nicht die ganz große Lösung. Allerdings bringt er von seinen Jobs u.a. beim VfL Wolfsburg und bei Bayer Leverkusen jede Menge Erfahrung als Trainer mit. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Roberto Mancini: Noch ein klangvoller Name. Inter Mailand, Lazio Rom und der AC Florenz stehen in der Trainer-Vita des Italieners. Mit Inter holte er drei Meistertitel in Folge, wurde aber vor rund einem Jahr vor die Tür gesetzt. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Frank Rijkaard: Der Holländer spricht Deutsch, holte mit dem FC Barcelona zwei Meisterschaften und einen Champions-League-Titel und wäre auf dem Markt. Definitiv ein Kandidat! © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Luiz Felipe Scolari: Wenn Scolari kein Trainer mit Weltrang ist, wer dann? Er führte Brasilien zum Weltmeistertitel und Portugal ins WM-Halbfinale. Scolari trainierte außerdem den FC Chelsea, wo er im Februar entlassen wurde. Wie bei vielen anderen internationalen Top-Trainern allerdings ein Problem: die Deutschkenntnisse. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Lucien Favre: Die Bayern sind dafür bekannt, den Ligakonkurrenten die besten Spieler und Trainer abzuwerben. Also ist automatisch auch Lucien Favre ein Kandidat. Der Herthaner ist neben Felix Magath DER Trainer der Saison. © dpa
Martin Jol
Martin Jol: Der HSV-Trainer leistet hervorragende Arbeit, deswegen wird auch er gehandelt. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Thomas Schaaf: Im UEFA- und im DFB-Pokal läuft es rund für Werder und Schaaf, in der Liga nicht. Fachlich wie menschlich sind seine Fähigkeiten unbestritten - möglicherweise bietet sich für die neue Saison ein Neuanfang bei den Bayern an. Wolfsburg scheint ebenfalls interessiert. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Mirko Slomka: Beim FC Schalke 04, seiner ersten echten Trainerstation, sorgte er für Achtungserfolge, musste dann aber auch aufgrund interner Querelen wieder gehen. Seitdem wird er immer wieder ins Spiel gebracht, wenn irgendwo ein Trainer entlassen wird. Er scheint aber noch auf das richtige Angebot zu warten - von den Bayern? © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Klaus Toppmöller: Wer Erfahrung sagt, meint Toppmöller. Er ist einer der großen Trainer-Routiniers des deutschen Fußballs. Für den 57-Jährigen wären die Bayern eine echte Herausforderung - und dem Fuchs kann keiner etwas vormachen. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Slaven Bilic: Der FC Schalke 04 wollte ihn und hat ihn nicht bekommen - sieht das anders aus, wenn der FC Bayern anruft? Der kroatische Nationaltrainer führte sein Team bis ins Viertelfinale der Europameisterschaft und fügte in der Vorrunde der Löw-Truppe eine bittere Niederlage zu. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Ronald Koeman: Noch einer aus der scheinbar nie versiegenden Gilde niederländischer Top-Trainer! Vor allem mit Ajax Amsterdam war Koeman erfolgreich, danach führte ihn seine Trainerkarriere über Benfica, Eindhoven und den FC Valencia in die Arbeitslosigkeit - holt ihn der FCB da raus? © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Sven-Göran Eriksson: 21 Titel, aber keinen Job! So sieht es derzeit bei dem Schweden aus, einem der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten. Er wurde im April von Mexiko entlassen und wäre bestimmt nicht abgeneigt, wieder ins europäische Vereinsgeschäft einzusteigen. Sicher ein Kandidat, wenn sich die Bayern für einen erfahrenen Top-Trainer entscheiden. © dpa
Wenger
Arsène Wenger: Laut "Daily Mail" ist auch er ein Kandidat. Der Franzose trainiert seit 1996 Arsenal London - und das mit großem Erfolg. Aber wer weiß, ob sich nicht langsam Amtsmüdigkeit bei ihm eingestellt hat. Großer Vorteil: Wenger spricht fließend Deutsch. © dpa
Carlo Ancelotti: “Ancelotti gefällt den Bayern“, verriet Milan-Berater Ernesto Bronzetti in einem Radio-Interview. Angeblich sollen auch Real Madrid, der FC Chelsea, Manchester City und der AS Rom interesse an Ancelotti haben. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Fabio Capello: Im Herbst seiner Karriere wollte der Italiener eine große Nationalmannschaft betreuen - und hat dieses Ziel jetzt in England erreicht. Würde ihn nach AC Mailand, Real Madrid und Juventus Turin noch der FC Bayern reizen? © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Guus Hiddink: Zahlreiche Stimmen fordern "einen wie Hiddink" als Klinsmann-Nachfolger. Oder soll es doch Hiddink selbst sein? Der Trainerfuchs coacht Russland und gleichzeitig den FC Chelsea. Einen derart begehrten Mann an die Säbener Straße zu lotsen, könnte nicht einfach werden. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Jürgen Klopp: "Kloppo" wurde schon als Bayern-Trainer gehandelt, als der Name Klinsmann an der Säbener Straße als Trainer noch gar nicht aufgetaucht war. Derzeit bringt er Stimmung zu Borussia Dortmund und hat dort nach gewissen Anfangsschwierigkeiten in die Erfolgsspur gefunden. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Lothar Matthäus: Sein Name taucht fast immer auf, wenn irgendwo ein Trainerposten frei wird. Allerdings ist er der unwahrscheinlichste aller Kandidaten. Schließlich wäre es ein zu hohes Risiko, dem Rekordnationalspieler, ohne Trainererfahrung bei einem Großclub, nach dem gescheiterten Klinsmann-Experiment eine Chance zu geben. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Alex Ferguson: Der "Sir" unter den Trainern coacht seit 1986 Manchester United und ist mit seinen 67 Jahren nicht mehr der Jüngste. Aber er steht für Erfolg und Erfahrung. Doch ganz ehrlich: Da wäre ein neuerliches Engagement von Jürgen Klinsmann noch wahrscheinlicher... © AP
Jupp Heynckes
Jupp Heynckes: Natürlich wäre denkbar, dass aus der Interimslösung doch eine Dauerlösung wird. Doch die Verantwortlichen haben ein längerfristiges Engagement klar ausgeschlossen.  © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Armin Veh: Wer mit dem VfB Stuttgart die Meisterschaft holt, für den wäre es doch auch mit dem FC Bayern ein Leichtes, oder? Armin Veh gilt als Sturkopf, aber auch als großer Motivator. Der Augsburger kennt außerdem die Mentalität in Bayern. Er wäre einer der Top-Kandidaten. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Ottmar Hitzfeld: Es kann nur einen geben! Zumindest für die Fans! Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld trauern viele Anhänger hinterher. Er ist momentan Nationaltrainer der Schweiz und scheint die Ruhe in diesem Job zu genießen. Doch wenn die Bayern einen neuen Trainer suchen, wäre er womöglich erster Ansprechpartner. © dpa

Ein längerfristiges Engagement von „Don Jupp“ schlossen die Bayern-Verantwortlichen bereits aus, sie wollen „zeitnah“ für die kommende Saison eine „überzeugende Lösung“ präsentieren. Da Rummenigge, Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner die Mindestziele in Gefahr sahen und „große Sorgen um den Verein“ (Hoeneß) hatten, zogen sie nach der 0:1-Pleite gegen Schalke und einer mehrstündigen Krisensitzung die Notbremse. Am Montagmorgen wurde Klinsmann von seinem Rauswurf unterrichtet. Hoeneß: „Er war überrascht, sogar schockiert.“

„Wir haben uns diese Entscheidung sehr schwer gemacht“, sagte Rummenigge, „aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise, wie diese zustande kamen, und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende, zwangen uns aus Verantwortung dem Klub gegenüber zu handeln.“ Rummenigge sprach von einer „Lösung, die wir gebraucht haben. Wir trauen Jupp zu, mit seiner Erfahrung die Dinge in die richtige Richtung zu lenken.“ Laut Hoeneß sehe man nun wieder eine „Chance, mit neuem Schwung noch das Unglaubliche zu schaffen“. Heynckes sei ein „Fußballlehrer. Das ist es, was wir jetzt brauchen.“ Ein Seitenhieb auf Klinsmann, der ja ein Trainerneuling war?

Die Mannschaft jedenfalls wurde am Montagmittag vom Vorstand einbestellt und über die Entscheidung informiert. Man habe den Stars klargemacht, „dass es nun keine Alibis mehr gibt. Ab sofort ist die Mannschaft gefragt, Vollgas zu geben“, sagte Rummenigge.

Klinsmanns Abgang

Klinsmanns Abgang
Jürgen Klinsmann geht durch die Tür: Es ist sein letztes Bayern-Foto! tz-online.de zeigt seinen bitteren Abgang. © Volpe
Klinsmanns Abgang
Jürgen Klinsmann kam um 9:23 Uhr durch die Tiefgarage und verließ sie zwei Stunden später wieder. © dpa
Klinsmanns Abgang
Bei seiner Ankunft war er noch Bayern-Trainer, bei seiner Abfahrt nicht mehr. © dpa
Klinsmanns Abgang
Klinsmann ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. © AP
Klinsmanns Abgang
Bis zuletzt zeigte er sich optimistisch, wollte nicht hinwerfen, sondern sein Konzept durchziehen. © AP
Klinsmanns Abgang
All der Optimismus scheint schlagartig aus seinem Gesicht gewichen. © dpa
Klinsmanns Abgang
Das Auto fährt den Fotografen entgegen. © sampics
Klinsmanns Abgang
Auch bei Tageslicht betrachtet wirkt Klinsmanns Gesicht nicht freundlicher. © sampics
Klinsmanns Abgang
Wie auch? © sampics
Klinsmanns Abgang
"Sehr enttäuscht" sei er über die Entlassung, ließ er verlauten. © AP
Klinsmanns Abgang
Sein Shirt ist rot, doch Klinsmann ist kein Roter mehr. © dpa
Klinsmanns Abgang
Der Ex-Trainer fährt vom Verensgelände. Die Mission Klinsmann ist gescheitert. © dpa
Uli Hoeneß tritt ins Freie. © dpa
Der Manager schaut auf sein Handy. Ob sich durch die Trainerentlassung nun Ruhe und Erfolg einstellen? © dpa

Am 30. Juni 2008 war Klinsmann beim FC Bayern mit hohen Ansprüchen und viel Elan in seine erste Amtszeit als Vereinstrainer gestartet. Jeden Spieler wollte der ehemalige Bundestrainer besser machen, eine neue Spielphilosophie entwickeln, die Bayern in Europas Spitze führen und zudem möglichst viele Titel gewinnen – doch die hohen Erwartungen konnte er nicht erfüllen. „Natürlich bin ich im Moment sehr enttäuscht“, sagte Klinsmann bei FCB.de nach einer „ereignisreichen Zeit“ und zeigte, dass er weiter an den Erfolg seiner Neuerungen glaubt: „Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft. Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison deutscher Meister werden kann.“ Das aber dann ohne Jürgen Klinsmann…

tz

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