"Hinter jedem Trainer steht ja auch Familie"

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Uli Hoeneß hat ein Herz, sagt er.

Interview mit Uli Hoeneß, dem Manager des FC Bayern München.

Herr Hoeneß, Sie wirken seit der Trennung von Jürgen Klinsmann sehr entspannt. Ist für Sie da eine Last abgefallen?

Hoeneß: Natürlich. Wenn man sich wochenlang den Kopf zermartert, wie es weitergehen soll, und dann eine Entscheidung trifft, ist es doch oft so, dass man erleichtert ist. Wir haben uns die Entscheidung ja nicht leicht gemacht. Wir haben alles abgewägt und uns fast jeden Sonntag getroffen, um die Situation zu analysieren.

Also stand es für Klinsi seit Wochen Spitz auf Knopf?

Hoeneß: Ja, nach dem Wolfsburg- und dem Barcelona-Spiel war die Situation ja schon eskaliert. Das habe ich Jürgen auch genau so gesagt, dass es für ihn bei einer Niederlage eng werden könnte.

Wie sehr war es ein Problem, dass viele Bayern-Fans ihn von Anfang an nicht akzeptiert haben?

Hoeneß: Wenn man das Gefühl hat, dass der Druck der Fans die Mannschaft belastet, wird es ein Problem. Wie gegen Schalke, wo bei Fehlpässen sofort ,Klinsmann raus’-Rufe kamen. Dann werden die Spieler kopflos und spielen blind nach vorne, wo sie auch mal ruhig spielen könnten. Das hat Bayern ja immer ausgezeichnet: Auch warten zu können, erst in der 70. Minute das Tor zu machen. Das war zuletzt nicht mehr so, deswegen waren wir gezwungen zu reagieren.

Es lag nicht nur am Ergebnis, auch an der Spielweise?

Hoeneß: Ja. Wir hatten das Gefühl, dass die Mannschaft nicht so spielt, wie ihre Fähigkeiten sind. Es gab ja diesmal keine Ausreden. Es gab das erste Mal seit Wochen keine Doppelbelastung. Und plötzlich hattest du in der zweiten Hälfte ein Problem, Gas zu geben und Chancen herauszuspielen. Das hat uns sehr unruhig gemacht.

Wie schwer fällt Ihnen die Entlassung?

Hoeneß: Ich hatte eine total schlaflose Nacht. Hinter jedem Trainer steht ja auch eine Familie. Und ich finde, wir hatten ein gutes Verhältnis miteinander. Ich hoffe sehr, dass sich das einigermaßen aufrecht erhalten lässt. Von daher ist das natürlich eine unsägliche Problematik für jeden, der ein Herz hat.

Wie soll Heynckes die psychische Blockade lösen?

Hoeneß: Ich denke, das kommt schon dadurch, das ein neuer Mann da ist. Der ist ja unbelastet, die Zuschauer werden auch die Entscheidung für Hermann Gerland positiv sehen. Wir wollten eben auch die Psychologie in der Allianz Arena drehen.

Soll der Trainer für die kommende Saison einer aus der Kategorie Hiddink, Wenger, Mourinho werden?

Hoeneß: Wir werden das nicht in der Öffentlichkeit besprechen. Das Anforderungsprofil werden wir unserem Kandidaten selber sagen und nicht der Presse.

Wer wird im Sommer neuer Bayern-Trainer?

Trainer-Kandidaten FC Bayern
Das Projekt Klinsmann ist beendet! Am 27. April entließ der Verein seinen Trainer und präsentierte Jupp Heynckes als Interimslösung bis Saisonende. Und wer übernimmt im Sommer? Das sind die Kandidaten. © AP
Louis van Gaal
Louis van Gaal: Er führte AZ Alkmaar zur niederländischen Meisterschaft und soll nun nach Höherem streben, sprich: einem großen Club in einer großen Liga! Van Gaal gilt als der Top-Kandidat auf den Trainerposten bei den Bayern. Van Gaal ist der Wunschkandidat schlechthin der Bayern, allerdings macht sein Arbeitgeber AZ Alkmaar noch Probleme. Van Gaal hat dort einen Vertrag bis 2010.  © AP
Matthias Sammer
Matthias Sammer: Ein junger, intelligenter, in der Fußballwelt anerkannter Trainer. Er führte schon Borussia Dortmund zur Meisterschaft. Seit dem 1. April 2006 ist er beim DFB als Sportdirektor beschäftigt. Er wird von der SZ und von Udo Lattek („Matthias wäre der goldene Schuss für Bayern“) als Favorit auf die Klinsmann-Nachfolge angesehen. © dpa
Schuster
Bernd Schuster: Er ist der zweite Favorit der Fans. Einer der wenigen deutschen Trainer von Weltrang. Er hat zuletzt immerhin Real Madrid trainiert und mit dem FC Getafe große Erfolge gefeiert. Der "Blonde Engel" wäre auch noch auf dem Markt! © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Oliver Kahn: Wer könnte die Jungs momentan besser motivieren als Oliver Kahn? "Weiter! Immer weiter!" Sein Wort hat Gewicht. Er ist der FC Bayern, der FC Bayern ist Oliver Kahn. Aber: Der Titan hat keinerlei Trainererfahrung und scheint auch eher einen Job im Management anzustreben als auf der Bank. Und selbst da spielt der FC Bayern derzeit für ihn keine Rolle, wie er gegenüber der tz bestätigte.  © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Klaus Augenthaler: "Auge" ist ein Roter durch und durch und nicht die ganz große Lösung. Allerdings bringt er von seinen Jobs u.a. beim VfL Wolfsburg und bei Bayer Leverkusen jede Menge Erfahrung als Trainer mit. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Roberto Mancini: Noch ein klangvoller Name. Inter Mailand, Lazio Rom und der AC Florenz stehen in der Trainer-Vita des Italieners. Mit Inter holte er drei Meistertitel in Folge, wurde aber vor rund einem Jahr vor die Tür gesetzt. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Frank Rijkaard: Der Holländer spricht Deutsch, holte mit dem FC Barcelona zwei Meisterschaften und einen Champions-League-Titel und wäre auf dem Markt. Definitiv ein Kandidat! © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Luiz Felipe Scolari: Wenn Scolari kein Trainer mit Weltrang ist, wer dann? Er führte Brasilien zum Weltmeistertitel und Portugal ins WM-Halbfinale. Scolari trainierte außerdem den FC Chelsea, wo er im Februar entlassen wurde. Wie bei vielen anderen internationalen Top-Trainern allerdings ein Problem: die Deutschkenntnisse. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Lucien Favre: Die Bayern sind dafür bekannt, den Ligakonkurrenten die besten Spieler und Trainer abzuwerben. Also ist automatisch auch Lucien Favre ein Kandidat. Der Herthaner ist neben Felix Magath DER Trainer der Saison. © dpa
Martin Jol
Martin Jol: Der HSV-Trainer leistet hervorragende Arbeit, deswegen wird auch er gehandelt. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Thomas Schaaf: Im UEFA- und im DFB-Pokal läuft es rund für Werder und Schaaf, in der Liga nicht. Fachlich wie menschlich sind seine Fähigkeiten unbestritten - möglicherweise bietet sich für die neue Saison ein Neuanfang bei den Bayern an. Wolfsburg scheint ebenfalls interessiert. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Mirko Slomka: Beim FC Schalke 04, seiner ersten echten Trainerstation, sorgte er für Achtungserfolge, musste dann aber auch aufgrund interner Querelen wieder gehen. Seitdem wird er immer wieder ins Spiel gebracht, wenn irgendwo ein Trainer entlassen wird. Er scheint aber noch auf das richtige Angebot zu warten - von den Bayern? © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Klaus Toppmöller: Wer Erfahrung sagt, meint Toppmöller. Er ist einer der großen Trainer-Routiniers des deutschen Fußballs. Für den 57-Jährigen wären die Bayern eine echte Herausforderung - und dem Fuchs kann keiner etwas vormachen. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Slaven Bilic: Der FC Schalke 04 wollte ihn und hat ihn nicht bekommen - sieht das anders aus, wenn der FC Bayern anruft? Der kroatische Nationaltrainer führte sein Team bis ins Viertelfinale der Europameisterschaft und fügte in der Vorrunde der Löw-Truppe eine bittere Niederlage zu. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Ronald Koeman: Noch einer aus der scheinbar nie versiegenden Gilde niederländischer Top-Trainer! Vor allem mit Ajax Amsterdam war Koeman erfolgreich, danach führte ihn seine Trainerkarriere über Benfica, Eindhoven und den FC Valencia in die Arbeitslosigkeit - holt ihn der FCB da raus? © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Sven-Göran Eriksson: 21 Titel, aber keinen Job! So sieht es derzeit bei dem Schweden aus, einem der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten. Er wurde im April von Mexiko entlassen und wäre bestimmt nicht abgeneigt, wieder ins europäische Vereinsgeschäft einzusteigen. Sicher ein Kandidat, wenn sich die Bayern für einen erfahrenen Top-Trainer entscheiden. © dpa
Wenger
Arsène Wenger: Laut "Daily Mail" ist auch er ein Kandidat. Der Franzose trainiert seit 1996 Arsenal London - und das mit großem Erfolg. Aber wer weiß, ob sich nicht langsam Amtsmüdigkeit bei ihm eingestellt hat. Großer Vorteil: Wenger spricht fließend Deutsch. © dpa
Carlo Ancelotti: “Ancelotti gefällt den Bayern“, verriet Milan-Berater Ernesto Bronzetti in einem Radio-Interview. Angeblich sollen auch Real Madrid, der FC Chelsea, Manchester City und der AS Rom interesse an Ancelotti haben. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Fabio Capello: Im Herbst seiner Karriere wollte der Italiener eine große Nationalmannschaft betreuen - und hat dieses Ziel jetzt in England erreicht. Würde ihn nach AC Mailand, Real Madrid und Juventus Turin noch der FC Bayern reizen? © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Guus Hiddink: Zahlreiche Stimmen fordern "einen wie Hiddink" als Klinsmann-Nachfolger. Oder soll es doch Hiddink selbst sein? Der Trainerfuchs coacht Russland und gleichzeitig den FC Chelsea. Einen derart begehrten Mann an die Säbener Straße zu lotsen, könnte nicht einfach werden. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Jürgen Klopp: "Kloppo" wurde schon als Bayern-Trainer gehandelt, als der Name Klinsmann an der Säbener Straße als Trainer noch gar nicht aufgetaucht war. Derzeit bringt er Stimmung zu Borussia Dortmund und hat dort nach gewissen Anfangsschwierigkeiten in die Erfolgsspur gefunden. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Lothar Matthäus: Sein Name taucht fast immer auf, wenn irgendwo ein Trainerposten frei wird. Allerdings ist er der unwahrscheinlichste aller Kandidaten. Schließlich wäre es ein zu hohes Risiko, dem Rekordnationalspieler, ohne Trainererfahrung bei einem Großclub, nach dem gescheiterten Klinsmann-Experiment eine Chance zu geben. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Alex Ferguson: Der "Sir" unter den Trainern coacht seit 1986 Manchester United und ist mit seinen 67 Jahren nicht mehr der Jüngste. Aber er steht für Erfolg und Erfahrung. Doch ganz ehrlich: Da wäre ein neuerliches Engagement von Jürgen Klinsmann noch wahrscheinlicher... © AP
Jupp Heynckes
Jupp Heynckes: Natürlich wäre denkbar, dass aus der Interimslösung doch eine Dauerlösung wird. Doch die Verantwortlichen haben ein längerfristiges Engagement klar ausgeschlossen.  © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Armin Veh: Wer mit dem VfB Stuttgart die Meisterschaft holt, für den wäre es doch auch mit dem FC Bayern ein Leichtes, oder? Armin Veh gilt als Sturkopf, aber auch als großer Motivator. Der Augsburger kennt außerdem die Mentalität in Bayern. Er wäre einer der Top-Kandidaten. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Ottmar Hitzfeld: Es kann nur einen geben! Zumindest für die Fans! Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld trauern viele Anhänger hinterher. Er ist momentan Nationaltrainer der Schweiz und scheint die Ruhe in diesem Job zu genießen. Doch wenn die Bayern einen neuen Trainer suchen, wäre er womöglich erster Ansprechpartner. © dpa

Wie sehr wollen Sie bei Transfers investieren?

Hoeneß: Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, dass wir nichts mehr machen. Wenn wir aber die Champions League erreichen, kann es auch sein, dass wir nochmal groß zuschlagen.

Interview: Jan Janssen

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