Frankfurt-Boss im tz-Interview

Bruchhagen: Darum war Hoeneß früher Feind - und heute Freund

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Im tz-Interview spricht Frankfurts Boss Heribert Bruchhagen (links) über Uli Hoeneß, den FC Bayern und den Abstiegskampf.

München - Im tz-Interview spricht Frankfurt-Boss Heribert Bruchhagen über Hoeneß, Gehälter, und Abstiegskampf.

Für Heribert Bruchhagen wird es am Wochenende die letzte Dienstreise nach München – zumindest als Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt. Nach 13 Jahren an der Spitze des hessischen Traditionsvereins tritt Bruchhagen im Sommer ab. Deshalb sprach die tz mit dem 67-Jährigen nicht nur über die Partie seiner Eintracht am Samstag beim FC Bayern, sondern auch über Geschichten aus seiner fast 30-jährigen Zeit im Fußball-Geschäft: angefangen vom Schalke-Manager 1988 bis zum Frontmann in Frankfurt.

Herr Bruchhagen, am Dienstag waren Sie beim Länderspiel in München, morgen beim Spiel Ihrer Eintracht. Welche Reise ist die schönere?

Bruchhagen: Die am Dienstag war zumindest die entspanntere. Nach der Vorstandssitzung von DFB und DFL bin ich in die Arena gefahren und habe mich mit Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner in einer Loge getroffen. Wir haben gemeinsam gegessen und uns dann das Länderspiel angeguckt. Am Samstag werde ich deutlich angespannter sein, das kann ich Ihnen jetzt schon sagen.

Sie treten am Saisonende als Vorstandsboss der Eintracht ab. Auf das Szenario Abstiegskampf hätten Sie verzichten können, oder?

Bruchhagen: Ich habe mir unsere Saison anders vorgestellt, keine Frage. Aber so ist es nun mal im Fußball. Wenn sich eine Eigendynamik entwickelt, ist die nicht so leicht zu stoppen. Dann kann sie einen mal in die Europa League, manchmal aber auch in den Abstiegskampf führen. Doch darauf ist man nach 13 Jahren Eintracht vorbereitet.

Dabei waren Sie es, der die Bezeichnung der „zementierten Tabelle“ salonfähig gemacht hat.

Bruchhagen: Und die stimmt ja auch. Ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit bei Deloitte die Endplatzierungen der Bundesliga-Vereine in den vergangenen sechs Jahren addiert und durch sechs geteilt. Das gleiche habe ich dann mit den Lizenzspieler-Etats gemacht – das Ergebnis war eine fast 100-prozentige Kongruenz. Damit sehe ich meine Aussage bestätigt, auch wenn es mal Ausreißer wie in diesem Jahr Hertha BSC gibt.

Macht Ihnen das Fußballgeschäft heutzutage denn trotzdem noch Spaß?

Bruchhagen: Aber natürlich. Ich bin auch heute noch total dankbar, dass ich mein absolutes Hobby zum Beruf machen konnte. Als Fünfjähriger habe ich mit meinem Bruder jeden Tag Fußball gespielt, später war ich 20 Jahre beim FC Gütersloh – 14 als Spieler, sechs als Trainer. Und dann habe ich 1988 als Manager bei Schalke angefangen, obwohl ich selbst nur ein mäßig begabter Fußballer war (lacht).

Hätten Sie sich damals auch nur annähernd vorstellen können, in welche Richtung sich das Fußball-Business mal entwickeln würde?

Bruchhagen: Nein, ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich habe auch schon früher über wahnsinnige Ablösen gestaunt, aber was meinen Sie, um welche Summen es damals noch ging?! 1993 war es, glaube ich, erhielt unser Spieler Karsten Bäron während meiner Zeit als Manager beim HSV ein Angebot vom FC Bayern. Das konnte ich damals noch abwehren mit einem besseren Gehaltsangebot an Karsten, woraufhin Uli Hoeneß fünf Millionen Mark für ihn hätte zahlen müssen. Damals richtete sich die Ablöse ja noch nach anderen Faktoren als Marktwert oder Ausstiegsklausel. So ein Szenario ist heute ja gar nicht mehr denkbar. Die jüngeren Leute in der Branche können sich gar nicht mehr vorstellen, wie angenehm das Geschäft früher noch war, wie unkompliziert Verträge verlängert wurden. Ab und zu kommen mir noch alte Unterlagen aus den 90ern in die Hände, da muss ich oftmals schon sehr schmunzeln.

Bruchhagen: Hoeneß hat mich als Provinzlümmel dargestellt

Vermissen Sie manchmal die alten Zeiten?

Bruchhagen: Nein, man geht ja mit der Zeit. Früher war nicht alles sofort ein Skandal. Ich erinnere mich noch gut, als Uli Hoeneß mich irgendwann mal als wilden Provinzlümmel dargestellt hat, in der Folge haben Uli und ich uns ein paar Mal richtig attackiert. Natürlich nur verbal. Heute sehe ich ihn als sportlichen Freund. Wir haben inzwischen ein sehr vertrautes Verhältnis. Das heißt natürlich nicht, dass wir auch immer die gleichen Ansichten haben.

Ihre klare Meinung hat Sie immer ausgezeichnet…

Bruchhagen: Sie hat mir aber auch einige Schwierigkeiten bereitet im Fußballgeschäft. Nur andererseits bin ich jahrelang immer in den Ligavorstand gewählt worden. Dieses Vertrauen hat mich sehr gefreut, so verkehrt kann meine Haltung also nicht gewesen sein.

Können Sie aktuell angesichts der prekären Tabellensituation eigentlich ruhig schlafen?

Bruchhagen: Jeder Verantwortliche, dessen Verein im Abstiegskampf steckt, schläft nicht gut. Die sportliche Situation beschäftigt einen den ganzen Tag, sowohl am Arbeitsplatz als auch im privaten Bereich.

Bruchhagen: Das droht Eintracht Frankfurt bei einem Abstieg

Stürzt ein Abstieg Frankfurt in die Krise?

Bruchhagen: Es wäre natürlich keine einfache Situation, denn die finanziellen Einbußen sind in der Zweiten Liga enorm. Und sie werden jedes Mal größer. Das habe ich schon vor 18 Jahren beklagt, deshalb hatte ich meinen ersten Disput mit Uli. Natürlich ist die Entwicklung der Bundesliga in vielerlei Hinsicht toll, aber die Spreizung ist immer größer und das tabellarische Bild immer vorhersehbarer geworden.

Freuen Sie sich trotzdem, wenn die Liga mit dem neuen TV-Vertrag die Milliarden-Marke knackt oder stehen Sie dem skeptisch gegenüber?

Bruchhagen: Es kommt immer mehr Geld rein. Das ist auch für Frankfurt gut, weil wir künftig auch mehr Geld einnehmen. Aber die Vereine, die vor uns stehen, die bekommen ja noch mehr Geld. Das ist nun mal Fakt. Und so wird die Spreizung noch größer werden und die Tabelle noch viel berechenbarer. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch die europäische Konkurrenzfähigkeit im Auge behalten, da ist der FC Bayern das Flaggschiff der Bundesliga. Doch egal, welchen Deal Christian Seifert abschließt, an die Engländer werden wir auch die nächsten zehn Jahre nicht herankommen. Für die deutschen Traditionsvereine, die nicht so erfolgreich sind wie Bayern, macht es das nicht einfacher.

Dafür haben Sie jetzt mit fünf anderen Vereinen das „Team Marktwert“ gegründet, um andere Kriterien für die Verteilung der TV-Gelder anzuregen.

Bruchhagen: Dazu möchte ich mich aber jetzt nicht äußern. Herr Wahler ist Sprecher dieser Initiative.

Wie der FCB war auch die Eintracht im Winter in Asien. Rentiert sich so ein Trip für Ihren Klub?

Bruchhagen: Es ist ja nicht so, dass nur der FC Bayern die DFL in ihren Plänen auf neuen Märkten unterstützt. Wir haben in Abu Dhabi gespielt und auch gegen asiatische Teams wie Tokio, allerdings nicht in dem großen Blickfeld wie Bayern. Dazu fehlt bei uns die Nachfrage. Aus so einer Reise Geld zu generieren, ist für uns noch nicht möglich. Trotzdem müssen wir flankierende Maßnahmen für die Internationalisierung der Bundesliga wahrnehmen. Der Verein profitiert zwar nicht direkt davon, unterstützt aber die Liga. Und da sind alle anderen Klubs auch gefordert.

Bruchhagen will Abschied auch im Falle eines abstiegs nicht überdenken

Das ist Ihr Verein morgen beim Rekordmeister auch. Herr Bruchhagen, überdenken Sie Ihren Abschied im Sommer noch mal, wenn die Eintracht doch absteigen sollte?

Bruchhagen (lacht): Nein, da gibt es nichts mehr zu überdenken. Unser Aufsichtsrat wird schon einen guten Nachfolger für mich finden, da bin ich ganz beruhigt. Außerdem gehe ich nicht davon aus, dass wir absteigen. Und selbst wenn dieser Fall eintreffen sollte, bleibt die Eintracht ein gefestigter Verein.

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Interview: Sven Westerschulze

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