Der Kapitän über seine Vertragsverlängerung und die Diskussion um Klinsmann

Mark van Bommel im tz-Interview: "Wir schwanken zu sehr"

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Mark van Bommel hat für die tz seine Interview-Sperre gebrochen.

Seit Monaten hat sich der Bayern-Kapitän eine Interview-Sperre verpasst. Jetzt spricht Mark van Bommel wieder. Mit der tz.

Hier verrät er exklusiv den wahren Grund seiner Vertragsverlängerung, sein Mitgefühl mit Michael Rensing und seine Forderungen an Trainer und Team.

Herr van Bommel, haben Sie sich in Barcelona geschämt?

van Bommel: Nein, nicht geschämt. Aber ich dachte: Was ist denn hier los? Das gibt’s doch nicht. So wie wir gespielt haben, konnten wir nicht gewinnen. Wir waren zu ängstlich. Das Hinspiel war ein harter Schlag. Wenn wir vollständig gewesen wären, hätte es anders ausgesehen. Wir hätten auch verloren, aber nicht 4:0.

Wo waren Leidenschaft, Kampf, Laufbereitschaft?

van Bommel: Barcelona ist sogar in der Lage, das zu unterbinden. Wir haben es uns aber auch selbst zuzuschreiben. Viel zu passiv, viel zu defensiv.

Könnten Sie in dieser BarÇa-Mannschaft spielen?

van Bommel: Ich hab da schon gespielt anstelle von Xavi oder Iniesta. Dort hatte ich extreme Freiheiten auf dem Platz.

Sie schwärmen?

van Bommel: Dort ist es einfach, Fußball zu spielen. Der Ball läuft und man hat mehr Zeit, weil jeder Gegner ängstlich ist und hinterher läuft. Gerade das darf man nicht machen. Wünscht man sich heimlich noch dort zu spielen?

Wünscht man sich heimlich noch dort zu spielen?

van Bommel: Niemals habe ich solche Gedanken. Das sind doch die größten Herausforderungen, dich mit dem FC Bayern mit solchen Teams zu messen. Und ich weiß, wir können es. Wir haben die Qualität. Nur eben nicht in jedem Spiel. Von zehn Partien könnten wir fünfmal mithalten. Zweimal muss man Glück haben und zweimal verliert man. Aber wir müssen endlich dahin kommen, dass man acht mal eine Chance hat.

Was denken Sie, wenn Franck Ribéry nach dem Rückspiel die Gegner fotografiert? Zuviel der Wertschätzung?

van Bommel: Nein, der hat das nur für seine Kumpels gemacht. Die haben auch Fotos mit uns gemacht.

Sie sollen gesagt haben, dass Ribéry zu Barcelona will. Wie lange ist er noch zu halten?

van Bommel: Nein, das habe ich nie gesagt. Ich habe gesagt, dass er von der Qualität da hinpassen würde. Von der Art zu spielen, von seiner Technik. Das wurde aber so ausgelegt, als ob er schon nächstes Jahr dort spielen wolle. Gut, dass ich das jetzt richtig stellen kann. Er hat einen Vertrag bis 2011 und Bayern bestimmt. Die Mannschaft muss zusammenbleiben und wir müssen die Klasse erreichen um Barcelona zu schlagen. So wie das Team von 2001.

Wo ist die Konstanz der letzten Saison?

van Bommel: Ja, wir müssen konstanter spielen. Man muss mindestens immer eine Note drei bekommen und manchmal auch eine zwei. Jeder muss seine Basis abrufen. Dann muss er nicht mal glänzen aber das Spiel läuft. Wir schwanken zu sehr.

Die Fans pfeifen, Netzer vernichtet, Beckenbauer zählt an. Wie lange kann ein Trainer dem Druck standhalten?

van Bommel: Das gehört zum FC Bayern. Man liegt täglich unter der öffentlichen Lupe. Ich habe viele Torhüter größere Fehler machen sehen als Rensing aber darüber wird nicht geredet. Das ist der Nachteil, wenn man bei Bayern ist. Für den Torhüter und den Trainer. Und erst recht wenn man nicht Tabellenführer ist. Intern machen wir uns nicht verrückt.

Wie geht Klinsmann mit der Situation um?

van Bommel: Jeder der Bayern-Trainer wird, weiß, dass so etwas passieren kann und jeder geht anders damit um. Das einzige Ziel, dass man hier erreichen muss, ist der Erfolg. Du musst Meister werden. Ich für meinen Teil würde mich freuen, wenn ich vielleicht mal Bayern-Trainer werden könnte…

Wer wird im Sommer neuer Bayern-Trainer?

Trainer-Kandidaten FC Bayern
Das Projekt Klinsmann ist beendet! Am 27. April entließ der Verein seinen Trainer und präsentierte Jupp Heynckes als Interimslösung bis Saisonende. Und wer übernimmt im Sommer? Das sind die Kandidaten. © AP
Louis van Gaal
Louis van Gaal: Er führte AZ Alkmaar zur niederländischen Meisterschaft und soll nun nach Höherem streben, sprich: einem großen Club in einer großen Liga! Van Gaal gilt als der Top-Kandidat auf den Trainerposten bei den Bayern. Van Gaal ist der Wunschkandidat schlechthin der Bayern, allerdings macht sein Arbeitgeber AZ Alkmaar noch Probleme. Van Gaal hat dort einen Vertrag bis 2010.  © AP
Matthias Sammer
Matthias Sammer: Ein junger, intelligenter, in der Fußballwelt anerkannter Trainer. Er führte schon Borussia Dortmund zur Meisterschaft. Seit dem 1. April 2006 ist er beim DFB als Sportdirektor beschäftigt. Er wird von der SZ und von Udo Lattek („Matthias wäre der goldene Schuss für Bayern“) als Favorit auf die Klinsmann-Nachfolge angesehen. © dpa
Schuster
Bernd Schuster: Er ist der zweite Favorit der Fans. Einer der wenigen deutschen Trainer von Weltrang. Er hat zuletzt immerhin Real Madrid trainiert und mit dem FC Getafe große Erfolge gefeiert. Der "Blonde Engel" wäre auch noch auf dem Markt! © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Oliver Kahn: Wer könnte die Jungs momentan besser motivieren als Oliver Kahn? "Weiter! Immer weiter!" Sein Wort hat Gewicht. Er ist der FC Bayern, der FC Bayern ist Oliver Kahn. Aber: Der Titan hat keinerlei Trainererfahrung und scheint auch eher einen Job im Management anzustreben als auf der Bank. Und selbst da spielt der FC Bayern derzeit für ihn keine Rolle, wie er gegenüber der tz bestätigte.  © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Klaus Augenthaler: "Auge" ist ein Roter durch und durch und nicht die ganz große Lösung. Allerdings bringt er von seinen Jobs u.a. beim VfL Wolfsburg und bei Bayer Leverkusen jede Menge Erfahrung als Trainer mit. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Roberto Mancini: Noch ein klangvoller Name. Inter Mailand, Lazio Rom und der AC Florenz stehen in der Trainer-Vita des Italieners. Mit Inter holte er drei Meistertitel in Folge, wurde aber vor rund einem Jahr vor die Tür gesetzt. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Frank Rijkaard: Der Holländer spricht Deutsch, holte mit dem FC Barcelona zwei Meisterschaften und einen Champions-League-Titel und wäre auf dem Markt. Definitiv ein Kandidat! © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Luiz Felipe Scolari: Wenn Scolari kein Trainer mit Weltrang ist, wer dann? Er führte Brasilien zum Weltmeistertitel und Portugal ins WM-Halbfinale. Scolari trainierte außerdem den FC Chelsea, wo er im Februar entlassen wurde. Wie bei vielen anderen internationalen Top-Trainern allerdings ein Problem: die Deutschkenntnisse. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Lucien Favre: Die Bayern sind dafür bekannt, den Ligakonkurrenten die besten Spieler und Trainer abzuwerben. Also ist automatisch auch Lucien Favre ein Kandidat. Der Herthaner ist neben Felix Magath DER Trainer der Saison. © dpa
Martin Jol
Martin Jol: Der HSV-Trainer leistet hervorragende Arbeit, deswegen wird auch er gehandelt. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Thomas Schaaf: Im UEFA- und im DFB-Pokal läuft es rund für Werder und Schaaf, in der Liga nicht. Fachlich wie menschlich sind seine Fähigkeiten unbestritten - möglicherweise bietet sich für die neue Saison ein Neuanfang bei den Bayern an. Wolfsburg scheint ebenfalls interessiert. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Mirko Slomka: Beim FC Schalke 04, seiner ersten echten Trainerstation, sorgte er für Achtungserfolge, musste dann aber auch aufgrund interner Querelen wieder gehen. Seitdem wird er immer wieder ins Spiel gebracht, wenn irgendwo ein Trainer entlassen wird. Er scheint aber noch auf das richtige Angebot zu warten - von den Bayern? © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Klaus Toppmöller: Wer Erfahrung sagt, meint Toppmöller. Er ist einer der großen Trainer-Routiniers des deutschen Fußballs. Für den 57-Jährigen wären die Bayern eine echte Herausforderung - und dem Fuchs kann keiner etwas vormachen. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Slaven Bilic: Der FC Schalke 04 wollte ihn und hat ihn nicht bekommen - sieht das anders aus, wenn der FC Bayern anruft? Der kroatische Nationaltrainer führte sein Team bis ins Viertelfinale der Europameisterschaft und fügte in der Vorrunde der Löw-Truppe eine bittere Niederlage zu. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Ronald Koeman: Noch einer aus der scheinbar nie versiegenden Gilde niederländischer Top-Trainer! Vor allem mit Ajax Amsterdam war Koeman erfolgreich, danach führte ihn seine Trainerkarriere über Benfica, Eindhoven und den FC Valencia in die Arbeitslosigkeit - holt ihn der FCB da raus? © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Sven-Göran Eriksson: 21 Titel, aber keinen Job! So sieht es derzeit bei dem Schweden aus, einem der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten. Er wurde im April von Mexiko entlassen und wäre bestimmt nicht abgeneigt, wieder ins europäische Vereinsgeschäft einzusteigen. Sicher ein Kandidat, wenn sich die Bayern für einen erfahrenen Top-Trainer entscheiden. © dpa
Wenger
Arsène Wenger: Laut "Daily Mail" ist auch er ein Kandidat. Der Franzose trainiert seit 1996 Arsenal London - und das mit großem Erfolg. Aber wer weiß, ob sich nicht langsam Amtsmüdigkeit bei ihm eingestellt hat. Großer Vorteil: Wenger spricht fließend Deutsch. © dpa
Carlo Ancelotti: “Ancelotti gefällt den Bayern“, verriet Milan-Berater Ernesto Bronzetti in einem Radio-Interview. Angeblich sollen auch Real Madrid, der FC Chelsea, Manchester City und der AS Rom interesse an Ancelotti haben. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Fabio Capello: Im Herbst seiner Karriere wollte der Italiener eine große Nationalmannschaft betreuen - und hat dieses Ziel jetzt in England erreicht. Würde ihn nach AC Mailand, Real Madrid und Juventus Turin noch der FC Bayern reizen? © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Guus Hiddink: Zahlreiche Stimmen fordern "einen wie Hiddink" als Klinsmann-Nachfolger. Oder soll es doch Hiddink selbst sein? Der Trainerfuchs coacht Russland und gleichzeitig den FC Chelsea. Einen derart begehrten Mann an die Säbener Straße zu lotsen, könnte nicht einfach werden. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Jürgen Klopp: "Kloppo" wurde schon als Bayern-Trainer gehandelt, als der Name Klinsmann an der Säbener Straße als Trainer noch gar nicht aufgetaucht war. Derzeit bringt er Stimmung zu Borussia Dortmund und hat dort nach gewissen Anfangsschwierigkeiten in die Erfolgsspur gefunden. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Lothar Matthäus: Sein Name taucht fast immer auf, wenn irgendwo ein Trainerposten frei wird. Allerdings ist er der unwahrscheinlichste aller Kandidaten. Schließlich wäre es ein zu hohes Risiko, dem Rekordnationalspieler, ohne Trainererfahrung bei einem Großclub, nach dem gescheiterten Klinsmann-Experiment eine Chance zu geben. © AP
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Alex Ferguson: Der "Sir" unter den Trainern coacht seit 1986 Manchester United und ist mit seinen 67 Jahren nicht mehr der Jüngste. Aber er steht für Erfolg und Erfahrung. Doch ganz ehrlich: Da wäre ein neuerliches Engagement von Jürgen Klinsmann noch wahrscheinlicher... © AP
Jupp Heynckes
Jupp Heynckes: Natürlich wäre denkbar, dass aus der Interimslösung doch eine Dauerlösung wird. Doch die Verantwortlichen haben ein längerfristiges Engagement klar ausgeschlossen.  © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Armin Veh: Wer mit dem VfB Stuttgart die Meisterschaft holt, für den wäre es doch auch mit dem FC Bayern ein Leichtes, oder? Armin Veh gilt als Sturkopf, aber auch als großer Motivator. Der Augsburger kennt außerdem die Mentalität in Bayern. Er wäre einer der Top-Kandidaten. © dpa
Trainer-Kandidaten FC Bayern
Ottmar Hitzfeld: Es kann nur einen geben! Zumindest für die Fans! Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld trauern viele Anhänger hinterher. Er ist momentan Nationaltrainer der Schweiz und scheint die Ruhe in diesem Job zu genießen. Doch wenn die Bayern einen neuen Trainer suchen, wäre er womöglich erster Ansprechpartner. © dpa

Wie kann der Trainer, dass Maximum herausholen?

van Bommel: Er muss seine Ideen durchsetzen und die Mannschaft so spielen lassen, wie sie am besten funktioniert.

Lässt die Mannschaft Trainer, Verein, Fans im Stich?

van Bommel: Jeder von uns muss sich hinterfragen, ob er alles für den Erfolg getan hat. Wenn das so ist, braucht man sich keinen Vorwurf zu machen.

Rensing teilt ihr Schicksal aus der Vorrunde. Die Bank.

van Bommel: Ich habe ihm versucht dabei zu helfen, ruhig zu bleiben. Er ist ein guter Junge. Ich kenne ihn seit drei Jahren und er hat die Qualitäten.

Fühlen Sie mit ihm?

van Bommel: Natürlich. Das musst du erstmal verkraften und professionell reagieren.

Ist die Bayern-Karriere von Rensing vorbei?

van Bommel: Das glaube ich nicht. Er hat einen ganz speziellen Willen, hat lange gewartet und wird es wieder schaffen.

Wird er jemals wieder die Nr.1?

van Bommel:Ja.

Fehlt ein Typ wie Oliver Kahn immer noch?

van Bommel: Olli kann man nicht ersetzen oder suchen. Den gibt’s einmal in zwanzig Jahren.

Wieso haben Sie so lange mit Ihrer Vertragsverlängerung gewartet?

van Bommel: Weil es schwierig war, mich gegen Bayern zu entscheiden. Ich fühle mich hier zu wohl. Fußballerisch als auch menschlich. Ich mag den FC Bayern. Dieser Klub und seine Fans sind etwas ganz besonderes. Das ist ein großes Plus. Hier kennt jeder jeden. Es war nicht einfach, ich hatte anderlangfristige Angebote.

Wie nah standen Sie vor dem Wechsel?

van Bommel: Ausschlaggebend waren zwei Gespräche mit Uli Hoeneß. Wir haben ganz offen und ehrlich über alles geredet. So ein Verhältnis hatte ich selten.

Der Manager hat sie überzeugt?

van Bommel: Ja. Man weiß da einfach was man hat.

Interview: Mario Volpe

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