Eine Woche in Katar

tz-Kommentar zum Trainingslager: Fazit wird im Mai gezogen

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Im Training ging es hart zur Sache.

Doha - Der FC Bayern weilte im Winter-Trainingslager in Doha. Unser tz-Reporter begleitete die Münchner Spieler nahezu rund um die Uhr. Er zieht ein Fazit von der Reise nach Doha.

tz-Reporter Carlos Menzel Lopez.

Matthias Sammer am ersten Tag eines ­Trainingslager vor die Presse zu schicken, ist aus sportlicher Sicht eine einigermaßen kluge Entscheidung. In bester Sammer’scher ­Rhetorik forderte der Sportvorstand seine Mannschaft dazu auf, ab sofort alles dem „maximalen Erfolg“ unter­zuordnen und warnte, dass „nur ein Prozent falsches Denken katastrophale Folgen“ haben könnte. Die Spieler verstanden die Botschaft und gaben mächtig Gas. Eine ganze Woche lang, zweimal täglich - mit Ausnahme des Samstags, den Pep Guardiola seiner Mannschaft freigab. Was sich nach einer Woche für ein Fazit ziehen lässt?

Ein positives! Erst mal aufgrund der Rückkehr von David Alaba und Arjen Robben, die nach ihren Blessuren nun bei der Mannschaft zurück sind und Guardiola in der Rückrunde wieder voll zur Verfügung stehen. Dann natürlich auch wegen der unvergleichbaren Bedingungen, die es – die politische Seite der Medaille mal außer Acht gelassen – in dieser Form vielleicht tatsächlich nirgendwo anders auf der Welt gibt. Piekfeine Plätze in unmittelbarer Nähe zum Luxushotel, voll ausgestattete Fitness- und Krafträume sowie – eigens für den spanischen Trainer möglich gemacht – die Möglichkeit, einen der Plätze einfach mal von oben bis unten abzuschotten. Eine bessere Vorbereitung auf eine Rückserie kann es nicht geben, und auch wenn Guardiola der Meinung ist, dass seine Mannschaft „noch nicht bereit ist für die Champions League“, so kann sie nach dieser Woche auf keinen Fall weniger bereit als zuvor sein.

Ob es am Ende einmal mehr das beste Trainingslager aller Zeiten ist, wird sich dann am 28. Mai zeigen. Dann findet das Finale der Königsklasse in Mailand statt, und hinterher wird nur vom Geist von Doha (oder vom „Banana-Effekt“, wie es Manuel Neuer nach dem Teamabend auf „Banana Island“ formulierte) gesprochen werden, falls Philipp Lahm an diesem Abend den Henkelpott hochhält. Und wenn nicht? Dann wird es Carlo Ancelotti im nächsten Jahr eben noch mal probieren. Und bis kommenden Winter hat der FC Bayern ja erneut ein Jahr Zeit, um sich genau zu überlegen, ob es nochmal nach Katar gehen muss, oder ob man Carlo zuliebe vielleicht in die Toscana reist. Dorthin, wo es nur den Weintrauben und nicht den Arbeitern an den Kragen geht.

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