"Ey das ist mein Bruder, pass auf"

+
"Wir teilen alles, nur nicht unsere Freundinnen" - Halil und Hamit Altintop

Vor dem Duell am Samstag: Das große Doppel-Interview mit Hamit (FC Bayern) und Halil (FC Schalke 04) Altintop.

Bayern gegen Schalke – vermutlich ist das für Sie beide ein besonderes Spiel, oder?

Hamit: Auf jeden Fall. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass wir gegeneinander spielen, aber es ist immer etwas ganz Besonderes.

Halil: Für mich auch. Gegen meinen Bruder zu spielen, gibt mir immer einen besonderen Kick. Und für Hamit ist es noch mal was anderes, weil es gegen seinen Ex-Verein geht.

Werden Sie sich in den Katakomben vor dem Spiel verabreden, oder treffen Sie sich erst auf dem Platz?

Hamit: Verabreden werden wir uns nicht, wahrscheinlich sehen wir uns erst beim Warmmachen. Da schauen wir uns kurz in die Augen um zu schauen, wie der andere drauf ist.

Die wertvollsten Bayern-Spieler

Transfermarkt.de ist die renommierteste deutsche Webseite für Spieler-Transfers. Zu Beginn der Rückrunde haben die Experten wieder die Marktwerte der FCB-Spieler beziffert und u.a. Leistungsvermögen, Alter und Entwicklungsfähigkeit berücksichtigt. Demnach hat der Bayern-Kader insgesamt einen Marktwert (Stand: 04.02.2009) von rund 242 Mio. Euro. Sehen Sie hier die Rangliste des FCB. Auf Platz 22: Thomas Kraft (Marktwert 250.000 €) © dpa
Platz 21: Hans-Jörg Butt (1.250.000 €) © sampics
Platz 20: Andreas Ottl (2.000.000 €) © dpa
Platz 18: Christian Lell (3.000.000 €) © Fishing4
Platz 18: Landon Donovan (3.000.000 €) © dpa
Platz 17: José Ernesto Sosa (4.000.000 €) © sampics
Platz 16: Michael Rensing (4.500.000 €) © sampics
Platz 15: Massimo Oddo (6.500.000 €) © Fishing4
Platz 13: Daniel van Buyten (7.000.000 €) © sampics
Platz 13: Breno (7.000.000 €) © sampics
Platz 12: Tim Borowski (7.500.000 €) © Fishing4
Platz 11: Zé Roberto (8.000.000 €) © Fishing4
Platz 9: Hamit Altintop (11.000.000 €) © dpa
Platz 9: Mark van Bommel (11.000.000 €) © sampics
Platz 8: Lukas Podolski (12.000.000 €) © sampics
Platz 6: Bastian Schweinsteiger (16.000.000 €) © sampics
Platz 6: Martin Demichelis (16.000.000 €) © sampics
Platz 5: Lucio (18.000.000 €) © sampics
Platz 4: Miroslav Klose (20.000.000 €) © Fishing4
Platz 3: Luca Toni (24.000.000 €) © Fishing4
Platz 2: Philipp Lahm (25.000.000 €) © dpa
Platz 1: Franck Ribéry (35.000.000 €) © Fishing4

Stört der Gedanke an den Bruder die Konzentration aufs Spiel?

Halil: Nein, im Gegenteil. Für mich ist es einfach noch ein Stück mehr Motivation. Wir sind so aufgewachsen, dass wir uns immer miteinander messen wollten. Im Verein haben wir zwar immer zusammen gespielt, auf dem Bolzplatz waren wir aber immer in gegnerischen Mannschaften. Und da wollte der eine natürlich immer besser abschneiden als der Bruder. Das ist bis heute so.

Sie telefonieren jeden Tag miteinander. Wie viel Platz hat zuletzt das Spiel in Ihren Gesprächen eingenommen?

Hamit: Nicht viel. Aber es ist schon so, dass man sich so ein paar kleine Infos holt. Alles im Rahmen natürlich. Man erzählt halt von sich selber, ob man spielt oder nicht. Aber sicher keinen taktischen Dinge, auf die sich der andere einstellen könnte.

Gehen Sie eigentlich anders in einen Zweikampf gegen den Bruder als gegen einen Fremden?

Hamit: Nein, natürlich nicht. Wir beide spielen ohnehin sehr fair, bekommen kaum Gelbe Karten. Aber man geht schon so in einen Zweikampf, dass der andere spürt, dass ich gewinnen will.

Halil: Im Endeffekt geht es ja um drei Punkte, die ich gerne mitnehmen will. Da ist es mir egal, ob mir Hamit im Weg steht oder jemand anders. Da geht’s zur Sache!

Und wenn andere Spieler den Bruder umgrätschen?

Hamit: Das war ja im letzten Jahr auf Schalke so, als der Lell den Halil an der Außenlinie gefoult hat. Da bin ich nach dem Spiel hin und hab ihm gesagt: Ey, das ist mein Bruder, pass auf! Aber das war mehr im Scherz.

Halil: Viel schlimmer ist es, wenn man nicht vor Ort dabei ist. Also wenn man den Bruder im Fernsehen sieht und er wird böse gefoult oder verletzt sich. Da macht man sich mehr Gedanken. Als Hamit zuletzt verletzt ausgewechselt wurde, habe ich schon gedacht: Hoffentlich ist es nichts mit dem operierten Fuß! Da habe ich mir schon Sorgen gemacht. Aber wenn man mit auf dem Platz steht, kann man viel besser einschätzen, wie schwer ein Foul ist.

Schauen Sie alle Spiele des Bruders im Fernsehen an?

Halil: Ja, auf jeden Fall. Immer, wenn wir nicht selber spielen.

Wie wird es sein nach dem Spiel am Samstag – zieht der Sieger den Verlierer auf?

Halil: Eigentlich nicht. Wenn einer verliert, versucht der andere eher, ihn wieder aufzubauen. So wird das am Samstag auch sein. Wir beide wissen: Scherze kommen da nicht so gut an.

Halil, werden Sie nach dem Spiel noch in München bleiben, bei ihrem Bruder?

Halil: Darüber habe ich noch nicht mit dem Trainer gesprochen. Das kommt drauf an, wie das Spiel ausgeht.

Hamit (lacht): Eins ist klar: Wenn wir nicht gewinnen sollten – was ich nicht denke – kannst du auf jeden Fall nach dem Spiel direkt nach Hause fahren!

Wie ist die Lage in der Familie? Sind alle noch Schalke-Anhänger oder gibt es mittlerweile auch ein paar Bayern-Fans?

Hamit: Da sind schon mehr Schalke-Fans. Aber in den letzten zwei Jahren sind da schon einige zu Bayern-Fans geworden.

Halil: Ja, weil du sie bestichst! Er bringt ja immer wieder Bayern-Trikots mit und versucht, unsere Neffen zu bestechen. Unsere Schwestern haben ja schon ein paar Kinder, wir sind also mehrfache Onkels und er versucht, die rüberzuziehen. Deswegen sind ein paar von den Jüngeren jetzt Bayern-Fans. Aber die Älteren bleiben Schalker oder sie sind neutral. Im übrigen interessieren sich viele in der Familie nicht so sehr für Fußball.

Wie bitte? Da sind zwei Bundesliga-Stars in der Familie, aber die interessiert sich gar nicht für Fußball?

Halil: Ja. Aber vielleicht war das auch unser Glück früher. Heutzutage werden ja schon kleine Jungs total unter Druck gesetzt, weil sie Fußballprofis werden sollen. Das war bei uns nicht so, wir sind da ganz ohne Druck aufgewachsen. Das war wichtig, sonst verliert man schnell die Lust. Aber unsere Mama hat uns mit 13, 14 klargemacht: Die Schule kommt zuerst!

Und das hat funktioniert?

Halil: Ja. Sogar richtig lange. Auch als wir schon 17 Jahre alt waren, hat unsere Mama noch gesagt: Jungs, Fußball schön und gut, aber erst mal macht ihr Abitur! Da gab es ja schon die ersten Vereine, die Interesse hatten. Da saß ja auf einmal der Rudi Assauer auf der Tribüne.

Hat das mit dem Abitur denn noch geklappt?

Halil: Ja. Hamit hat Abi, ich habe Fach-Abi.

Also wollen Sie nach der Karriere noch studieren?

Halil: Ja, Sportmanagement interessiert mich. Und es gibt ja Spieler, die neben dem Fußball noch studiert haben. Das überlege ich gerade.

Das Spiel am Samstag ist für beide Klubs ein Endspiel. Bayern will noch Meister werden, Schalke in den Uefa-Cup. Wer gewinnt?

Hamit: Wir! Schalke hat zwar die letzten drei Spiele gewonnen, ohne Gegentor. Und die haben ohnehin laut Statistik die beste Abwehr der Liga. Das wird also ein hartes Stück Arbeit. Aber ich glaube, dass wir zu Hause sehr stark sind und am Ende gewinnen werden.

Halil: Nix da! Unsere Serie soll natürlich weitergehen. Wir werden alles tun, um diese unglückliche Saison noch gerade zu biegen. Ich denke jedenfalls, die Bayern stehen mehr unter Druck.

Wie groß sind die Chancen, dass Bayern noch Meister wird?

Hamit: Ich glaube, sehr groß. Wir haben ein Heimspiel mehr als die anderen, können uns nur auf die Bundesliga konzentrieren. Und Wolfsburg hat noch keine Erfahrung im Meisterkampf.

Wie wichtig wäre der Titel für Jürgen Klinsmann?

Hamit: Für uns alle als Verein ist es wichtig, den Titel zu holen.

Halil, Sie haben es unter dem neuen Trainerteam wieder in die Startelf geschafft…

Halil: Aktuell ist es so, dass ich spiele, und es läuft ganz gut. Ich spüre das Vertrauen unserer Trainer und das habe ich in letzten Spielen bestätigt. Daran will ich anknüpfen.

Hamit: Ich habe ja immer gesagt, dass Halil unterschätzt wird. Er hat hervorragende Qualitäten und nicht umsonst 20 Tore für Kaiserslautern gemacht. Er ist unberechenbar, hat einen guten Riecher, wie ihn ein Stürmer braucht.

Halil: Das beste Beispiel ist doch Hamit selbst. Auf Schalke wurde er unterschätzt, da haben sich viele gewundert, dass er zu Bayern gegangen ist und da dann auch noch seine Verpflichtung bestätigt hat.

Die Bayern sind ja noch auf der Suche nach einem Stürmer. Vielleicht wäre Halil ja der Richtige? Dann würden Sie auch wieder zusammen in einer Mannschaft spielen...

Hamit: Ja, das wäre schön. Aber ich glaube, er fühlt sich auf Schalke auch gut aufgehoben, oder?

Halil: Stimmt. Ich konzentriere mich voll auf Schalke, muss hier erst mal meine Leistung bringen. Aber es ist nichts unmöglich.

Wäre es Ihr beider Wunsch, noch einmal mit dem Bruder zusammen in der Bundesliga zu spielen?

Halil: Auf jeden Fall. Und das ist ja nicht unmöglich. Wir haben das ja schon ein Jahr auf Schalke gemacht, sind beinahe Meister geworden und hatten ein tolles gemeinsames Jahr. Das war richtig klasse. Da hat man gesehen, dass wir gemeinsam einiges auf die Beine stellen können.

Würden Sie dann lieber gemeinsam bei Bayern oder bei Schalke spielen?

Halil: Egal. Beide Klubs sind top. Mal sehen, wo uns das Schicksal hintreibt.

Abschließend: Ist Ihr Bruder der für Sie wichtigste Mensch auf der Welt?

Hamit: Da ist ja unsere Mama, die darf man nicht vergessen. Aber mit Halil teile ich schon eine ganze Menge.

Gibt es etwas, dass Sie nie miteinander teilen würden?

Beide: Unsere Freundinnen!

Und die Meisterschaft?

Hamit: Das geht ja nicht. Aber zur Meisterfeier darf er gerne kommen.

Halil: Na super. Vielen Dank!

Interview: Jan Janssen

Auch interessant

Meistgelesen

Sky-Kommentator knutscht mit TV-Kollegin bei Bayern-Spiel - zweideutiger Kommentar trübt die Romantik
Sky-Kommentator knutscht mit TV-Kollegin bei Bayern-Spiel - zweideutiger Kommentar trübt die Romantik
FC Bayern nach Rückstand gegen Bremen mit Gala - Coutinho mit zwei Traumtoren
FC Bayern nach Rückstand gegen Bremen mit Gala - Coutinho mit zwei Traumtoren
Nach Schock-Moment: Coman meldet sich - Müller-Wohlfahrt war „erschrocken“
Nach Schock-Moment: Coman meldet sich - Müller-Wohlfahrt war „erschrocken“
Bayern-Gala gegen Bremen: Alaba wünscht sich Flick bis Saisonende - Salihamidzic reagiert eiskalt
Bayern-Gala gegen Bremen: Alaba wünscht sich Flick bis Saisonende - Salihamidzic reagiert eiskalt

Kommentare