Die Polemik der Woche: Lieber 2. in München als 1. in Wolfsburg

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Irgendwie cool, aber irgendwie auch schräg: Felix Magath und der VfL Wolfsburg

Wer war nochmal Herbstmeister? Ach ja, Hoffenheim. Wer wird nochmal Deutscher Meister? Ach ja, das Hoffenheim mit Autofabrik. Also Wolfsburg.

Ganz ehrlich: Den Menschen in Wolfsburg wäre der Titel zu gönnen. Die haben ja sonst nicht so viel zum Freuen. Waren Sie schon mal in Wolfsburg? Wahrscheinlich nicht, kaum jemand war je in Wolfsburg, warum auch? Ich war da. Recht hübsch eigentlich, viel grün. Aber auch ein bisserl viel VW. Sogar das Freibad heißt VW-Bad. Es scheint sich um eine verwunschene Autowaschanlage zu handeln.

Und auch sonst gibt es gute Gründe, zu sagen: Lieber 2. in München als 1. in Wolfsburg.

Das fängt schon beim Stadtgründer an. München wurde bekanntlich von Heinrich dem Löwen erfunden. Guter Name, kultiger Fußballverein, das macht was her. Wolfsburg wurde, nun ja, vom Führer ohne Führerschein erfunden. Stadtgründung war am Ärrrrrrsten Juli Neunzähnhonderrrrtochtunddrrrreißäg, unter dem reizenden Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“.

Da könnte sich Kalle Rummenigge eigentlich über den VfL Wolfsburg fragen: Wo waren die eigentlich die letzten 1000 Jahre? Zuvor hatte die Region eher nicht viel zu bieten. Okay, im 18. Jahrhundert hat Friedrich der Große in der Nähe einen Sumpf entwässern lassen. Und Hoffmann von Fallersleben, unser Hymnentitan, kommt aus Wolfsburg, auch wenn er davon nichts mitgekriegt hat, weil es Wolfsburg da noch nicht gegeben hat.

Heute gibt es in Wolfsburg Felix Magath. Wenn der seine Spieler beim FC Bayern den Berg raufscheuchen wollte, ist er an den Wallberg gefahren – in dieser prächtigen Kulisse hat sogar das Schinden Spaß gemacht. Zumindest ihm. In Wolfsburg musste er einen künstlichen Berg aufschütten lassen, 24 Prozent maximale Steigung. Ja mei, ostbraunschweigisches Flachland halt.

Paul Breitner hat mal ein Jahr in der Nähe Fußball gespielt, und ist hurtig wieder entflohen. Und sonst? München hat die Isar, Wolfsburg hat den Mittellandkanal, auch künstlich. München hat den Englischen Garten, Wolfsburg hat den Allerpark. Netter Versuch. Dort gibt es eine 8,50 Meter hohe Düne (künstlich), die höchste Erhebung der Gegend, bevor Er-läuft-und-läuft-und-läuft-und-läuft-Felix seinen Privatberg errichten ließ. München hat die Weißwurst, Wolfsburg hat die patentierte VW-Currywurst, mit patentiertem VW-Ketchup.

Aber es gibt auch Erfreuliches zu berichten: Bereits seit 2001 wird auch in Wolfsburg der OB direkt vom Volk gewählt – spät kam sie, die Demokratie in Wolfsburg, aber sie kam. Und es gibt sogar einen Flughafen – bloß aus Versehen ohne Linienflüge, man kann nicht alles haben. Sie sehen: Wenn jemand die Meisterschale nötig hat, um ein Lichtlein in den grau-grünen Alltag zu zaubern, dann die Wolfsburger und ihre fußballspielende Autofabrik. Ist ja nur für ein Jahr, und nur geliehen.

Jörg Heinrich

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