Was letztlich zum Rauswurf des Trainers führte

Die vielen Fehler des Jürgen K.

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Ungeliebt, verzweifelt, ­erfolglos: Klinsmanns Job bei Bayern endete ruhmlos. In der ­Bilanz stehen 43 Spiele, 25 Siege, 9 Unentschieden und 9 Niederlagen. Der höchste Erfolg war das 7:1 über Sporting, die höchste ­Niederlage das 1:5 in Wolfsburg, die schlimmste Pleite das 0:4 in Barcelona.

Der Rauswurf von Jürgen Klinsmann beim FC Bayern – es ist das Ende eines großen Missverständnises.

Als Heilsbringer wurde Klinsi gefeiert, als großer Erneuerer, als Revolutionär. Er sollte den Klub wieder fit machen für die Champions League. Am Ende des Projekts Klinsmann droht den Bayern eine Katastrophen-Saison, die Entlassung war daher nur logisch. „Das passiert jedem Trainer, der bei Bayern keinen Erfolg hat. Wenn du in der Meisterschaft immer nur hinterherhinkst, ist das die logische Folge“, meinte Bayern-Legende Sepp Maier zur tz.

Als am 11. Januar 2008 verkündet wurde, dass der neue Trainer der Bayern Jürgen Klinsmann heißen sollte, hielten viele das für einen Scherz. Denn das Verhältnis Klinsmann – Bayern galt als – vorsichtig ausgedrückt – schwierig. Sein Abschied als Spieler verlief nicht ohne Misstöne, als Bundestrainer demontierte Klinsi zwei Bayern-Ikonen: Sepp Maier und Olli Kahn. Eine „Sünde“, die ihm die Bayern-Fans nie verziehen. So hatte Klinsmann von Beginn an nur wenig Kredit bei den Fans. Beispiel: der 30. Juni 2008, sein erster Arbeitstag. Als der neue Trainer vor rund 1000 Fans den Trainingsplatz betritt, passiert: nichts. Kein Applaus, keine Anfeuerungsrufe, nichts! Schon da war klar: Für Klinsi wird es ganz, ganz schwer.

So wurde von da an jede Entscheidung des Trainer-Neulings kritisch beäugt. Die Buddhas auf dem Dach, die Yoga-Stunden für die Spieler, die Sprachkurse, die Umbauten an der Säbener Straße, das nicht-öffentliche Training. Und so weiter und so weiter. Da hatte die Saison noch gar nicht begonnen…

Als sie dann startete, legte Klinsmann einen Fehlstart hin, den schlechtesten seit 31 Jahren. Die Fans gingen auf die Barrikaden. Auch weil Klinsmanns Fehler allzu offensichtlich waren. Denn der neue Trainer wollte alles auf einmal verändern. Aufstellung, Taktik, Training. Doch Klinsis Experimente misslangen. Weder seine Versuche mit der Dreierkette, noch Demichelis im defensiven Mittelfeld, noch Breno in der Startelf – nichts funktionierte. Die völlig verunsicherte Mannschaft rutschte immer weiter ab, bis hinunter auf Platz elf. Und was machte Klinsmann? Der blieb stur, wollte sich vom Vorstand lange Zeit nichts sagen lassen.

Es war Klinsis erster, großer Fehler. Ein erfahrener Trainer hätte der Mannschaft erst Sicherheit verliehen, ehe er experimentiert hätte. Aber Klinsi war eben ein Neuling. Und ein Sturkopf. An seinen Neuerungen hielt Klinsmann fest, obwohl er damit seine Stars vergraulte. Nach Außen wurde der Acht-Stunden-Tag von den Spielern gut angenommen, unter der Hand waren die Profis verärgert. Auch die Yoga-Stunden wurden erst abgeschafft, als sich Ribéry und Toni bei Uli Hoeneß beschwerten. Der Unmut in der Mannschaft wuchs. Und Klinsi machte weitere Fehler. Erst bootete er van Bommel aus. Später dann das „Missverständnis“ mit van Buyten und die Degradierung von Rensing.

Klinsmanns Abgang

Klinsmanns Abgang
Jürgen Klinsmann geht durch die Tür: Es ist sein letztes Bayern-Foto! tz-online.de zeigt seinen bitteren Abgang. © Volpe
Klinsmanns Abgang
Jürgen Klinsmann kam um 9:23 Uhr durch die Tiefgarage und verließ sie zwei Stunden später wieder. © dpa
Klinsmanns Abgang
Bei seiner Ankunft war er noch Bayern-Trainer, bei seiner Abfahrt nicht mehr. © dpa
Klinsmanns Abgang
Klinsmann ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. © AP
Klinsmanns Abgang
Bis zuletzt zeigte er sich optimistisch, wollte nicht hinwerfen, sondern sein Konzept durchziehen. © AP
Klinsmanns Abgang
All der Optimismus scheint schlagartig aus seinem Gesicht gewichen. © dpa
Klinsmanns Abgang
Das Auto fährt den Fotografen entgegen. © sampics
Klinsmanns Abgang
Auch bei Tageslicht betrachtet wirkt Klinsmanns Gesicht nicht freundlicher. © sampics
Klinsmanns Abgang
Wie auch? © sampics
Klinsmanns Abgang
"Sehr enttäuscht" sei er über die Entlassung, ließ er verlauten. © AP
Klinsmanns Abgang
Sein Shirt ist rot, doch Klinsmann ist kein Roter mehr. © dpa
Klinsmanns Abgang
Der Ex-Trainer fährt vom Verensgelände. Die Mission Klinsmann ist gescheitert. © dpa
Uli Hoeneß tritt ins Freie. © dpa
Der Manager schaut auf sein Handy. Ob sich durch die Trainerentlassung nun Ruhe und Erfolg einstellen? © dpa

Sepp Maier: „Er hat eben von Torhütern keine Ahnung!“ Rensing fühlte sich verschaukelt, die Fans in der Südkurve, die Rensing wegen seiner Zeit bei den Amateuren lieben, schrieen auf. Und viele sahen sich in ihrem Gefühl, Klinsmann sei ein Linkmichel, bestätigt. Auch ehemalige Klinsmann-Befürworter rückten von ihm ab. Innerhalb der Mannschaft büßte er Respekt ein: Ribéry durfte in die Aufstellung reinreden, andere Spieler beklagten sich, Klinsmann wisse in der Halbzeit nicht, was er für Anweisungen geben soll, es werde zu lasch trainiert. Selbst über den von Klinsmann so angepriesenen Donovan konnte die Mannschaft nur lachen.

Das alles wäre zu verkraften gewesen – wenn Klinsi seine Versprechen gehalten hätte. „Attraktiven Fußball“ hatte er vorausgesagt, „jeden Spieler besser machen“ wollte er. Zu sehen war davon: nichts.

JJ

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