Effe im Interview: Vier Minuten im Mai...

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Meister 2001: Stefan Effenberg.

München - Es sind die Finals, die den Bayern Mut machen können. Denn sowohl in der Saison 1999/2000 als auch 2000/2001 sprach viel gegen den Rekordmeister – doch am Ende gab’s Meisterjubel beim FCB.

 So wie am 20. Mai 2000. Ein Punkt hätte Leverkusen in Haching gereicht, doch die Bayern führten gegen Bremen schon nach 16 Minuten mit 3:0 – und Leverkusen wurde immer nervöser, verlor durch ein Eigentor von Ballack und einen Treffer von Oberleitner mit 0:2. Bayern war durch ein 3:1 gegen Bremen Meister.

364 Tage später gab’s das dramatischste Bundesliga-Finale der Geschichte. Schalke empfing Haching – bei einem Sieg Schalkes und einer Niederlage der Bayern beim HSV wäre der Titel nach 43 Jahren nach Gelsenkirchen gegangen. Doch dann ereigneten sich die legendären „vier Minuten im Mai“ (Premiere zeigt die Dokumentation am Samstag um 14.15 Uhr). Schalke hatte beim letzten Spiel im Parkstadion 5:3 gewonnen.

Dass Hamburg in der 90. Minute durch Barbarez in Führung gegangen war, wussten alle – aber war es auch so geblieben? Und dann sagte Premiere-Reporter Rolf Fuhrmann zum damaligen Manager Andreas Müller die verhängnisvollen Sätze: „Es ist zu Ende in Hamburg . Schalke ist Meister.“ Und während rund ums Parkstadion ein Feuerwerk gezündet wurde (Königsblau feierte den Abschied aus der alten Spielstätte und den Umzug in die neue Arena), liefen auf der Videowand plötzlich Bilder aus Hamburg – und einer rief: „Das ist live!“ Ohnmächtig mussten die Schalker mitansehen, wie in Hamburg Andersson zum 1:1 traf.

Manuel Neuer, damals S04-Fan, erinnert sich: „Ich stand im Parkstadion und habe mitgelitten. Da habe ich ganz schlimme Minuten miterlebt.“ Aus Rache kopierte Neuer daher nach dem Sieg in München in dieser Saison Oliver Kahns Fahnen-Jubel beim Finale 2001. Auch Rudi Assauer litt. „Es tut mir so unendlich Leid für die Jungs. Sie sitzen da und heulen Rotz und Wasser. Auch ich habe geheult ohne Ende“, sagte der damalige Manager. „Ab heute glaube ich nicht mehr an den Fußball-Gott. Denn wenn er gerecht wäre, wäre Schalke Deutscher Meister.“

bb

Interview mit Stefan Effenberg

Herr Effenberg, gehen wir zurück ins Jahr 2001. Wir schreiben den 19. Mai, es läuft die 90. Minute in Hamburg . Heinz flankt von links, Barbarez trifft per Kopf, 1:0 für den HSV – Schalke ist Meister. Was ist Ihnen in diesem Moment durch den Kopf gegangen?

Effenberg: Erst mal natürlich: Sch…. Und dann direkt: Hey Leute, es sind noch drei, vier Minuten! Ab nach vorne, Standards rausholen! Zusammen mit dem Olli Kahn hab’ ich die Jungs damals wieder aufgerichtet.

Ihr damaliger Teamkollege Patrik Andersson hat kürzlich in einem Interview erzählt, er habe in Hamburg an die Partie in Barcelona ’99 gedacht, als Manchester United in den letzten Sekunden gegen Bayern noch alles umgedreht hat…

Effenberg: Hat er? Daran hab’ ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gedacht. Meine Gedanken waren in diesem Moment sehr konkret: Ball nach vorne, Ecke rausholen – oder vielleicht einen Freistoß…

Den Sie von Schiedsrichter Markus Merk prompt zugesprochen bekamen…

Effenberg: Ja. Und dann kam der Patrik…

Eigentlich waren doch Sie für Freistöße zuständig. Zumal Mehmet Scholl schon ausgewechselt war…

Effenberg: Eigentlich war ich der Schütze, das stimmt. Aber in diesem Fall war die Entfernung zu kurz für mich. Indirekter Freistoß, sieben, acht Mann fast auf der Linie, da geht kein Kunstschuss. Ein Pass wäre möglich gewesen, um die Mauer aufzureißen, aber das hatten wir nicht trainiert. Also hab’ ich zu Patrik gesagt: Komm her, ich tipp ihn an, jetzt brauchen wir deine Kraft!

Die besten Fußballer der Geschichte

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Ferenc Puskas blieb 1954 der große Triumph verwehrt: Er scheiterte mit Ungarn im WM-Finale 1954 mit 2:3 an Deutschland. Dennoch galt Puskas als der beste Fußballer seiner Zeit. Seine größten internationalen Erfolge feierte als Spieler von Real Madrid: Europapokalsieger der Landesmeister 1959, 1960 und 1966, Weltpokalsieger 1960, Olympiasieger mit Ungarn 1952 sowie Vize-Weltmeister 1954. © dpa
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Sir Bobby Charlton (l.) war das Aushängeschld des englischen Fußballs in den 60er Jahren. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit England 1966, Europapokalsieger der Landesmeister mit Manchester United 1968, Euopas Fußballer des Jahres 1966. © dpa
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Garrincha verzauberte den Weltfußball in den 60er und 70er Jahren. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit Brasilien 1958 und 1970. © dpa
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Pele. Seine größten Erfolge: Weltpokalsieger mit dem FC Santos 1962 und 1963, Weltmeister 1958, 1962 und 1970. Weltfußballer des 20. Jahrhunderts. © dpa
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Johan Cruyff (l.) gilt als der beste niederländische Fußballer der Geschichte. Seine größten internationalen Erfolge: 3x Sieger im Europapokal der Landesmeister mit Ajax Amsterdam (1971, 1972, 1973), Vize-Weltmeister mit den Niederlanden (1974), EM-Dritter mit den Niederlanden (1976), Europas Fußballer des Jahrhunderts (1999), 3 Mal Europas Fußballer des Jahres (1971, 1973, 1974). © dpa
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Franz Beckenbauer gilt für viele als der beste deutsche Fußballer der Geschichte. Als Spieler feierte der "Kaiser" mit der Nationalmannschaft und vor allem als Spieler des FC Bayern seine größten Erfolge: Weltmeister 1974, Vize-Weltmeister 19666, WM-Dritter 1970, Europameister 1972, Europapokalsieger der Landesmeister mit Bayern München 1974, 1975, 1976, Europapokalsieger der Pokalsieger mit dem FC Bayern 1967, Weltpokalsieger 1976 mit Bayern München usw. © dpa
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Gerd Müller, der Prototyp des deutschen Stürmers. Seine größten internationalen Erfolge: Europameister 1972, Weltmeister 1974, Europapokalsieger der Landesmeister mit dem FC Bayern 1974, 1975, 1976, Europapokal der Pokalsieger 1967, Weltpokalsieger 1976, Europäischer Torschützenkönig: 1970, 1972, WM-Torschützenkönig: 1970, EM-Torschützenkönig: 1972. Europas Fußballer des Jahres: 1970. WM-Torschützenkönig: 1970 EM-Torschützenkönig: 1972 © dpa
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Mario Kempes (l.) galt bis zu Diego Armando Maradona als bester Fußballer Argentiniens. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit Argentinien 1978, 1978 Südamerikas Fußballer des Jahres, 1980 Europapokalsieger der Pokalsieger mit dem FC Valencia, Torschützenkönig und bester Spieler der Fußballweltmeisterschaft 1978. © dpa
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Diego Armando Maradona gilt für viele als der beste Fußballer der Geschichte. Seine größten internationalen Erfolge: Weltmeister mit Argentinien 1986, Vize-Weltmeister 1990, UEFA-Pokalsieger mit dem SSC Neapel 1989, Südamerikas Fußballer des Jahres: 1979, 1980, 1986, 1989, 1990, 1992, Goldener Ball als bester Spieler der Weltmeisterschaft: 1986. © dpa
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Lothar Matthäus führte die deutsche Nationalmannschaft 1990 zum WM-Titel in Italien. Seine weiteren internationalen Erfolge: Europameister 1980, Vize-Weltmeister 1982 und 1986, UEFA-Pokalsieger 1991 mit Inter Mailand und 1996 mit dem FC Bayern, Weltfußballer der Jahre 1990 und 1991, Europas Fußballer des Jahres 1990. © dpa
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Romario. Seine größten Erfolge: Weltmeister mit Brasilien 1998, Weltfußballer des Jahres: 1994, Bester Spieler der WM: 1994. © dpa
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Der Italiener Roberto Baggio (m.). Seine größten internationalen Erfolge: WM-Dritter 1990, Vize-Weltmeister 1994, UEFA-Pokal-Sieger mit Juventus Turin 1993, Weltfußballer des Jahres 1993, Europas Fußballer des Jahres 1993. © dpa
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Marco van Basten (Niederlande). Seine größten internationalen Erfolge u.a.: Europapokal der Pokalsieger mit Ajax Amsterdam 1987, Europapokal der Landesmeister mit dem AC Mailand 1989 und 1990, Weltpokalsieger mit dem AC Mailand 1989 und 1990, Europäischer Supercupsieger mit dem AC Mailand 1989 und 1990, Goldener Schuh der UEFA als bester Torjäger Europas 1986,Torschützenkönig und bester Spieler der Europameisterschaft 1988... © dpa
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Paolo Maldini gilt als der beste italienische Abwehrspieler der Geschichte. Seine größten internationalen Erfolge: WM-Dritter 1990, Vize-Weltmeister 1994, Vize-Europameister 2000, Europapokalsieger der Landesmeister/Champions League mit dem AC Mailand 1989, 1990, 1994, 2003 und 2007, Europäischer Supercup 1989, 1990, 1994, 2003, 2007. Weltpokalsieger 1989 und 1990. © dpa
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George Weah gilt als der beste afrikanische Fußballer der Geschichte. Die internationalen Erfolge des Liberianers: Weltfußballer, Europas Fußballer des Jahres und Afrikas Fußballer des Jahres 1995, bester afrikanischer Spieler des 20. Jahrhunderts. © dpa
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Rivaldo wurde 2002 Weltmeister mit Brasilien, Vize-Weltmeister 1998. Champions-League-Sieger 2003 mit dem AC Mailand, Europäischer Supercup: 1998 mit Barca und 2003 mit dem AC Mailand, Weltfußballer des Jahres 1999 und Europas Fußballer des Jahres 1999. © dpa
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Ronaldo: Seine größten Erfolge u.a.: Weltmeister 1994 und 2002, FIFA-Klub-Weltmeisterschaft mit Milan 2007, Europapokal der Pokalsieger 1997 mit dem FC Barcelona, UEFA-Cup-Sieger Inter Mailand 1998, Europäischer Supercup: 2002 mit Real Madrid und 2007 mit Milan, Weltpokalsieger mit Real Madrid 2002, Weltfußballer des Jahres: 1996, 1997, 2002, Europas Fußballer des Jahres: 1997, 2002, 1997 Europas Torschützenkönig, 2002 WM-Torschützenkönig. © dpa
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Zinedine Zidane. Seine größten Erfolge: Weltmeister 1998, Europameister 2000, Champions-League-Sieger mit Real Madrid 2002, Europäischer Supercup mit Juventus 1996 und Real Madrid 2002, Weltpokal 1996 mit Juve und 2002 mit Real, Weltfußballer des Jahres: 1998, 2000, 2003, Europas Fußballer des Jahres: 1998, Weltsportler des Jahres: 1999, Wertvollster Spieler der WM („Goldener Ball“): 2006. © dpa
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Ronaldinho. Seine größten Erfolge: Weltmeister mit Brasilien 2002, UEFA Champions League mit dem FC Barcelona 2006, Weltfußballer des Jahres: 2004, 2005, Europas Fußballer des Jahres: 2004, UEFA Club Football Awards Stürmer des Jahres: 2005, UEFA Club Football Awards Spieler des Jahres: 2006, World Soccer Spieler des Jahres: 2004, 2005. © dpa
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Lionel Messi (r.) ist gegenwärtig eines der größten Talente im Weltfußball. Seine internationalen Erfolge: Champions-League-Sieger 2006 mit dem FC Barcelona, Olympiasieger 2008 mit Argentinien. © dpa
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Cristiano Ronaldo gilt als einer der derzeit besten Fußballer der Welt. Seine größten internationalen Erfolge: Vize-Europameister 2004 mit Portugal, WM-Vierter mit Portugal 2006, Champions-League-Sieger 2008 mit Manchester United. © dpa
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Xavi Hernandez. Der kleine Spanier gewann mit Spanien 2008 die Europameisterschaft und 2006 mit dem FC Barcelona die UEFA Champions League. © dpa

Und? Wie hat er geschaut?

Effenberg: Überzeugt. Seine Blick war total entschlossen. Zum Glück hat er den Ball nicht optimal getroffen, sonst hätte er einen HSV -Spieler in der Mauer abgeschossen, aber kein Tor erzielt.

Der Meisterschuss nur Glück?

Effenberg: (lacht) Nein, nein, auch Kraft. Viel Kraft. Glück gehört natürlich auch dazu.

Der Jubel danach war explosionsartig, das Bild von Oliver Kahn mit der herausgerissenen Eckfahne wird kein Fußballfan je vergessen. Wie war der Abend?

 Effenberg: Ruhig. Dieser Titel wurde nicht gefeiert. Auf dem Platz, klar, aber dann war Ruhe. Rein in den Flieger, ab nach München, das war’s. Zumindest für mich. Alle Kraft für Mittwoch hab’ ich mir gesagt, alle Kraft fürs Champions-League-Finale.

War die Last-Second-Meisterschaft der Schlüssel zum Sieg gegen Valencia vier Tage später?

Effenberg: Der Franz und der Ottmar sehen das so, ich bin da anderer Meinung. Klar hat es gutgetan, mit einer Meisterschaft im Rucksack nach Mailand zu fliegen, aber wir hätten das Ding auch so gewonnen. Dann erst recht, davon war ich total überzeugt.

Denken Sie manchmal noch an die armen Schalker?

Effenberg: Ja. Wenn ich die Bilder im Fernsehen seh’, die Fans auf dem Rasen im Parkstadion, die Spieler, den Rudi Assauer, da denk ich mir schon: Mein Gott, war das hart. So zu verlieren, so brutal, sie sehen uns auf der Anzeigetafel, wie wir den Titel gewinnen… Aber: Sie waren selbst schuld, die Schalker.

Der vorletzte Spieltag…

Effenberg: Genau. Da hatten sie in Stuttgart alles in der Hand – und haben verloren. Und bei uns schießt der Alex Zickler das 2:1, wir gewinnen gegen Lautern und sind Erster. Das war der eigentliche Knackpunkt.

Interview: Ludwig Krammer

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