Interview mit Luis de la Fuente

Vor Beginn der U21-EM: Spaniens Trainer packt über Marc Roca aus - „Erinnert mich sehr stark an ...“

Pedraza, De la Fuente und Roca (v.li.) beim EM-Sieg 2019 nach dem Finale gegen Deutschland
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Pedraza, De la Fuente und Roca (v.li.) beim EM-Sieg 2019 nach dem Finale gegen Deutschland.

Vor dem Start der U21-EM 2021 spricht Spaniens Coach über die Chancen seines Teams - und der deutschen Auswahl. Außerdem erklärt er die Situation für Marc Roca beim FC Bayern.

Muss sich der deutsche Fußball Sorgen um die Zukunft machen? Nein, der Meinung ist zumindest Luis de la Fuente. Vor Beginn der U-21-EM 2021 spricht der Nationaltrainer des Titelverteidigers aus Spanien in der tz über den iberischen und deutschen Nachwuchs, die Sonderstellung der Bundesliga und seinen ehemaligen Schützling Marc Roca, dem er beim FC Bayern eine große Zukunft prophezeit.

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Zuversicht ist hierzulande Mangelware seit dem 0:6 der A-Nationalmannschaft in Spanien, bei dem just von Ihnen ausgebildete Spieler wie Dreifachtorschütze Ferrán Torres oder auch der Leipziger Dani Olmo in der Startelf standen.
Luis De la Fuente: Für mich ist das der größte Stolz überhaupt. Dass viele dieser Spieler bereits in der A-Nationalmannschaft gesetzt sind, obwohl sie eigentlich U-21-Spieler wären, ist die größte Belohnung für unsere Arbeit – und wäre ohne den Mut von Nationaltrainer Luis Enrique nicht möglich gewesen. Und was Deutschland angeht, teile ich den Pessimismus nicht.
So?
De la Fuente: Spanische Talente wie Olmo, Marc Roca oder Angeliño haben in der Bundesliga eine fantastische Liga gefunden, wo auf junge Spieler wie sie gesetzt wird. Ich finde es schade, dass Spieler mit diesem Potenzial nicht bei uns in LaLiga aktiv sind. Ich verstehe es schlichtweg nicht. Junge Spieler brauchen Vertrauen, und das finden viele aktuell eben in der Bundesliga. In Deutschland wird frühzeitig auf die Stars von morgen gebaut. Und was das 0:6 angeht: Ein einzelnes Resultat darf nicht dazu führen, dass sich eine gesamte Fußballnation hinterfragt. In Spanien geschah nach dem Gruppen-Aus bei der WM 2014 dasselbe. Plötzlich war alles, was uns zuvor ausgezeichnet hatte, altmodisch und nicht mehr zu gebrauchen. Vielleicht ist das aktuell auch in Deutschland der Fall. Mit Blick auf die Strukturen im Nachwuchs und die Vielzahl an Talenten bin ich aber der Überzeugung, dass kein Grund zur Sorge besteht.

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Herr De la Fuente, das Virus hat im Fußball vor allem Jugend- und Amateurteams getroffen. Müssen wir uns um die Talente von morgen sorgen?
De la Fuente: Förderlich war dieses Jahr nicht. Sehr viele Spieler sind in ihrer Entwicklung stehengeblieben. Sportler zeichnet jedoch aus, dass sie speziell in aussichtslosen Situationen über sich hinauswachsen. Fußballerisch gesehen handelt es sich vielleicht um eine Zäsur, menschlich dagegen um einen wertvollen Lernprozess. Alle, auch die Fußballer, werden gestärkt aus der Krise hervorgehen. Das zeigt sich bereits jetzt.
Inwiefern?
De la Fuente: Schauen Sie nur, wie viele Klubs aus Finanznot den Blick verstärkt auf den eigenen Nachwuchs richten! Ich sehe das als durchweg positive Konsequenz.
Im Endspiel 2019 schlug Ihre Mannschaft die deutsche Auswahl. Ist das aktuelle Team auf einer Stufe mit der unglaublichen Generation rund um Dani Ceballos, Fabián &Co.?
De la Fuente: Diese Generation war einmalig. Ich vergleiche sie gerne mit der deutschen Auswahl von damals, da beide quasi nur aus Erstligaspielern bestanden. Das ist heuer bedingt der Fall, sowohl Spanien als auch Deutschland (hier geht‘s zum Kader) können aber zuversichtlich ins Turnier gehen.

Im Video: Bei Deutschland befindet sich auch ein „Wunderkind“ im Auswahlkader - von Borussia Dortmund:

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Werden die Bayern noch Freude an Marc Roca haben?
De la Fuente: Spielern wie ihm gehört die Zukunft. Man darf nicht vergessen, dass es als 24-Jähriger nicht einfach ist, sich bei einer Mannschaft wie Bayern auf Anhieb durchzusetzen. Er kommt aber bereits auf erste Einsätze. Hinzu kommt das tägliche Training an der Seite von Weltstars, das ihm einen zusätzlichen Schub geben wird. Ich bin mir sicher, dass er einer der Eckpfeiler des Zukunftsprojekts in München sein wird.
Trotz Konkurrenten auf seiner Position wie Joshua Kimmich oder Leon Goretzka?
De la Fuente: Ich kann mich an das erste Mal erinnern, als ich Joshua Kimmich spielen sah. Er hat mit der U-Nationalmannschaft gegen uns erst im Mittelfeld, dann rechts hinten gespielt. Ich war schon damals tief beeindruckt von ihm. Doch auch Kimmich hat seine Zeit gebraucht, um sich bei Bayern München durchzusetzen. Bei Marc wird es nicht anders sein. Denn allein von der Polyvalenz und der Spielintelligenz her erinnert er mich sehr stark an Kimmich.

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