Präsident über FCB- und eigene Zukunft

Hoeneß im Exklusiv-Interview: „Ein bis zwei Junge werden noch kommen“

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Macht sich Gedanken über seine Zukunft und die des FC Bayern nach seinem Abschied: Uli Hoeneß ist der Präsident des größten Sportklubs in München.

Uli Hoeneß ist seit Jahrzehnten der starke Mann beim FC Bayern. Doch seine Zeit als Klub-Boss nähert sich dem Ende. Im Interview spricht der Präsident über seine Zukunftspläne sowie das Sponsoring.

München - Wenn Uli Hoeneß aus seinem Bürofenster schaut, blickt er direkt auf die Trainingsplätze an der Säbener Straße. Ein paar Meter weiter befindet sich eine Terrasse, von der aus man das Geschehen ganz genau verfolgen kann. „Franz (Beckenbauer, d. Red.) sagt immer: Mensch, Uli. Wenn wir damals so einen tollen Rasen gehabt hätten...“, berichtet der FCB-Präsident lachend. Noch immer erinnert er sich gut an die Zeit, in der er selber auf diesen Plätzen stand. Heute hat Hoeneß großen Anteil daran, dass der Verein mit Fußball und Basketball zwei sehr erfolgreiche Abteilungen vorweisen kann. Im tz-Interview spricht der 67-Jährige über seine Baskets, seinen möglichen Abschied vom Präsidentenamt und den Umbruch im Fußball-Kader.

Herr Hoeneß, in der Liga stehen die Bayern-Baskets unangefochten auf dem ersten Tabellenplatz, die Euroleague-Playoffs wurden nur knapp verpasst. Sie dürften mit der Abteilung Basketball zufrieden sein.

Hoeneß: Ich bin total zufrieden. Vor der Saison wussten wir ja noch nicht einmal, wo wir stehen. Und die erste Euroleague-Partie gegen Istanbul haben wir sehr schlecht gespielt. Da habe ich gedacht: „Um Gottes Willen, was soll das nur werden?“ Allerdings hat die Mannschaft dann den Schalter umgelegt. Wir konnten gegen große Namen mindestens mithalten, standen bei dem einen oder anderen Spiel gegen absolute Favoriten kurz vor der Sensation. Mittelfristig wollen wir den nächsten Schritt machen und die Euroleague-Playoffs erreichen.

Schon in der kommenden Saison?

Hoeneß: Wenn wir 2021 in der neuen Halle spielen, dann sollte das das Ziel sein. Derzeit möchte ich den Druck auf die Mannschaft nicht noch mehr erhöhen. Denn ob das funktioniert, hängt natürlich davon ab, wie der Kader aussieht, und welchen Teil des Teams wir halten können.

Viele Fans hoffen auf den Verbleib von Derrick Williams.

Hoeneß: Wir brauchen uns nichts vormachen. Wenn es ein Angebot aus der NBA gibt, sind Spieler wie Derrick kaum zu halten. Dennoch habe ich bereits von einigen US-Spielern gehört, die es im Nachhinein bereuten, nicht verlängert zu haben, weil sie sich bei uns so wohl gefühlt haben. Ich habe immer gesagt, der FC Bayern muss dafür stehen, dass wir eine große Familie sind.

Ist das Ihr Lebenswerk beim Verein?

Hoeneß: Mir war immer wichtig, dass eine totale Identifikation möglich ist. Und das ist in allen Bereichen gelungen. Um ein Beispiel aus dem Fußball zu bringen: Als Franck Ribéry damals von Marseille nach München gegangen ist, hat er wahrscheinlich gar nicht so recht gewusst, wo die Stadt überhaupt liegt und hat sich wohl gedacht: „Na ja, jetzt gehe ich da mal zwei, drei Jahre hin und dann gehe ich weiter zu Real Madrid.“ Jetzt ist er über zehn Jahre hier. Dasselbe gilt für Arjen Robben. Und es macht mich schon stolz, dass es uns gelungen ist, in der wirtschaftlich verrückten Welt so eine Oase zu schaffen, in der gute Spieler beides finden: ein gutes Gehalt und eine Wohlfühlatmosphäre für sich und ihre Familien.

Werden Sie den Etat der Basketballer kommende Saison erhöhen?

Hoeneß: Ich denke nicht, dass das möglich sein wird. Denn dafür brauchen wir zusätzliche Einnahmen, die wir derzeit nicht haben. Bisher haben wir aber bewiesen, dass wir mit diesem Etat gut zurechtkommen. Wenn jetzt wirklich ein Topspieler zu kriegen wäre und ein bestimmter Betrag fehlen würde, dann müsste man noch einmal nachdenken.

Wie häufig werden Sie mittlerweile im Fußballgeschäft auf Basketball angesprochen?

Hoeneß: Sehr häufig! Erst kürzlich vor dem Pokal-Halbfinale. Mir wurde gesagt, man habe sich bei Werder Bremen auch schon Gedanken diesbezüglich gemacht. Ich fände es schön, wenn noch ein paar Bundesligavereine sich dazu durchringen könnten, eine Basketball-Abteilung zu schaffen. Denn das würde die Sache natürlich noch etwas attraktiver machen, das Medien- und Zuschauerinteresse weiter steigern. Ich sehe für Basketball eine große Chance, in Deutschland die Nummer zwei hinter Fußball zu werden.

Interview an der Säbener Straße: FCB-Boss Uli Hoeneß zeigt tz-Reporterin Lena Meyer sein Reich.

Das heißt, der Fokus des FC Bayern wird langfristig auf der BBL bleiben?

Hoeneß: Die nationale Liga bleibt wie im Fußball die oberste Priorität. Die Euroleague ist wie die Champions League ein Zubrot.

Wie enttäuscht wären Sie, wenn die Titelverteidigung nicht klappt?

Hoeneß: Ich werde den Spielern nicht den Kopf abreißen, wenn es nicht klappt. Aber wenn man so eine überzeugende Vorstellung wie bisher abgibt, dann hofft man natürlich auch, dass man Meister wird.

Die Doppelbelastung aus Euroleague und BBL war hoch und es gab Heimspiele, die nicht ausverkauft waren. Ist das ein Problem, besonders dann, wenn ab 2021 eine 10.000-Mann-Halle gefüllt werden muss?

Hoeneß: Wir waren in den 70er-Jahren im Fußball sehr erfolgreich im Olympiastadion und haben drei Mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Damals hatten wir einen Zuschauerdurchschnitt von 35.000. Heute sind es knapp doppelt so viele. Was hat sich verändert? Die Allianz Arena! Das ist ein super Stadion mit Event-Charakter. Die Leute fühlen sich dort wohl. Und ähnlich wird es sich mit dem SAP Garden verhalten. Alle Beteiligten werden alles dafür tun, dass das Ganze ein Erlebnis wird.

Der Audi Dome soll weiterhin bestehen bleiben?

Hoeneß: Wir haben der Stadt zugesichert, dass wir die Halle weitere zehn Jahre betreiben werden. Denn es werden nicht alle Spiele im SAP Garden ausgetragen werden können, außerdem soll er als Trainingsstätte dienen.

Stimmt es, dass sich der Name bereits im Sommer aufgrund eines möglichen Sponsoren-Wechsels von Audi zu BMW ändern wird?

Hoeneß: Das hängt davon ab, wie die Gespräche verlaufen. Wenn wir eine Vereinbarung mit BMW sowohl im Fußball als auch im Basketball hinbekommen, würde sich der Name natürlich ändern. Der Vertrag im Basketball endet am 30. Juni. Ich denke, wir werden in den kommenden vier bis sechs Wochen die Entscheidungen bekanntgeben können.

Sie haben angekündigt, sich im Sommer Gedanken über Ihre Zukunft bei Bayern machen zu wollen. Gibt es schon eine Tendenz?

Hoeneß: Das ist eine Sache, die ich mit meiner Familie ausmachen muss. Und bis jetzt habe ich noch nicht ausreichend Zeit dafür gehabt. Deswegen nehmen wir den Monat Juni als Diskussionsgrundlage, weil ich da im Urlaub bin. Ich habe ja gesagt, bis die Bundesliga im August beginnt, werde ich eine Entscheidung treffen. Und die wird dann bekanntgegeben.

So lange können Sie dieses Thema ausblenden?

Hoeneß: Ja.

Haben Sie ein wenig Sorge, was mit Ihrem Herzensprojekt, der Basketball-Abteilung, passiert, wenn Sie nicht mehr Präsident sind?

Hoeneß: Das ist schon eine Sorge, die mich umtreibt. Mit Sicherheit ist die Abhängigkeit des Basketballs beim FC Bayern von meiner Person größer als die des Fußballs. Der Basketball hat in der Zeit, in der ich nicht beim Verein sein konnte, ein wenig gelitten. Beim Fußball ist das Ganze einfach auf viel mehr Schultern verteilt. Wir haben da ja ein sehr gutes Management aufgebaut. Was Basketball angeht: Ich bin auch mit Marko (Pesic, d. Red.) sehr zufrieden. Aber mein Netzwerk im Bereich Sponsoring und Marketing ist natürlich eine Hilfe. Wenn ich mich entscheiden sollte, nicht noch einmal anzutreten, müsste man schauen, in welcher Form ich beratend zur Seite stehen könnte.

Das heißt, es gibt die Möglichkeit, dass Sie auch ohne offizielles Amt beim FC Bayern bleiben?

Hoeneß: Ich muss jetzt erst einmal die Grundsatzentscheidung treffen. Alles andere sehen wir dann. Aber ich denke, dass jeder weiß, dass ich den FC Bayern nicht hängen lasse. Wenn man meinen Rat braucht, dann werde ich mich da nicht verweigern. Sowohl Fußball als auch Basketball sind meine Babys. Und wenn ich das Gefühl hätte, dass es nicht so läuft, wäre ich da.

Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, das Sie unbedingt noch erreichen wollen, bevor Sie Ihr Amt aufgeben?

Hoeneß: Ich bin ja schon ein Perfektionist und will alles optimal machen. Nur ist es so, dass man nicht alles im Leben steuern kann. Natürlich wäre es ideal zu sagen: Hier ist die Allianz Arena, da ist der SAP Garden. Die Fußballer gewinnen die Champions League, die Frauen werden auch Deutscher Meister oder Champions League-Sieger und die Basketballer werden Meister. Und dann stehen alle zusammen auf dem Balkon am Marienplatz und feiern. Aber das ist ja fast kitschig und nicht unbedingt realistisch. So etwas kann sich mal ergeben, ist aber nicht die Regel. Mir missfällt diese Erwartungshaltung, dieser Druck, den die Medien häufig transportieren und aufbauen wollen.

Uli Hoeneß (FC Bayern): „Ein bis zwei Junge werden noch kommen“

Besonders im Fußball?

Hoeneß: Genau. Egal, was passiert, wir haben doch eine gute Saison bisher: Wir stehen im Pokal-Endspiel, wir sind vier Spieltage vor Ende Tabellenführer der Bundesliga. Wir sind gegen den möglichen, zukünftigen Champions-League-Sieger ausgeschieden und wir haben eine mittlere Krise hinter uns gelassen. Außerdem sind wir mittendrin, den Umbruch innerhalb des Kaders zu schaffen. Wenn ich mir die Mannschaft anschaue, so wie sie sich gegen Bremen präsentiert hat: Das war schon toll. Und es gibt ja das eine oder andere, das wir noch vorhaben. Wir haben auf allerhöchstem Niveau den Umbruch eingeleitet - und möglicherweise bereits geschafft, was die neue Saison angeht. Jetzt haben wir fünf, sechs Junge in der Mannschaft und es werden noch ein, zwei kommen. Darauf sind wir stolz.

Hat klare Vorstellungen: Uli Hoeneß will den FC Bayern nach seinem nahenden Abschied in besten Händen wissen.

Ein häufiger Gast im Audi Dome sieht sich derzeit auch der medialen Aufmerksamkeit ausgesetzt: Martin Winterkorn. Haben Sie Kontakt?

Hoeneß: Wir stehen in Kontakt. Zwischen seiner Situation und meiner damals gibt es einige Parallelen. Er hat momentan eine sehr schwierige Zeit für sich. Und ich habe damals - in meiner schwierigen Zeit - festgestellt, dass es gerade dann sehr wichtig ist, Freunde zu haben. Wir vom FC Bayern, und das gilt nicht nur für mich, sondern auch für Karl-Heinz Rummenigge und die anderen, haben mit Martin mittlerweile um die 15 Jahre zusammengearbeitet. Es ist eine Freundschaft entstanden. Unabhängig davon, was da jetzt rauskommt: Martin Winterkorn weiß, dass wir immer zu ihm stehen werden. Wie gesagt: In so einer schwierigen Zeit ist es wichtig, Freunde zu haben. Und der FC Bayern und speziell auch ich werden diese Freundschaft nicht infrage stellen.

Wie schwer ist der Umgang mit den Medien in solchen Momenten?

Hoeneß: Berechtigt ist alles, was die Medien machen, wenn sie aufklären und berichten. Aber wenn die Medien bereit sind, jemanden zu demontieren, werden Grenzen überschritten. Ich habe am Mittwoch beispielsweise mit Reinhard Grindel gesprochen. Er erlebt das ja auch gerade. Die Berichterstattung geht längst nicht mehr nur bis zu dem Punkt, dass man sagt, er habe einen Fehler gemacht. Und das finde ich nicht gut. Wir standen uns jetzt nie sehr nahe, aber mir tut leid, was da gerade passiert. Wenn man einmal in einer ähnlichen Situation war, kann man das ganz gut nachempfinden.

Interview: Lena Meyer

Das ist Uli Hoeneß

Als Uli Hoeneß 2009 das Amt des Präsidenten beim FC Bayern München übernahm, war er dem Verein längst eng verbunden. Der am 5. Januar 1952 geborene Ulmer spielte in seiner aktiven Karriere selbst von 1970 bis 1979 für die Bayern. Ab 1979 bekleidete er dann das Amt des Vereinsmanagers. Von 2014 bis 2016 unterbrach er seine Tätigkeit als Vereinsboss, weil er eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung antreten musste. Im November 2016 wurde er wiedergewählt.

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