120 Jahre FC Bayern

Großes Interview: Hoeneß verrät, wie oft er nun noch an der Säbener Straße ist - und warum er nicht zu 1860 wechselte

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FC Bayern mit Leib und Seele – auch im Ruhestand: Uli Hoeneß im Interview.

Uli Hoeneß war erst Spieler, dann Manager und schließlich Präsident des FC Bayern. Er spricht im Interview über sein Leben nach dem Fußballgeschäft, sein Vermächtnis und seine Nachfolger.

Herr Hoeneß, Herbert Hainer hat Ihr Büro bezogen, die legendären Rattan-Möbel sind nicht mehr an der Säbener Straße. Sondern wo?

Hoeneß: Bei mir zu Hause. Im Keller habe ich einen Raum – den einzigen, in dem ein bisschen was an Fußball erinnert. Da sind sie, und sie passen wunderbar dahin.

Was ist noch in dem Raum?

Ein nachgemachter Champions-League-Pokal aus Porzellan, den mir mal jemand geschenkt hat. Auch Geschenke zu ein paar Geburtstagen.

Und Sie gehen ab und an in den Keller und werden nostalgisch?

Ich sehe diese Sachen alle jeden Tag – weil ich durch den Raum muss, wenn ich in die Garage gehe. Ich freue mich dann immer.

Wie waren die letzten drei Monate ohne die tägliche Dosis FC Bayern?

Hoeneß: Ich habe versucht, wie immer ohne Plan an diese Dinge heranzugehen. Ich habe ja vorher gesagt: Am 16. November beginnt eine neue Zeitrechnung, ich lasse alles auf mich zukommen. Und eigentlich ist es genau so gegangen. Bis Weihnachten war fast alles wie früher, weil viele Termine noch festgelegt waren. Aber seit dem 5. Januar, nach meinem Geburtstag, ist es dann ruhiger geworden.

Hoeneß im Gespräch mit den Reportern Hanna Raif und Manuel Bonke an der Säbener Straße.

Steht das Fax manchmal still?

Sagen wir so: Es ist täglich in Betrieb. Ich lese jetzt mehr als früher und ich gehe meiner Frau mehr zur Hand. Ansonsten bin ich telefonisch involviert, bei meinem Sohn in der Fabrik, wenn er eine Frage hat. Oder ich fahre mit, wenn er einen Besuch bei einem wichtigen Kunden macht. Und wenn zum Beispiel ein Hasan Salihamidzic oder Marko Pesic mit Fragen anrufen, stehe ich natürlich auch jederzeit zur Verfügung.

Wie oft sind Sie an der Säbener Straße?

Im Schnitt würde ich sagen: ein Mal pro Woche. Es gibt keinen festen Plan, aber es gibt immer noch ein paar Dinge zu machen.

Ihr Ausstand fiel fast auf den 120-jährigen Geburtstag des Klubs. Machen Sie sich etwas aus Jubiläen?

Das habe ich nicht extra so terminiert – falls Sie das meinen (lacht). Aber im Ernst: Auf Daten und Jubiläen habe ich nie viel gegeben. Klar, zu runden Geburtstagen – 40, 50, 60 – habe ich große Feste gemacht, das wird auch am 70. passieren. Im Sommer ist mein Abitur 50 Jahre her, da laden wir alle Schulkollegen von damals zu einem Fest ein, und dazu auch noch die Freunde aus der Tanzschule. Und in drei Jahren steht unsere goldene Hochzeit an. Das muss natürlich gefeiert werden!

Ihr Name ist omnipräsent, wenn es um Jubiläen beim FC Bayern geht. Ist der FC Bayern Ihr Werk?

Ich bin am 1. Juli 50 Jahre beim FC Bayern, also fast die Hälfte von 120 Jahren. Zehn Jahre Spieler, fast 40 Jahre als Manager, Vorstand und Präsident. Ich glaube deshalb schon, dass ich einen großen Beitrag dazu geleistet habe, dass der FC Bayern heute so dasteht, wie er steht.

„Ich wollte dem Fan des FC Bayern immer eine Heimat bieten“

Auf was sind Sie besonders stolz?

Auf vieles. Ob das jetzt der Aufbau der Profimannschaft war, die Säbener Straße, das Nachwuchsleistungszentrum, die Allianz Arena. Ich kann mich noch erinnern, am Tag bevor die Zusammenarbeit mit der Allianz stand, haben wir bis fünf Uhr morgens verhandelt. Auch das Basketballprojekt ist durch mein Engagement zu dem geworden, was es heute ist. Wenn der SAP Garden in zwei Jahren fertig ist – von dem ich hoffe und glaube, dass es die schönste Halle der Welt wird –, dann schließt sich der Kreis. Denn ich wollte dem Fan des FC Bayern immer eine Heimat bieten, etwas, womit er sich identifizieren kann.

Das sind die Allianz Arena und dann der SAP Garden.

Genau. Die Infrastruktur steht – und bleiben wir mal beim Basketball: Mit der Erstarkung der Profi-Abteilung hat die Jugend auch Vorbilder bekommen, die wollen alle Basketball spielen. Es ist geplant, im Nachwuchsleistungszentrum für Basketball noch etwas zu machen. Was die Leute immer so gerne vergessen, weil man immer über die Profis spricht: Die Jugend gehört dazu! Im Fußball könnten wir zehn Mal so viele Jugendmannschaften haben, die Nachfrage ist enorm.

„Visionen, die hatte ich immer“

War die aktive Zeit für Sie auch beim FC Bayern am schönsten?

Natürlich, die schönste ist, selber zu spielen, die zweitschönste ist, verantwortlich zu sein. Weil man den Menschen Freude machen kann. Wenn ich in die Allianz Arena komme – auch heute noch – und diese Emotionen in Rot-Weiß sehe, ist das schon etwas Tolles. Was man aber sagen muss: Als Spieler hat man nicht so viel Verantwortung und Druck. Das war in der zweiten Karriere schon mehr. Denn wenn es schiefläuft, hat man nicht zehn Mann, die aushelfen.

Wie war Ihr Alltag als Spieler an der Säbener Straße?

Wenn ich hier so auf den Platz schaue (blickt aus dem Fenster), dann sehe ich einen Rasen in Golfplatz-Qualität. Früher war im März zwischen den beiden Strafräumen kein Rasen. Da gab es die Holzhütte, in der wir uns umgezogen haben, das war’s. Und wenn es mal 20 oder 30 Zentimeter geschneit hatte, konnten wir nicht kicken. Wir haben also erst mal alle Schnee geschippt – und dann losgelegt.

40 Jahre später wird immer noch über die Elf aus den Siebzigerjahren gesprochen. Wird es so eine Ära noch mal geben?

Wenn ich die zehnjährigen Kinder heute frage, wer Sepp Maier und Katsche Schwarzenbeck sind, wissen die nicht mehr Bescheid. Unsere Zeit ist schnelllebig. Aber trotzdem muss man sagen, dass diese Zusammenballung an riesigen Persönlichkeiten damals wirklich einmalig war. Dabei war es eigentlich Zufall, denn es wurden keine Transfers getätigt. Beckenbauer, Müller, Maier, Breitner, Schwarzenbeck später Rummenigge – wir haben den deutschen Fußball als Generation geprägt. Da können wir schon stolz drauf sein. Und was interessant ist: Aus dieser Zeit ist die Führung des FC Bayern der Neuzeit geworden. Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge, meine Wenigkeit.

Auch die 2001er-Champions-League-Sieger – Kahn, Salihamidzic – sind nun Angestellte.

Das ist interessant, ja. Denn nach uns kam eine lange Zeit wenig, jetzt aber kommt es wieder. Wenn ich daran denke: Auch ein Bixente Lizarazu könnte das alles machen, ein intelligenter, integrer Mensch. Es gibt Phasen mit Spielern, die Persönlichkeiten sind. Und dann gibt es wieder Phasen mit welchen, die gute Kicker waren, aber eben nicht verantwortungsvolle Arbeit übernehmen konnten.

„Die Spiele haben unter Udo Lattek auch mal zwei Stunden gedauert“

Wie wurde trainiert?

Meist wurde Alt gegen Jung gespielt. Die Spiele haben unter Udo Lattek auch mal zwei Stunden gedauert. Bei den Alten waren Beckenbauer und Müller dabei – die mussten so lange spielen, bis sie gewonnen hatten. Der Ausgang war nie offen (lacht).

Ihre größten Spiele – gegen Dresden und Atlético, oder?

Genau, das waren die spektakulärsten. Ich habe viele große Spiele gemacht, aber das eine gegen Atlético im Endspiel 1974 war schon der Wahnsinn. Das Wiederholungsspiel in Brüssel, Gerd hat zwei Tore gemacht, ich habe zwei Tore gemacht. Ich kann mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen: Ich war vollkommen fertig, aber da stand in der Kabine dieser Pott. Ich dachte mir: Wenn man davon sprechen kann, dass man glücklich ist – heute bin ich es! Ich wollte am liebsten die Zeit anhalten.

Uli Hoeneß (l) und Paul Breitner im Jahr 1973: „Paul Breitner und ich hatten ja eigentlich vor, zum TSV 1860 zu gehen“.

Das Karriereende kam früh – für den FCB im Nachhinein ein Glücksfall.

…und zwei Zufällen geschuldet. Paul Breitner und ich hatten ja eigentlich vor, zum TSV 1860 zu gehen. Der damalige Geschäftsführer Mayerböck wollte uns unbedingt, der ist an einem Samstag nach Freilassing und am anderen nach Ulm gefahren, um uns zu umgarnen. Er hat immer gesagt: „Ich bin gerade zufällig in der Nähe gewesen.“ Vom FC Bayern aber hat sich überhaupt niemand gemeldet. Unser Jugendnationaltrainer Udo Lattek hat uns dann bei einem Lehrgang zur Seite genommen und gesagt: Wartet noch mit einer Unterschrift! Wenig später war dann Robert Schwan bei uns – und dann war mit dem FC Bayern alles klar. 1200 Mark Grundgehalt und 20 000 Mark Handgeld.

Und der zweite Zufall?

Als ich im letzten halben Jahr meiner Karriere in Nürnberg gespielt habe, war hier beim FC Bayern die große Revolution mit Sepp Maier, Paul Breitner und vielen anderen. Eines ist doch klar: Wenn ich hier gewesen wäre, wäre ich mittendrin gewesen. Weil ich aber nicht drin war, hat der damalige Präsident Wilhelm Neudecker mich in seiner Not angerufen und gefragt, ob ich Bayern-Manager werden möchte. Mein Knie hätte nicht mehr lange gehalten – deshalb habe ich zugesagt.

Hatten Sie 1979 schon eine Vorstellung von Ihrem FC Bayern?

Viel zu managen gab es am Anfang nicht. Damals waren 85 Prozent der Einnahmen Zuschauereinnahmen. Aber es war immer mein Plan, den Verein davon unabhängig zu machen. Heute sind es nur noch rund 18 Prozent.

„Der Fassbender hat mich nie mehr angeschaut“

Sie haben schon immer gerne neue Einnahmequellen generiert.

Mit Gerhard Mayer-Vorfelder hatten wir auch mal eine Aktion: 50 Millionen. Damals hatten wir 18 oder 20 Millionen TV-Gelder-Einnahmen. Der Fassbender (Heribert Fassbender, Anm. d. Red.) hat mich nie mehr angeschaut: Sie sind der Geldschneider von der Säbener Straße (lacht). Wir haben es dann aber geschafft, dass die Fernsehrechte für 50 Millionen verkauft wurden. Damals habe ich gesagt: Irgendwann wird das eine Milliarde kosten! Visionen, die hatte ich immer…

So wie mit den Eishockey-Fans, die 1979 vorm HSV-Spiel Schlachtgesänge mit den FCB-Anhängern übten. Sie hatten dafür, der Legende nach, extra Eishockey-Einsinger aus Düsseldorf engagiert.

(schmunzelt): Ja, richtig. Bei uns war oft keine echte Stimmung im Stadion. Und die DEG war damals das Nonplusultra in Sachen Fangesang. Die haben an Weihnachten immer im Stadion Kling, Glöckchen (Hoeneß stimmt das Lied an) gesungen und immer alle Lieder bis zur Perfektion geübt. Da bin ich dann zwei-, dreimal hingefahren und war beeindruckt. Das gibt es doch gar nicht, dachte ich mir… Dann haben wir eine Truppe von denen eingeladen und sie mit einer Fan-Gruppe von uns üben lassen. Ui, und einmal habe ich mir einen Schiefer eingezogen…

Warum?

Wir hatten ein Spiel gegen die Suttgarter Kickers. Das war im Dezember und wir hatten um die 20.000 Zuschauer. Dann habe ich gesagt: Wenn wir heute nicht mit drei Toren Unterschied gewinnen, bekommen die Zuschauer ihr Geld zurück. Da war dann die Hölle los, das können Sie sich vorstellen.

Wenn man mich heute als den Monsieur Attacke sieht – alles harmlos im Vergleich zu früher.“

Wie ist das Spiel ausgegangen?

Gott sei Dank 3:0 gewonnen. Alles andere wäre teuer geworden. Da­rum: Wenn man mich heute als den Monsieur Attacke sieht – alles harmlos im Vergleich zu früher. Da habe ich wirklich richtig provoziert. Am Anfang, als ich ein junger Manager war, habe ich schon die Ellenbogen ausgefahren. Grashoff, Lemke, wie sie nicht alle hießen… Ich wollte den FC Bayern partout nach oben bringen. Und als wir oben waren, dann habe ich angefangen zu verteilen. Dann haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir als Verein anderen helfen können. Ich habe kürzlich gelesen: „Reich werden durch geben“ – das ist wirklich ein guter Spruch.

Sie waren damals Speerspitze, Anwalt, Sprecher, erster Fan: Denken Sie sich manchmal, warum brauchen die heute für jede Funktion eine andere Position?

Nein, das bringt die Zeit so mit sich. Wenn der Umsatz sich vervielfacht, muss auch die Verantwortung anders verteilt werden. Da kann man jetzt nicht zurückdenken und sich nach den alten Zeiten sehnen.

Aber so ein bisschen in Nostalgie schwelgen?

Das schon. Ich kann mich noch entsinnen: Die erste Weihnachtsfeier haben wir im Gasthof Hinterbrühl gefeiert. Damals haben meine Frau und eine Freundin noch den ganzen Raum geschmückt. Die ersten Künstler, die auftraten, waren Rainhard Fendrich und Gerhard Polt, mit dem ich heute gut befreundet bin. Wir hatten uns damals zum Mittagessen getroffen und ich habe ihn gefragt, was er als Requisiten braucht.

Und?

Hoeneß: Ein Päckchen Kaugummi und eine Asiatin – für einen Sketch. Dann haben wir bei Singapur Airlines eine Stewardess gefragt, ob sie da mitspielen möchte. Das waren noch andere Zeiten (schmunzelt).

Was war Ihr spektakulärster Transfer?

Die Verpflichtung von Sören Lerby. Wir hatten damals sieben Millionen Mark Schulden und mittags extra noch eine Beiratssitzung gemacht. Weil: Sören kostete zwei Millionen, da mussten wir uns das Go holen. Dann hat Rudolf Houdek gesagt: Ach, auf die zwei Millionen kommt es auch nicht mehr an. Wenn ihr der Meinung seid, dann kaufts ihn halt. Dann sind Willi O. Hoffmann, Pal Csernai und ich nach Amsterdam, um den Spieler noch mal anzuschauen. Csernai und ich hatten ihn nur einmal live gesehen und der Hoffmann wollte auch mal schauen. Dann fahren wir da hin, das Spiel geht 0:0 aus und der Lerby war vielleicht zweimal am Ball. Und dafür sollten wir unser ganzes Geld ausgeben?

Was der FC Bayern ja auch tat.

Ja, wir hatten mit dem Sören vereinbart, dass wir uns nach dem Spiel in einem Fisch-Restaurant treffen. Wir nahmen Platz, bestellten Wein und warteten auf Sören. Dann frage ich den Csernai: Na, Herr Csernai, was machen wir jetzt? Dann sagte er: Nachdem, was ich heute gesehen habe, können wir ihn nicht kaufen. Ich sagte: Das meinen Sie jetzt aber nicht ernst? Er: Doch, den können wir nicht kaufen. Und wir waren gerade so richtig schön am diskutieren, es war noch keine Entscheidung getroffen – da geht die Türe auf, Sören kam die Treppe hoch, setzt sich hin und der Hoffmann sagt: Sehr geehrter Herr Lerby, darf ich Sie als Spieler des FC Bayern begrüßen? Der Csernai ist unter den Tisch gefallen (lacht).

„Heute sind Investoren meist nur am maximalen Profit interessiert“

Wer war Ihr schwerster Verhandlungspartner?

Als wir Adolfo Valencia kauften, habe ich mit Kurt Hegerich in Ma­drid angefangen zu verhandeln. Nach anderthalb Tagen waren wir noch nicht fertig, dann hat Hegerich zu den Valencia-Leuten gesagt: Meine Herren, ich muss heute Abend unbedingt nach Hause fliegen, ich habe dort einen wichtigen Termin. Dann haben die gesagt: Dann fliegen wir mit! Dann ist die ganze Delegation von Adolfo nach München mitgeflogen und am nächsten Tag haben wir weiterverhandelt.

Warum ist der FCB auch sportlich stets so erfolgreich? Viele Vereine haben noch Strahlkraft, aber keine Titel mehr.

Heute sind die Investoren hinter den Kulissen meist nur am maximalen Profit interessiert. Da wird dann auch zum Beispiel mal ein Stadion verkauft, für die Refinanzierung. Bevor bei uns jemand Allianz Arena anpackt, würden wir uns die Hand abhacken.

Ihr Anspruch lautete stets, nie mehr ausgeben, als man einnimmt. Jetzt haben Sie uns vorher verraten, dass Sie trotz Schulden noch zwei Millionen für Sören Lerby draufgepackt hatten…

Moment! Dann haben wir den Karl-Heinz Rummenigge verkauft, dann war alles wieder im grünen Bereich. Mit dem Verkauf von Karl-Heinz, elf Millionen, haben wir unsere Schulden bezahlt und mit den vier Millionen, die übrig waren, haben wir Lothar Matthäus für 2,2 Millionen gekauft und Roland Wohlfarth für eine Million von Duisburg. Und die übrige Million war die Basis dafür, dass wir nie wieder Schulden hatten.

Ist das etwas, worauf Sie stolz sind?

Extrem!

Und ganz ohne Investor.

Es gäbe für den FC Bayern natürlich jede Menge Investoren! Ich schätze den Wert des Vereins heute auf ca. drei Milliarden Euro. Aber durch den Deal mit unseren Mitgliedern ist es fast nicht mehr möglich, weitere Investoren hinzuzuziehen. Wir sagen: 30 Prozent und keine Stimme mehr. Und wenn wir das ändern wollten, bräuchten wir Dreiviertel Zustimmung der Mitglieder. Das wissen Sie selber: Die kriegen wir nie! Deswegen ist es falsch, wenn die Leute sagen: Warum ist der FC Bayern gegen 50+1? Wir haben 30+1!

Das leidige Thema.

Wir wollen ja nur, dass die anderen die Möglichkeit haben. Die werfen uns immer vor: Ihr verhindert doch nur, dass wir kein Kapital aufnehmen, damit wir euch nicht attackieren können. Und ich sage: Von mir aus könnt ihr 100 % aufnehmen, wir machen unseren Weg!

„Lieber gebe ich weniger Materielles und kümmere mich um die Menschen, denen es schlecht geht.

Herbert Hainer sagte jüngst, dass die soziale Verantwortung für Profi-Vereine in Zukunft noch wichtiger wird.

Ja, und das Wichtigste ist, das dann auch richtig vorzuleben. Lieber gebe ich weniger Materielles und kümmere mich um die Menschen, denen es schlecht geht. Das ist entscheidend.

Und dafür sind jetzt die richtigen Leute am Ruder?

Das hoffe ich! Sie haben ja gerade erst angefangen. Aber dieses soziale Engagement habe ich mir immer gewünscht, das habe ich auch auf der Jahreshauptversammlung gesagt: Dass ich hoffe, dass der FC Bayern seiner sozialen Verantwortung stets gerecht wird. Entscheidend ist, dass man vielen Menschen Freude gemacht hat.

Vor allem Fans anderer Vereine haben Sie mit Retterspielen viel Freude bereitet.

Was war früher auf St. Pauli los… Wenn wir dort gespielt haben, habe ich mich immer nur geduckt, weil die Münzen geflogen sind. Oder einer hat mal gesagt: „Hoeneß“ – und, Batsch, hatte ich einen halben Liter Bier im Gesicht. Das gab es alles. Dann haben wir einmal dieses Spiel gemacht – und seitdem sind wir die Helden. Pauli war deswegen etwas Besonderes, weil zwei Klassen aufeinandergetroffen sind. Die haben das ja immer hochgespielt: hier die großen Bayern, die Kapitalisten. Dort die Sozialisten aus Pauli. Das habe ich ihnen eben beweisen wollen: Dass auch ein angeblicher Kapitalist sozial sein kann.

„Ich habe aber nie meinen Charakter am Kleiderhaken abgegeben“

Gab es Situationen, die mit Ihrer eigenen Meinung nicht konform gingen, aber die für den FC Bayern ertragreich waren?

Nein, ich habe immer versucht, dem FC Bayern zu dienen. Das Wort dienen hat Franz Beckenbauer mal in einer Präsidiumssitzung genannt. Damals hat der Franz gesagt: Meine Herren, eins sage ich euch: Alles, was wir hier tun, ist, dem FC Bayern zu dienen. Das habe ich immer versucht zu verinnerlichen. Ich habe aber nie meinen Charakter am Kleiderhaken abgegeben. Ich bin immer an die Grenze gegangen, aber nicht darüber hinaus.

Wo sehen Sie den FC Bayern in den nächsten 120 Jahren?

Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass der FC Bayern weiter vorneweg marschieren wird – sowohl sportlich als auch gesellschaftlich. Diese Kombination: München, Bayern, fast 300.000 Mitglieder, die Fangemeinde – die verlierst du nicht so leicht. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen bei der Suche nach Nachfolgern ähnlich vorsichtig vorgehen wie ich.

Inwiefern?

Ich hätte es ja auch noch locker drei Jahre machen können. Aber ich war der Meinung: Jetzt habe ich die richtigen Leute gefunden. Und die wären in drei Jahren beide nicht mehr da gewesen. Sowohl Oliver Kahn als auch Herbert Hainer. Das war der entscheidende Aspekt, weshalb ich gesagt habe: Jetzt ist Schluss! Ich wusste, Herbert ist 65, in drei Jahren ist er 68 – dann wäre er wohl zu alt gewesen. Und Oliver war an einem Scheideweg: Geht er noch mal richtig in die Industrie, in die Wirtschaft? Ich habe ihn ja fast ein Jahr lang beredet. Aber nie offiziell, ich habe immer nur so Treffen vereinbart (schmunzelt). Dann habe ich mal gesagt: Kannst du dir das vorstellen? Er sagte: Nein, das kann ich nicht! Also habe ich vorgeschlagen, dass wir uns in vier Wochen noch mal treffen. Mit jedem Gespräch war ich sicherer, dass er der richtige Mann ist.

Das wird sich herausstellen.

Ja, da haben Sie recht! Sie können den Kaiser von China nehmen oder den Tim Cook von Apple – damit haben Sie auch keine Garantie. Ich maße mir nie an, im Vorhinein zu wissen, wie es ausgeht. Aber ich maße mir an zu sagen: Ich gebe mir allergrößte Mühe bei der Auswahl. Und dann muss es passen.

Oliver Kahn übernimmt beim FC Bayern München und war bereits bei einem ersten Transfer beteiligt. Nun gibt es Spekulationen um eine neue Personalie.

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