Hainer übernimmt als Aufsichtsratschef

Hoeneß akzeptiert Haft! Wie es nun weitergeht

München - Uli Hoeneß verzichtet auf eine Revision in seinem Steuerprozess und akzeptiert damit die Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Er gab dazu eine persönliche Erklärung heraus.

Am Freitagvormittag um 10.05 Uhr hatte Uli Hoeneß sein Lebenswerk aufgegeben. Der 62-Jährige zeigte Größe und zog in einer emotionalen Erklärung die persönlichen Konsequenzen aus seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. Hoeneß verzichtet auf eine Revision, legt mit sofortiger Wirkung seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München nieder - bald wird er seine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren antreten. Der Patron zieht einen Schlussstrich.

Uli Hoeneß: Live-Ticker vom Tag nach dem Urteil

„Nach Gesprächen mit meiner Familie habe ich mich entschlossen, das Urteil des Landgerichts München II in meiner Steuerangelegenheit anzunehmen. Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich“, ließ Hoeneß verbreiten.

Mit seinem Rückzug beim FC Bayern nach 44 Jahren als Spieler, Manager, Präsident und Chef des Aufsichtsrats wolle er Schaden von seinem Verein abwenden. „Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk, und er wird es immer bleiben. Ich werde diesem großartigen Verein und seinen Menschen auf andere Weise verbunden bleiben, solange ich lebe“, schrieb Hoeneß und bedankte sich bei seinen Freunden und den Fans „von Herzen für ihre Unterstützung“.

Hoeneß wird seine Haft vermutlich in der Justizvollzugsanstalt Landsberg antreten. Zugleich schuldet er der Staatskasse rund 50 Millionen Euro, die sich aus den hinterzogenen Steuern plus Solidaritätszuschlag in Höhe von 28,5 Millionen Euro sowie Strafen und Verzugszinsen zusammensetzen. Hoeneß war am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte seine Selbstanzeige für unwirksam erklärt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft gefordert.

Haftantritt von Hoeneß kann noch mehrere Wochen dauern

Hoeneß wird seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung nicht umgehend antreten müssen. "Es wird sicherlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen, bevor er in Haft gehen wird", sagte die Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz, am Freitag auf Anfrage.

Der gegen Hoeneß bestehende Haftbefehl hat Titz zufolge keine Gültigkeit mehr, wenn das Urteil rechtskräftig wird, da es sich um einen Untersuchungshaftbefehl handelt. Hoeneß bekomme dann eine Ladung zum Strafantritt. Dafür müsse zunächst mit der für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist.

Hoeneß war am Donnerstag vom Landgericht München II zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden, am Freitag akzeptierte er das Urteil.

Hainer neuer Aufsichtsratschef bei Bayern

Über seine Nachfolge als Aufsichtsratschef des FC Bayern hat der Klub am Freitag informiert: Adidas-Chef Herbert Hainer ist als Nachfolger des zurückgetretenen Uli Hoeneß bis auf weiteres Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG. Das teilte der deutsche Fußball-Rekordmeister am Freitag mit. Dieser Beschluss sei einstimmig vom Aufsichtsrat gefasst worden. Das Gremium nahm den Rücktritt von Hoeneß „mit Respekt und größter Hochachtung“ zur Kenntnis.

Der 61-jährige Karl Hopfner, 1. Vizepräsident des Vereins und Mitglied des Aufsichtsrates, wurde ebenfalls einstimmig bis auf weiteres in den Präsidialausschuss des Aufsichtsrates gewählt.

Staatsanwaltschaft entscheidet noch über Revision

Das Oberlandesgericht München hat darauf hingewiesen, dass das Urteil gegen Steuersünder Uli Hoeneß weiterhin nicht rechtskräftig ist. „Eine förmliche Verzichtserklärung auf Rechtsmittel ist bislang bei der Geschäftsstelle der zuständigen Strafkammer nach hiesigen Erkenntnissen noch nicht eingegangen. Eine solche Erklärung ist jedoch auch nicht erforderlich, da nach Verstreichen der Rechtsmittelfrist von einer Woche das Urteil auch ohne weitere Erklärungen seitens der Verfahrensbeteiligten in Rechtskraft erwächst“, hieß es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Freitag.

Die Staatsanwaltschaft München II hat noch keine Entscheidung über einen Revisionsantrag getroffen. „Sie hat mitgeteilt, hierüber frühestens Anfang nächster Woche zu entscheiden. Auch ihr steht die Rechtsmittelfrist bis zum 20.03.2014, 24 Uhr, offen“, hieß es in der Gerichtsmitteilung.

Wie ein Freigang laufen könnte

Hoeneß kann nun nur darauf setzen, nach einiger Zeit einen Status als Freigänger zu bekommen. Titz sagte zu den Voraussetzungen: "Eines ist klar, der Verurteilte muss in Haft erst mal unter Beweis gestellt haben, dass er sich ordnungsgemäß führt und das von ihm keine Fluchtgefahr droht." Sobald er dies unter Beweis gestellt habe, setze der Freigängerstatus dann noch voraus, dass er sozial eingebunden sei und ein geordnetes Leben führe.

Merkel äußert "Respekt" für Hoeneß-Entscheidung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit Respekt auf die Entscheidung von Uli Hoeneß zum Gang ins Gefängnis und zu seinem Rücktritt als Präsident des FC Bayern München reagiert. Die Kanzlerin habe "Respekt vor der Entscheidung, die Herr Hoeneß heute in seiner persönlichen Erklärung ausgedrückt hat", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Zugleich betonte er, es sei "gute rechtsstaatliche Übung, dass die Bundesregierung Urteile der Justiz nicht bewertet". Der Rechtsstaat habe seinen Lauf genommen, "der Richter hat gesprochen".

FC Bayern finanziell und sportlich stark

Finanziell und sportlich steht der FC Bayern mit einem Jahresumsatz von mehr als 430 Millionen Euro und einem Umlaufvermögen von 135 Millionen so gut wie noch nie in der 114-jährigen Vereinsgeschichte da, „wie im Traum“, hatte Hoeneß vor wenigen Tagen erst betont. Derzeit findet sich der Branchenprimus aber in einem Albtraum wieder.

Der FC Bayern stehe „total loyal zu unserem Freund Uli Hoeneß“, hatte Rummenigge zuletzt fast mantra-artig wiederholt - immer in der Hoffnung, dass „der Uli“ halbwegs unbeschadet aus der Sache herauskommen würde. Doch das Denkmal Uli Hoeneß ist krachend zu Boden gestürzt.

Im Aufsichtsrat dürften die Vertreter den Rücktritt von Hoeneß erleichtert zur Kenntnis genommen haben. Die Spitzenvertreter der Wirtschaft im Aufsichtsrat der FC Bayern AG konnten sich einen verurteilten Steuerhinterzieher an der Spitze dieses Gremiums schlicht nicht leisten. Für die Vorstandschefs Herbert Hainer (Adidas), Rupert Stadler (Audi), Martin Winterkorn (VW) und Timotheus Höttges (Telekom) ging es auch um die eigene Glaubwürdigkeit. Die Richtlinien ihrer Konzerne sind in ähnlich gelagerten Fällen eindeutig.

Die persönliche Erklärung im Wortlaut:

„Persönliche Erklärung

Nach Gesprächen mit meiner Familie habe ich mich entschlossen, das Urteil des Landgerichts München II in meiner Steuerangelegenheit anzunehmen. Ich habe meine Anwälte beauftragt, nicht dagegen in Revision zu gehen. Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich.

Außerdem lege ich mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München e.V. und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder. Ich möchte damit Schaden vom meinem Verein abwenden. Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben. Ich werde diesem großartigen Verein und seinen Menschen auf andere Weise verbunden bleiben solange ich lebe. Meinen persönlichen Freunden und den Anhängern des FC Bayern München danke ich von Herzen für ihre Unterstützung.

München, 14. März 2014

Uli Hoeneß“

sid/AFP/dpa

Mitgefühl von Daum: Reaktionen aufs Hoeneß-Urteil

Christoph Daum: „Ich denke nur an den Menschen Uli Hoeneß und seine Familie. Ich wünsche ihnen allen viel Kraft. Die werden sie nun brauchen, um diese schwierige Zeit gemeinsam gut durchzustehen. [...] Ich gehe davon aus, dass die akribische juristische Aufarbeitung und die Bewertung seiner Fehler zu diesem Urteil geführt haben,“ so Daum, für den die alte Fehde unwichtig ist. „Das ist für mich völlig unerheblich. Das ist jetzt eine Zäsur im Leben, die man aufarbeiten muss. Dafür wünsche ich ihm alles Gute.“ © dpa
Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): „Die Dimension des gesamten Vorgangs, wie er in den letzten Tagen publik wurde, hat auch uns als DFB überrascht. Die großen Verdienste von Uli Hoeneß für Bayern München und den gesamten deutschen Fußball bleiben unabhängig von diesem Prozess bestehen. Die juristische Beurteilung können in einem solchen Fall aber ausschließlich die Gerichte vornehmen, und da muss für Uli Hoeneß das gleiche Recht wie für jeden anderen gelten.“ © dpa
Reinhard Rauball (Ligapräsident): „Das Gericht hat das Urteil nach einem gründlichen rechtsstaatlichen Verfahren gefällt. Angesichts des Strafrahmens des Gesetzes war eine derart harte Sanktion nicht ausgeschlossen. Im Übrigen liegt es ausschließlich bei den Verantwortlichen des FC Bayern München, die Thematik mit Blick auf den Klub zu bewerten und damit umzugehen. Die Verdienste von Uli Hoeneß um den deutschen Fußball bleiben trotz seines von ihm selbst eingestandenen Fehlverhaltens unberührt.“ © dpa
Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt): „Ich bin traurig. Es tut mir unendlich leid für Uli. Ich habe das Ganze eben im Fersehen verfolgt. Das Strafmaß kann ich nicht beurteilen. Ich war im Vorfeld völlig verunsichert nach den ganzen Prognosen der Experten. Ich glaube aber nicht, dass sich das jetzt negativ auf den Fußball auswirkt.“ © dpa
Michael Meister (r., parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, CDU, zur Rheinischen Post): „Das Urteil gegen Hoeneß wird die Steuermoral der Bürger stärken. Es zeigt, dass es sich nicht lohnt, Steuern zu hinterziehen. Wenn man die strafbefreiende Selbstanzeige wählt, muss man sie ordentlich machen. Wir appellieren an jeden, der glaubt, ein Steuerhinterziehungsproblem zu haben, die Selbstanzeige rechtzeitig und voll umfassend vorzulegen.“ © dpa
Toni Hofreiter (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Grüne im Bundestag in der Rheinischen Post): „Ich halte es für absolut richtig, dass das Urteil so gefallen ist. Es gab weder einen Promi-Bonus noch einen Promi-Malus für Hoeneß. 27 Millionen Euro zu hinterziehen, ist kein Kavaliersdelikt. Hoeneß wird als Bayern-Präsident jetzt zurücktreten müssen.“ © dpa
Eberhard Gienger (ehemaliger Turn-Weltmeister und sportpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion): „Auf der einen Seite dürfte es für Uli Hoeneß eine Erleichterung darstellen, die Thematik vom Leib zu haben. Andererseits musste er damit rechnen, dass es zu Konsequenzen kommt. Und die Konsequenzen sind die dreieinhalb Jahre. Es wird sich jetzt zeigen, ob das Urteil Bestand hat. Wenn es eine `Lex Hoeneß“ gegeben hätte, wäre das eine Unterminierung des Rechts gewesen. Das kann nicht im Sinne des Rechtsstasts sein." © dpa
Renate Künast (Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschuss, Bündnis 90/Grüne): `Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Das Gericht hat seine Aufgabe im Rechtsstaat erfüllt.“ © dpa
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat auf die menschliche Dimension der Verurteilung von Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung hingewiesen. „Ich bin zuallerst menschlich betroffen, weil eine Freiheitsstrafe natürlich für jeden Menschen, und damit auch für Uli Hoeneß, ein gravierender Eingriff ist“, sagte Seehofer am Donnerstag am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. © dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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