Die Lage spitzt sich zu

Uli-Hoeneß-Prozess: So lief der erste Tag

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Uli Hoeneß im Auto beim Verlassen des Justizpalastes in München. Neben ihm Ehefrau Susi.

München - Mit dieser Summe hatte wirklich niemand gerechnet: Der geständige Uli Hoeneß hat nicht wie ihm vorgeworfen 3,5 Millionen Euro, sondern über 18 Millionen Euro an Steuern hinterzogen.

Uli Hoeneß hat gleich zum Auftakt des spektakulären Strafprozesses eine Steuerhinterziehung von gigantischen 18,5 Millionen Euro eingeräumt. Am ersten von vier Verhandlungstagen vor dem Landgericht München II gestand der 62-Jährige damit am Montag einen Betrag, der rund fünfmal so hoch ist wie die von der Staatsanwaltschaft angenommenen 3,5 Millionen Euro. „Ich bin froh, dass jetzt alles auf dem Tisch liegt. Ich werde alles dafür tun, dass dieses für mich bedrückende Ereignis abgeschlossen wird“, betonte Hoeneß.

Uli-Hoeneß-Prozess: Live-Ticker am Tag nach dem Urteil

Der Präsident des FC Bayern München berichtete in einem der wohl außergewöhnlichsten Steuerprozesse in Deutschland von seiner Zockerei an der Börse; er schob Unsummen herum, manchmal rief er nachts bei der Bank an. 50.000 Transaktionen habe er zwischen 2001 und 2010 gehabt. Zwischenzeitlich sei er regelrecht verrückt gewesen und habe die Nerven verloren, bekannte der 62-Jährige. Angesichts der neuen enormen Zahlen scheint sich die Lage für Hoeneß zuzuspitzen. Zentrale Frage aber bleibt: Wie bewertet das Gericht seine Selbstanzeige vom Januar 2013?

"Das wirft ein wirklich dunkles Licht auf diese Selbstanzeige" von Uli Hoeneß

Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, hält nach den neuen Enthüllungen eine Haftstrafe für immer wahrscheinlicher. „Das sind ja gigantische Zahlen. Und das wirft ein wirklich dunkles Licht auf diese Selbstanzeige“, sagte Eigenthaler dem TV-Sender N24. „Ich sehe mittlerweile eine Gefängnisstrafe am Ende des Tunnels“, sagte Eigenthaler. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

Ich habe Steuern hinterzogen. Mir ist bewusst, dass daran auch die Selbstanzeige nichts ändert. Ich habe aber gehofft, mit meiner Selbstanzeige einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen“, erklärte Hoeneß. Im dunklen Anzug und mit weinroter Krawatte gab sich der Macher des FC Bayern in Anwesenheit seiner Ehefrau Susi vor allem reumütig. Doch ob ihm das bei den Zahlen noch hilft?

Dass Hoeneß neue Zahlen auf den Tisch legte, wolle er als Zeichen seiner Geständigkeit verstanden wissen, erläuterte sein Anwalt Hanns W. Feigen. Jetzt dürften die Beträge auch an den weiteren Prozesstagen eine Rolle spielen. Offizieller Bestandteil der Anklage sind sie nicht.

Uli Hoeneß konnte nicht klar sagen, wann er sich zur Selbstanzeige entschloss

Staatsanwalt Achim von Engel warf Hoeneß vor, etwas mehr als 33 Millionen Euro an Kapitalerträgen, Spekulationsgewinnen und sonstige Einkünften verschwiegen zu haben. Damit habe er rund 3,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen (Az: W5 KLs 68 Js 3284/13). Weiterhin habe der Angeschuldigte zu Unrecht Verlustvorträge privater Veräußerungsgeschäfte in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro erhalten, hieß es im Anklagesatz. Damit kann unter dem Strich der steuerpflichtige Betrag aus Veräußerungsgewinnen gedrückt werden.

Insgesamt wird Hoeneß beschuldigt, „durch sieben selbstständige Handlungen gegenüber den Finanzbehörden unrichtige oder unvollständige Angaben gemacht und dadurch Steuern verkürzt zu haben“, heißt es in der Anklageschrift. Es geht um Delikte zwischen 2003 und 2009. Dazu kommen die selbst aufgeworfenen Vergehen in Millionenhöhe. Richter Rupert Heindl wollte wissen: „Ab wann haben Sie entschieden, dass sie steuerehrlich werden wollen?“. Die Antwort blieb unklar.

Uli Hoeneß musste minutenlang Blitzlichtgewitter standhalten

Der Medienandrang war am Montag beim ersten von vier angesetzten Verhandlungstagen groß. 14 Monate nach seiner Selbstanzeige nahm Hoeneß pünktlich um 9.30 Uhr im Münchner Justizpalast auf der Anklagebank Platz. Minutenlang hielt er zuvor gefasst dem Blitzlichtgewitter der Fotografen stand. Seine Ehefrau Susi verfolgte den Prozess von der ersten Reihe aus.

Ein Stuttgarter Steuerbeamter sagte als Zeuge, er habe bereits 2012 einen Hinweis bekommen. Ein Journalist habe sich mit Fragen gemeldet. Dem Journalisten habe jemand mit der Aussage gefehlt, dass ein Schweizer Nummernkonto dem FC Bayern gehöre. Andererseits seien die Angaben zu vage gewesen, um sie weiter zu verfolgen. Der Journalist habe auch die Nummer des Kontos nicht herausgeben wollen.

Stimmen aus dem Münchner Justizpalast

„Der Name Hoeneß, das kann ich definitiv sagen, ist zu keinem Zeitpunkt gefallen.“ Er habe seine Münchner Kollegen informiert. Der dort damit betraute Steuerbeamte habe nach „Ausschlussverfahren“ vermutet, dass es sich um Uli Hoeneß handeln könnte. Er habe am 17. Januar 2013 einen Aktenvermerk geschrieben - am Morgen dieses Tages war bereits die Selbstanzeige eingegangen. Der dritte Zeuge wollte nicht vernommen werden, es wurde eine frühere Vernehmung verlesen.

Im Fokus des Tages standen aber Hoeneß' Ausführungen. Eine gute halbe Stunde nach Verhandlungsbeginn setzte Hoeneß seine Brille auf und las von seinem Manuskript. „Hohes Gericht, die mir in der Anklage zur Last gelegten Steuerstraftaten habe ich begangen“, sagte er. „Ich bin aber kein Sozialschmarotzer, ich habe 5 Millionen an soziale Einrichtungen gegeben, 50 Millionen Steuern gezahlt. Ich will damit nicht angeben, ich will nur reinen Tisch machen.“ Zehn Millionen Euro hat er schon beim Finanzamt hinterlegt, zur Aussetzung seines Haftbefehls 5 Millionen Euro gezahlt.

Uli Hoeneß vor Gericht: Bilder

Uli Hoeneß vor Gericht: Bilder

Nach Monaten mit Spekulationen in den Medien über angeblich hohe Millionensummen auf geheimen Schweizer Konten kamen damit Fakten und Zahlen auf den Tisch. Vom Jahr 2001 an unterhielt Hoeneß ein Konto, von 2004 an waren es zwei Konten. Dort seien im „beträchtlichen Umfang Spekulationsgeschäfte, vor allem Devisentermingeschäfte, abgewickelt“ worden, so die Staatsanwaltschaft. Hoeneß räumte ein, an der Börse gezockt zu haben. Er habe dabei nicht wirklich einen Überblick über Gewinne und Verluste gehabt, sagte er. Das könne geschehen, „wenn man zockt und verrückt ist wie ich es damals war“.

Auch beim FC Bayern wird gespannt auf den Prozess geschaut. „Das Beste, Uli zu helfen, ist, das Spiel zu gewinnen“, sagte Trainer Pep Guardiola am Montag. Hoeneß ist nicht nur Präsident des größten und mächtigsten deutschen Sportvereins. Er ist auch Vorsitzender des mit prominenten deutschen Wirtschaftsführern besetzten Aufsichtsrates der FC Bayern München AG.

dpa

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