Ein Jahr danach

Was machen eigentlich die Protagonisten aus dem Uli-Hoeneß-Prozess?

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Uli Hoeneß (63) ist seit dem 2. Januar 2015 Freigänger.

München - Am 13. März 2014, genau heute vor einem Jahr, fiel das Urteil im Uli-Hoeneß-Prozess. Die tz hat sich umgehört, was inzwischen aus den Protagonisten geworden ist. Der große Report:

Es war die härteste Zeit seines Lebens: Heute vor einem Jahr fiel das Urteil gegen Uli Hoeneß (63). Wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro verknackte ihn das Landgericht München II zu drei Jahren und sechs Monaten Haft. Seitdem hat sich sein Leben komplett verändert! Im Juni rückte der Ex-Bayern-Boss in die JVA Landsberg ein, seit Januar ist er Freigänger. Wie es Hoeneß heute geht – und was seit dem Urteil bei den wichtigsten Protagonisten des Prozesses passiert ist: Lesen Sie alle Details im großen tz-Report.

Andreas Thieme

... Uli Hoeneß?

Früher, als Uli Hoeneß (63) ein mächtiger Mann war, da ließ er sich an Zahlen messen: Am Umsatz des FC Bayern, den vielen Titeln, Millionen Fans und dem Gewinn, den seine Wurstfabrik abwarf. Seit einem Jahr bestimmen die Zahlen nun über ihn selbst. 28,5 Millionen: die Höhe der Steuern, die er hinterzogen hat. Drei Jahre und sechs Monate: die Haft, die er verbüßen muss. Acht Quadratmeter: die Größe seiner Zelle. Und sieben Monate: die Zeit, die er tatsächlich im Knast eingeschlossen war. Der 2. Januar markierte für Hoeneß nun eine Zäsur: Er darf als Freigänger wieder beim FC Bayern arbeiten, muss nur abends zum Schlafen in den Knast nach Rothenfeld bei Andechs. Von hier fährt ihn ein Chaffeur täglich an die Säbener Straße. „Es war sein eigener Wunsch, im Nachwuchsbereich zu arbeiten“, sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge über Uli Hoeneß. „Alle freuen sich, dass er wieder da ist.“

Zumindest im Berufsleben ist Hoeneß wieder angekommen. Die härteste Zeit hat er hinter sich. Und wieder beschreibt eine Zahl diese Veränderung: 20 Kilogramm Körpergewicht soll Hoeneß mittlerweile verloren haben. Im tz-Interview bestätigte Rummenigge schmunzelnd: „Er kann die alten Sakkos jetzt wieder anziehen.“ Hoeneß’ Gehalt bleibt bislang geheim. Im Knast verdiente er für seine Tätigkeit in der Kleiderkammer nur 1,12 Euro pro Stunde.

Seine weiteren Hafterleichterungen richten sich nach dem Vollzugsplan. Führt Hoeneß sich wie bisher vorbildlich, kann die Justiz die Hälfte seiner Haftstrafe zur Bewährung aussetzen. In dem Fall könnte Hoeneß bereits in einem Jahr das Gefängnis komplett verlassen und wieder bei seiner Familie an Tegernsee leben. Nur zwei Jahre, nachdem das Gerichtsurteil sein Leben verändert hatte!

... der Richter?

Richter Rupert Heindl (47).

Rupert Heindl (47) sprach das Urteil gegen Uli Hoeneß. Der Richter ist Vorsitzender der 5. Strafkammer. „Vom medialen Interesse war dieser Prozess sein größter Fall. Vom Umfang des Verfahrens und dem Tatvorwurf her aber nicht“, sagt Gerichtssprecherin Andrea Titz. Denn seit nahezu einem Jahr verhandelt Heindl gegen die Verantwortlichen eines Abfallbeseitigungsunternehmen. Und spricht auch harte Urteile! Sekthändler Wolfgang Z. (79), der Steuern hinterzog, schickte Heindl trotz dessen Alters zwei Jahre und neun Monate in den Knast.

... der Staatsanwalt?

Staatsanwalt Achim von Engel (41).

Er war Hoeneß’ größter Gegner: Staatsanwalt Achim von Engel (41). Im Prozess hatte er sogar fünf Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Der frühere Amtsrichter gilt als Experte für Wirtschafts- und Steuerkriminalität. Seit 2009 ist von Engel Gruppenleiter bei der Staatsanwaltschaft München II. „Im vergangenen Jahr hat er sich überwiegend auf Ermittlungstätigkeiten konzentriert“, sagt Sprecher Ken Heidenreich. Immer wieder jagt er auch Promis. Aktuell soll er Christine und Hubert Haderthauer wegen Steuerhinterhiehung auf den Fersen sein.

... der Verteidiger?

Der Rechtsanwalt Hanns Feigen verteidigte Uli Hoeneß vor Gericht.

Deutsche Bank. Kirch. Porsche. Rechtsanwalt Hanns Feigen (65) verteidigt die großen Namen. Im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß hatte er die Einstellung des Verfahrens oder eine milde Freiheitsstrafe gefordert – beides misslang. Feigen verteidigt bis heute auch Unternehmen und Banken.

Das Jahr im Zeitraffer

  • 14. März 2014: Einen Tag nach dem Urteil akzeptiert Hoeneß seine Haftstrafe im Steuer-Prozess. Er verzichtet auf Revision und legt seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Bayern nieder.
  • 2. Mai 2014: Letzter Auftritt vor der Haft: Bei der Jahreshauptversammlung kündigt Hoeneß sein Comeback an. Er sagt: „Das war’s noch nicht.“
  • 10. Mai 2014: Ex-Häftling Thomas S. (51) versucht, Hoeneß per Brief zu erpressen und fordert 215 000 Euro. Die Polizei nimmt den Täter bei einer fingierten Geldübergabe fest.
  • 2. Juni 2014: Haftantritt in der JVA Landsberg. Hoeneß wird auf der Krankenstation untergebracht, teilt dort die Zelle mit Ex-Frauenarzt Christian K. („Dr. Kalaschnikow“).
  • 21. Juli 2014: Hoeneß hat Herzprobleme. Für vier Tage wird er in eine Klinik am Starnberger See verlegt.
  • 20. September 2014: Der erste Knast-Ausgang! Frau Susi und Sohn Florian holen ihn ab.
  • 30. Oktober 2014: Das Landgericht veröffentlicht das Hoeneß-Urteil. Es umfasst 50 Seiten.
  • 16. Dezember 2014: Hoeneß-Erpresser Thomas S. wird zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
  • 24. Dezember 2014: An Heiligabend darf Hoeneß zum ersten Mal zuhause bei seiner Familie übernachten. Zwei Tage dauert der Hafturlaub.
  • 2. Januar 2015: Endlich Freigänger! Sieben Monate nach Haftantritt wird sein Vollzug gelockert. Hoeneß wechselt in die Außenstelle Rothenfeld und beginnt seinen Job beim FC Bayern.
  • 5. Januar 2015: Bei Käfer feiert Hoeneß mit Freunden seinen 63. Geburtstag. Offiziell hat er Hafturlaub.
  • 4. Februar 2015: Hoeneß besucht das Training an der Säbener Straße: Deutlich schlanker zeigt er sich erstmals wieder den Bayern-Fans.
  • 13. Februar 2015: Gereizte Stimmung im Hoeneß-Knast: JVA-Chefin Monika Groß bestätigt, dass die Häftlinge sich beschwert haben. Hintergrund: Der Hafturlaub wurde um zwei Stunden nach hinten verlegt.
  • 13. März 2015: Das Hoeneß-Urteil jährt sich zum ersten Mal.

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