Die spannendsten Fakten aus dem Urteil

Hoeneß zockte mit 150 Millionen Dollar

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Uli Hoeneß.

München - Drei Jahre und sechs Monate wegen Steuerhinterziehung! Das Urteil gegen Uli Hoeneß ist bekannt, am Donnerstag veröffentlichte das Landgericht München II seine Begründung.

Auf 50 Seiten wird ausführlich erklärt, wie Hoeneß zum Kriminellen wurde, wie seine Deals aussahen, wie die Selbstanzeige schieflief und wer Hoeneß letztlich zu Fall brachte. Die tz nennt die spannendsten Fakten:

Die geheimen Konten: Laut dem Landgericht eröffnete Hoeneß am 31.7.1975 ein Konto in Zürich, daneben unterhielt er weitere Depots in München und der Schweiz. Seit den 1990er-Jahren spekulierte er mit Devisen. Erträge investierte er in Aktien. Ende der 90er erlitt er im Zuge des Zusammenbruch des Neuen Marktes aber herbe Verluste und war kurzfristig auf Fremdkapital angewiesen. Sein Freund Robert Dreyfus, Ex-Chef von adidas, gewährte ihm ein Darlehen über fünf Millionen D-Mark und Garantien in Höhe von 15 Millionen DM. Damit konnte Hoeneß weiter spekulieren.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Die heftigsten Deals: Für seine Deals musste Hoeneß den Betrag des Geschäfts hinterlegen: Bei der Dauer von einem Monat betrugen die Sicherheit 25 Millionen Euro, damit er Geschäfte in Höhe von 500 Millionen Euro tätigen konnte. Als heftigste Deals nennt das Gericht ein Währungsgeschäft über 150 000 000 Dollar im Jahr 2002, bei dem Hoeneß exakt 2 834 900 Euro einnahm. Ein Jahr später spekulierte er mit 90 000 000 Euro und gewann dabei 11 100 000 Euro. 2005 sahnte Hoeneß im großen Stil ab und nahm über das Jahr verteilt 46 009 288,25 Euro ein.

Der Krimi um die Selbstanzeige: Laut Urteil verschwieg Hoeneß Einkünfte aus Kapitalerträgen und privaten Veräußerungsgeschäften – im Jahr 2003 zum Beispiel 14 934 493,49 Euro (siehe Tabelle). Er wusste, dass „eine wirksame strafbefreiende Selbstanzeige nach deutschem Recht der einzige gesicherte Weg in die Straffreiheit wäre“, nachdem das Steuerabkommen mit der Schweiz gescheitert war. Hoeneß „trug sich mit dem Gedanken“, tat aber nichts. Am 15. Januar 2013 informiert ihn ein Bank-Mitarbeiter über die Recherchen des Magazin stern. „Diese Nachricht erschreckte den Angeklagten“, so das Gericht. Am selben Abend bestellt Hoeneß seinen Steuerberater und einen pensionierten Steuerfahnder ein. Tags drauf besorgen sie die Unterlagen von der Bank, während der erste Stern-Artikel – ohne den Namen Hoeneß zu nennen – online erscheint. Das Problem: Sie erhalten nur nach Konten getrennte Aufstellungen, die das Vermögen zum Schluss des Vorjahres, den Saldo der Ein- und Ausgänge, die bezahlte Quellensteuer sowie das Vermögen zum Jahresschluss und den Gesamterfolg enthalten. Die Einzelbelege im Zeitraum 2001 bis 2012 fehlen! Deshalb ist die Selbstanzeige, die am 17. Januar 2013 eingereicht wird, laut Gericht „unwirksam“. Erst am 5. März übergibt Hoeneß in Form von USB-Sticks die letzten Unterlagen.

Wer ihn zu Fall brachte: Die Rosenheimer Steuerbeamtin R. sichtet die 52 000 Belege und Kontoaufstellungen. Sie weist Hoeneß „tatsächliche Vermögensmehrungen“ durch die Devisentermingeschäfte nach. Aber: Laut Gericht hat Hoeneß sich durch seine „überstürzte“ Selbstanzeige und die spätere „rückhaltlose Kooperation“ letztlich selbst „ans Messer geliefert“. Denn die Ermittlungen wären „voraussichtlich nicht mit einem vergleichbaren Erfolg geführt worden.“ Den Steuerschaden von rund 30 Millionen Euro zuzüglich Zinsen hat Hoeneß mittlerweile vollständig behoben.

Die Strafen für seine Einzeltaten

Da Hoeneß sich mit seiner missglückten Selbstanzeige selbst „ans Messer lieferte“ und danach uneingeschränkt mit den Ermitteln kooperierte, erhielt er als Urteil 3,5 Jahre Haft. Die Beamten verfolgten die Jahre 2003 bis 2009 (S. 49 des Urteils). Das Gericht ermittelte am Ende Einzelstrafen und packte auf die höchste von 2 Jahren, 6 Monaten (2005) noch ein Jahr drauf, um die Gesamtstrafe festzusetzen. Das ist in Steuer-Strafprozessen üblich.

Jahr Steuerhinterziehung Strafe
2003 14 934 493,49 € 2 Jahre und 6 Monate Freiheitsstrafe
2004 142 151 30 € 6 Monate Freiheitsstrafe
2005 10 749 872,65 € 2 Jahre und 6 Monate Freiheitsstrafe
2006 323 750,72 € 7 Monate Freiheitsstrafe
2007 1 149 174,90 € 1 Jahre und 3 Monate Freiheitsstrafe
2008 894 486,47 € 1 Jahre und 3 Monate Freiheitsstrafe
2009 268 301,67 € 7 Monate Freiheitsstrafe

Weihnachten mit Susi?

Trotz seiner Verurteilung zu 3 Jahren und 6 Monaten darf Uli Hoeneß schon bald auf bessere Zeiten hoffen. Und das hat nichts mit einem Promi-Bonus zu tun, sondern mit den Statuten der bayerischen Justizvollzugsordnung: Wegen seiner günstigen Sozialprognose (fester Wohnsitz, keine Vorstrafen) kann Hoeneß nach sechs Monaten auf Freigang hoffen. Sprich: Er arbeitet tagsüber beim FC Bayern (angedacht ist die Jugendabteilung) und muss nur nachts ins Freigängerhaus (wahrscheinlich Rothenfeld). Ab Dezember könnte es auch mit dem ersten Hafturlaub klappen – und somit könnte er Weihnachten daheim am Tegernsee feiern. Hält sich Hoeneß schadlos, könnte er schon zur Jahreswende 2015/16 endgültig freikommen.

Andreas Thieme

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