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Beerdigung von Bayern-Trompeter Manni - auch Hoeneß erweist ihm letzte Ehre

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Von: José Carlos Menzel López

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Ergriffen: Bayerns Fanbeauftragter Raimond Aumann (l.) und Präsident Uli Hoeneß erweisen Trompeter Manni (kl. Foto) die letzte Ehre.
Ergriffen: Bayerns Fanbeauftragter Raimond Aumann (l.) und Präsident Uli Hoeneß erweisen Trompeter Manni (kl. Foto) die letzte Ehre. © Hangen, fkn

Manfred Rögelein war ein Unikat beim FC Bayern - mit seiner Trompete sorgte er bei Heimspielen jahrzehntelang für Stimmung. Bei seiner Beerdigung ist sogar Uli Hoeneß dabei.

München - Friedhöfe sind in der Regel wenig farbenfrohe Orte, der Münchner Nordfriedhof bildete am Mittwoch jedoch die Ausnahme. Über hundert Fans des FC Bayern waren zur Ruhestätte an der Ungererstraße gepilgert, um sie für ihren Manni in Rot und Weiß zu tauchen und jenem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der dem Olympiastadion und später der Allianz Arena ihren eigenen Klang verliehen hatte. Denn mit Manfred Rögelein (†58) geht nicht nur der Inbegriff eines Roten, sondern auch die Trompete der Südkurve.

Seine Töne schallen bereits seit acht Jahren nicht mehr durch das Fröttmaninger Rund. Nach einer Hüft-OP im Jahr 2010 war der gebürtige Düsseldorfer auf einen Rollstuhl angewiesen, die Zeiten auf der Stehplatztribüne damit passé. Dass die Trompete heute, acht Jahre später, samt schwarzer Trauerschleife in der Erlebniswelt ausgestellt ist, liegt an einer degenerativen Erkrankung des Gehirns, die Manni Anfang Juli besiegte.

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Ständiger Begleiter von Manfred Rögelein: Mit dieser Trompete sorgte der Bayern-Fan für Stimmung.
Ständiger Begleiter von Manfred Rögelein: Mit dieser Trompete sorgte der Bayern-Fan für Stimmung. © fkn

Trompetespielen selbst beigebracht

Was bleibt, ist seine Leidenschaft. Die Liebe zum FC Bayern, die ihn in den Siebzigerjahren nach München zog. Unter der Woche trainierte er die Junioren des SV Gartenstadt-Trudering, am Wochenende stand er in der Südkurve. Allzu sehr sagte ihm die Stimmung damals jedoch nicht zu - die instrumentale Besetzung der Kurve beschränkte sich damals auf ein Jagdhorn, weshalb Rögelein zur Selbsthilfe griff. Er besorgte sich eine Trompete, brachte sich das Spielen selbst bei und gab seitdem den Ton an.

Dieselben Töne - schrill, aber bestimmt - schallten am Mittwoch ein letztes Mal durch die Aussegnungshalle des Nordfriedhofs. Selbst der befreundete Pfarrer warf seinen Bayernschal um und sang das Lied, das Mannis Wesen wohl am besten beschrieb: Beckenbauers Schlager „Gute Freunde kann niemand trennen“. Selbst bei hartgesottenen Fans floss die ein oder andere Träne, den Grund dazu lieferte der Pfarrer in gereimter Form: „Er hat in 30 Jahren kein Spiel der Bayern ausgelassen. Es wäre ihm Sünde gewesen, ein Spiel zu verpassen. Manni hat damals Innovatives begonnen und mit Trompetenklängen das Herz der Bayernfans gewonnen. Mit Versen und Texten hat er die Stimmung gehoben und die Fans zu einer Gemeinde verwoben.“

In stiller Andacht: Zahlreiche Bayern-Fans waren auf den Nordfriedhof gekommen.
In stiller Andacht: Zahlreiche Bayern-Fans waren auf den Nordfriedhof gekommen. © Hangen

Hoeneß lobt: „Er hat einen großen Beitrag geleistet“

Ebenfalls vor Ort: Uli Hoeneß. Der Präsident des FCB wollte Rögelein das letzte Geleit geben und erklärte der tz hernach, warum die Fankultur des Klubs ohne den Trompeten-Mann eine andere wäre. „Manni und seine Trompete waren schon im Olympiastadion wesentlicher Bestandteil. Wenn die mal wieder kaputt war, haben wir auch ausgeholfen“, erinnerte sich Hoeneß. „Er hat einen großen Beitrag geleistet. Im Olympiastadion war ja nicht viel los, da hat er auch für die Stimmung gesorgt.“

Und er war bis zuletzt vor Ort. Mitglieder der Fanvereinigung Club Nr. 12 holten Rögelein regelmäßig vom betreuten Wohnheim ab und brachten ihn zu den Spielen seiner heiß geliebten Amateure. Mannis letzter Wunsch sollte ihm jedoch verwehrt bleiben. Er wollte noch ein letztes Mal in der Südkurve sein. Sollte nicht sein. Dafür kam die Südkurve an seinem letzten Tag zu ihm.

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José Carlos Menzel López

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