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Hoeneß verteidigte Kovac auf Wut-PK „bis aufs Blut“ - warum er jetzt vom Trainer abrückt

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Von: Marcus Giebel

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Meldet sich nach dem Düsseldorf-Spiel zu Wort: Uli Hoeneß zählt Trainer und Spieler des FC Bayern an.
Meldet sich nach dem Düsseldorf-Spiel zu Wort: Uli Hoeneß zählt Trainer und Spieler des FC Bayern an. © picture alliance/dpa / Swen Pförtner

Bislang war Niko Kovac für Uli Hoeneß unantastbar. Doch das scheint sich geändert zu haben. Denn mit seinen Ansagen nach dem Spiel gegen Düsseldorf zählt der Bayern-Präsident Spieler und Trainer an.

München - Der Auftritt von Uli Hoeneß im Bauch der Allianz Arena vor den wartenden Journalisten war bemerkenswert. Mindestens so sehr wie die forsche Darbietung von Fortuna Düsseldorf beim 3:3 gegen den FC Bayern. Denn das Oberhaupt der Roten wirkte aufgeräumt wie selten zuvor nach einem Rückschlag seines Klubs. Dabei habe er beim Last-Minute-Ausgleich durch Dodi Lukebakio „gedacht, die Welt geht unter“, gestand der 66-Jährige.

Doch die Fragen der Reporter beantwortete er in ungewohnt ruhiger und sachlicher Art. Fast so, als habe er mit diesem spontanen Termin gerechnet. Immerhin stellte sich Hoeneß als Einziger der drei sportlichen Entscheider - weder Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge noch Sportdirektor Hasan Salihamidzic äußerten sich im Nachgang der Partie öffentlich.

FC Bayern München: Kein Rundumschlag von Uli Hoeneß - aber Kovac wird angezählt

Der geknickt und ratlos wirkende Hoeneß stellte sich. Und fand wie immer klare Worte - nur eben in einem ganz anderen Tonfall als üblich. Er holte nicht zum Rundumschlag aus, zählte Spieler und Trainer Niko Kovac aber mehr als deutlich an. Ohne einzelne Profis an den Pranger zu stellen, monierte der Präsident „dilettantische Fehler“ beim ersten Gegentor, die er nur aus „Slapstick-Filmen“ kenne. Es sei „hanebüchen, was da passiert ist“.

Soweit dürften sich nur die hoch bezahlten Profi angesprochen gefühlt haben. Über die hatte Hoeneß schon auf der längst legendären Pressebeschimpfungskonferenz gesagt, dass die Bosse „kritisch mit ihnen umgehen“ würden. Dass dies angesichts von Rummenigges damaligen Verweises auf den Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) und Hoeneß‘ Schimpftirade auf die Medien nun mit der aktuellen Wortwahl geschah, dürfte nicht nur im Mannschaftskreis für Verwunderung gesorgt haben.

FC Bayern München: Uli Hoeneß von Spielweise überrascht

So schnell scheint es vorbei zu sein mit der viel gepriesenen Wagenburg-Taktik nach dem Motto „Wir hier drin, ihr da draußen“. Noch mehr Rätsel gaben allerdings Hoeneß' samstägliche Einlassungen zu Kovac auf. Er habe als Zuschauer „das Gefühl, dass die Mannschaft total verunsichert ist“ und „dass man bei jedem Angriff gefährdet ist, ein Gegentor zu kriegen“. Deutlicher könnte Hoeneß den Trainer kaum angreifen.

Dabei hatte er sich Anfang Oktober trotz vier Partien am Stück ohne Sieg noch unmissverständlich zum Kroaten bekannt. „Ich werde ihn verteidigen bis aufs Blut“, betonte Hoeneß damals, in der Süddeutschen Zeitung ließ er wissen, er stehe „wie eine Eins“ zum Coach - „egal was in den nächsten Wochen passieren wird“. Mit der Entwicklung seither - zuletzt gab es nur einen Sieg aus vier Pflichtspielen - hatte der Big Boss zu der Zeit wohl nicht annähernd gerechnet.

Uli Hoeneß wirft Mannschaft „schlechten, uninspirierten Fußball ohne Selbstvertrauen“ vor

Und so könnte in Sachen Trainerzukunft schon bald gelten: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Immerhin warf Hoeneß der Mannschaft auch vor, „dass wir sehr schlechten Fußball spielen, einen uninspirierten Fußball spielen und vor allem einen Fußball ohne Selbstvertrauen spielen“. Patsch, Patsch, Patsch - drei Watschn, die jedem einzelnen der Roten extrem wehtun müssen.

Auch diese Einlassungen gingen selbstredend genauso an die Adresse von Kovac. Der 47-Jährige scheint den Kredit bei den Bossen schnell verspielt zu haben. Auch deshalb war Hoeneß' Auftritt nach der Schmach gegen Düsseldorf so bemerkenswert. Er griff niemanden direkt an. Aber er verdeutlichte mit der Schimpftirade, dass sein Geduldsfaden bereits extremst porös ist und zu reißen droht.

So sind auch diese Sätze zu verstehen: „Wir können nicht sagen, es wird schon werden. Das ist nie Position des FC Bayern gewesen.“ Denn - und das war schon immer so - der Verein steht für Hoeneß über allem. Wenn die Ziele aus den Fingern zu rinnen drohen, wird gehandelt.

Steht in der Kritik: Bayern-Trainer Niko Kovac muss jetzt mehr denn je liefern.
Steht in der Kritik: Bayern-Trainer Niko Kovac muss jetzt mehr denn je liefern. © MIS / Bernd Feil/M.i.S.

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mg

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