Das sagen Sportjournalisten

Umfrage in Europa: Wer packt diese Bayern?

München - In Deutschland ist kein Kraut gegen den FC Bayern gewachsen, Lahm & Co. grasen nahezu in jedem Stadion die Punkte ab. In der Champions League ist es ähnlich. Doch wie sieht man denn den FCB in Europa? Wir haben gefragt!

In Deutschland ist kein Kraut gegen den FC Bayern gewachsen, Lahm & Co. grasen nahezu in jedem Stadion die Punkte ab. In der Champions League wird es immer ähnlicher: der AS Rom versucht es nach 1:7-Klatsche von vor zwei Wochen heute noch mal gegen den FCB. Wie sieht man diese Entwicklung in den stärksten Ligen Europas? Die Umfrage der tz!

Die Befragten: 

- Moisés ­Lllorens, ­Experte für den FC Barcelona bei der Tageszeitung As. Er begleitet die derzeit strauchelnden Katalanen seit Jahren durch Europa.

- Antony Kastrinakis ist Fußball-Korrespondent bei der Sun in London und berichtet von August bis Mai aus den Fußballstadien in ganz Europa.

- Marco ­Degli’ Innocenti  hat fast 15 Jahre lang für die Gazzetta dello Sport aus Deutschland berichtet. Heute berichtet er als Autor für La Stampa.

- Alexis Menuge berichtet für die französische Sportzeitung L’Equipe vom deutschen Fußball. Er ist zudem Autor der Biografie von Franck Ribéry.

Verbreitet die Dominanz des FCB Angst in Europa?

Moisés Llorens: Ja und Nein. Hierzulande wartet man erst einmal ab, was passiert, wenn die Bayern in der Champions League auf eine spanische Mannschaft treffen. ­Immerhin kommen aus ­unserer Liga die beiden Champions-League-Finalisten Real und Atlético Madrid.

Antony Kastrinakis: Angst ist das falsche Wort. Natürlich gibt es eine gewisse Bewunderung für das, was Bayern leistet. Aber wenn du zu Hause 4:0 gegen Real verlierst, dann bleibt das bei den Menschen im Ausland relativ lange im Kopf – vor allem bei denen, die die Bundesliga nicht so verfolgen!

Bayern-Stars im Training vor Rom-Rückspiel

Bayern-Stars im Training vor Rom-Rückspiel

Marco Degli’ Innocenti: Die Bewunderung und der Respekt vor dem FC Bayern München sind sehr groß in Italien – natürlich auch wegen des Hinspiel-Ergebnisses in Rom. In Italien herrscht praktisch Einigkeit darüber, dass Bayern derzeit die stärkste Mannschaft Europas besitzt.

Alexis Menuge: Unsere gestrige Titelseite war mit der Schlagzeile Die Unbezwingbaren überschrieben, dabei ging es neben Bayern aber auch noch um Paris und Chelsea. Was Bayern vielleicht noch von den anderen beiden Teams unterscheidet: Sie geben niemals nach! Das ist beeindruckend.

Wer kann die Roten in der Champions League stoppen?

Moisés Llorens: Bayern hat aus dem Halbfinale in der Vorsaison gelernt, als sie ja gegen Real Madrid rausgeflogen sind. Mit der Mentalität von Guardiola ist das tatsächlich ein Anwärter auf den Champions-League-Sieg.

Antony Kastrinakis: In Europa können nur Real Madrid und der FC Chelsea etwas gegen Bayern ausrichten. Sonst niemand, nicht einmal der FC Barcelona!

Marco Degli’ Innocenti: Das ist schwer zu sagen, die Champions League ist ja immer so eine Sache für sich! Im Moment ist es nicht möglich, ein Mittel gegen sie zu finden, aber ab der nächsten Runde ändert sich das. Dann greifen vielleicht die spanischen Kandidaten ein, Real zum Beispiel kann Bayern packen.

Alexis Menuge: Paris ist noch nicht so weit, trotz vieler herausragender Einzelspieler. Auch Real sehe ich da nicht, sie waren zu schnell zu gut und werden wieder abfallen – auch weil ihre Abwehr nicht optimal ist! Wenn, dann wird Chelsea Bayern aufhalten. Der Faktor Mourinho ist entscheidend.

Mit welchem Fußball sind Robben & Co. zu bremsen?

Moisés Llorens: Entweder offensiv – so wie Real Madrid in der ­vergangenen Saison. Oder destruktiv – so wie es ­Chelsea mit Mourinho kann. Ganz wichtig ist: Der Respekt, den viele vor den Bayern haben, ist okay, aber diese Angst nicht. Man sollte das 7:1 gegen die Roma nicht überbewerten.

Antony Kastrinakis: Man muss sie mit viel Tempo anlaufen, bevor sie über die Mittellinie kommen! Und man muss verstehen, wie Robben und Müller über die Außen in die Mitte ziehen und mit hohem Tempo ins Kurzpassspiel kommen. Über rechts verursachen sie den größten Schaden.

Marco Degli’ Innocenti: Es ist extrem wichtig, die Geschwindigkeit der Bayern zu halten und ihr Tempo mitzugehen. Man muss es mit Pressing versuchen und ständig auf ihrer Höhe bleiben. Eine italienische Mannschaft wäre dazu zurzeit allerdings wohl nicht in der Lage.

Alexis Menuge: Man muss auftreten wie Dortmund in der ersten Halbzeit. Unangenehm pressen, Spieleröffner Alon­so zustellen, das ist ein wichtiger Schritt. Darüber hinaus muss man flexibel sein, seine Taktik während des Spiels umstellen können. Dortmund zum Beispiel hatte keinen Plan B.

Wie nimmt Europa den Rest der Liga hinter Bayern wahr?

Moisés Llorens: Dass Dortmund so weit hinter die Bayern zurückgefallen ist, verwundert. Generell kann man sagen, dass der Respekt für die Bundesliga hierzulande sehr groß ist, schließlich kann man viele der Spiele auch hier im Fernsehen verfolgen.

Antony Kastrinakis: In England genießt neben Bayern auch die gesamte Bundesliga hohes Ansehen. Obwohl bei einigen Experten das Gefühl aufkommt, dass es dem nationalen Wettbewerb nicht guttut, wie Bayern sich gegenüber Dortmund verhält und seinen Konkurrenten von der Spitze mobbt.

Marco Degli’ Innocenti: Die Bundesliga genießt ein hohes Ansehen – aber Bundesliga ist bei meinen Landsleuten auch immer gleich Bayern München! Natürlich hat Dortmund Beachtung gefunden in der letzten Zeit, aber andere Mannschaften aus Deutschland sind eher wenig bekannt.

Alexis Menuge: In Frankreich macht derzeit auch Schalke mit di Matteo auf sich aufmerksam, zudem berichten alleine wir mit zwei bis drei Geschichten pro Woche über Dortmund – früher gab es dieses Programm auf ein ganzes Jahr gesehen! Die Franzosen wissen um die Stärke der Bundesliga.

mic

Rubriklistenbild: © AFP

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