US-Entertainer Bill Cosby verurteilt - drei bis zehn Jahre Haft

US-Entertainer Bill Cosby verurteilt - drei bis zehn Jahre Haft

Vor dem USA-Spiel

Lähmt Lahm-Debatte die DFB-Elf?

+
Diskussionsbedarf: Löw und sein schwächelnder Kapitän Lahm.

München - Die Diskussion um Philipp Lahm dominiert vor dem Spiel gegen die USA Fußballdeutschland. Michael Ballack fordert: Lahm soll zurück in die Abwehr. Lähmt die Debatte die DFB-Kicker?

Die deutsche Mannschaft ist auf dem Sprung Richtung Achtelfinale, nur noch ein Spiel fehlt zum Schritt in die heiße K.-o-Phase. Endlich wird es ernst, alle fiebern mit Jogis Jungs! Sollten sie zumindest. Doch plötzlich gibt es eine Diskussion um einen Spieler, der bislang jenseits jeder Kritik agierte, der als Mr. Zuverlässig galt, der überall auf dem Platz fehlerfrei sein Spiel spielte: Philipp Lahm.

Ausgerechnet der Kapitän des FC Bayern und der DFB-Elf leistete sich zuletzt echte Patzer in der Zentrale und steht auf einmal im Fokus – vor allem in dem von Michael Ballack. In seiner tz-Kolumne forderte der Ex-Capitano: Lahm muss zurück in die Abwehr! Und: Lahm agiert egoistisch, weil er weiß: Im Mittelfeld kann er noch drei bis vier Jahre auf hohem Niveau spielen, als Außenverteidiger ist er bald verschlissen. Vor dem wichtigen USA-Spiel hat sich längst die Lahm-Debatte in Gang gesetzt, Fußballdeutschland ist gelähmt!

Das nervt echte Fußball-Fans bei der WM

Die Fußball-WM in Brasilien ist sicher nicht ohne Probleme. Die sozialen Missstände in Brasilien, die Proteste der Menschen dagegen, die Diskussionen um Korruption im Weltfußballverband FIFA - alles zurecht ausführlich diskutiert und immer wieder analysiert. Dagegen macht der Fußball richtig Spaß. Fans können sich fast rundum freuen und gar nicht genug bekommen, wenn da nicht einige Kleinigkeiten wären, die den WM-Dauergucker ganz schön nerven können. Eine kleine, unvollständige Liste der WM-Nervereien. © picture alliance / dpa
CORAÇÃO: Es ist wie ein Virus: Sobald ein (brasilianischer) Fan von einer Kamera eingefangen wird, formt er ein Coração (Herz) mit seinen Händen und hält es lachend der globalen Zuschauerschaft entgegen. Immer. Sogar der belgische Torschütze Dries Mertens ließ sich davon anstecken und zeigte nach seinem 2:1-Siegtreffer gegen Algerien das Lena-Meyer-Landrut-Herz in die Runde. Und genau da liegt das Problem: Beim Eurovision Song Contest nimmt man diese Ich-habe-Euch-alle-lieb-Geste gerne hin, ja sie gehört bei diesem Halli-Galli-Spaßfest sogar fest dazu. Aber bei einer ernsten Sache wie Fußball in einem vor Testosteron überlaufenden Stadion? Bitte nicht! © dpa
FOULER PROTEST: Fußballer sind von Natur aus Unschuldslämmer. Das muss so sein. Anders lässt sich nicht erklären, warum auch nach dem gröbsten Foul der Verursacher so tut, als widerfahre ihm gerade die größte Ungerechtigkeit im Fußball seit der Schande von Gijon 1982. Mit Unschuldsmiene, hochgezogenen Schultern und von sich gestreckten Händen suggerieren selbst die bösesten Bolzplatz-Buben: Lieber Schiri, ich doch nicht. Niemals. Nimmer. Ehrlich geht anders. Deswegen, liebe Profis, eine kleine Regelkunde: Wenn Du bei einem Zweikampf den Gegner triffst, bevor Du an den Ball kommst, ist das meistens Foul. Dein Foul. © picture alliance / dpa
TIER-ORAKEL:  Krake Paul war cool. Er war neu, hatte Ballgefühl in allen acht Armen und lag immer richtig. Doch nach dem Tod des Tintenfisches nicht lang nach der WM 2010 überschwemmten Möchtegern-Nachfolger den Orakel-Markt. Allzu viele geschäftstüchtige Menschen erkannten das Werbepotenzial so eines Tieres - und so dürfen heutzutage Affen, Elefanten, Gürteltiere (wie passend) oder auch Schweine orakeln, was das Zeug hält. Das finden nur noch unverbesserliche Tierfreunde wirklich putzig. Wissenschaftliche Aufklärung tut Not: Weder Tier-Orakel noch Löffelverbieger Uri Geller oder Kaiser Franz Beckenbauer können den Ausgang von Fußballspielen voraussagen. Ehrlich. © picture alliance / dpa
BUNTE SCHUHE: Das waren noch Zeiten: Die schwarzen Treter mit dezenten weißen Streifen geschnürt und raus auf den Bolzplatz. Heute sehen Fußballschuhe aus wie das neueste Bühnenoutfit von Lady Gaga. Neongelb, giftgrün, ätzblau oder Stadtreiniger-orange, manchmal auch links so und rechts ganz anders - irgendwie affig. Oder läuft man möglicherweise schneller, wenn man Schuhe trägt, die aussehen als würden sie radioaktiv strahlen? © picture alliance / dpa
INTERNE T:  Soziale Netzwerke sind toll. Fans können über Twitter, Facebook & Co direkt dabei sein in Trainingslagern, WM-Quartieren und Umkleidekabinen. Spieler posten intime Fotos - gern auch oben ohne - und Kanzlerinnen werden in Selfies verewigt. Aber diese Spaßvögel! Kurz nach Robin van Persies tollem Flugkopfball zum 1:1 gegen Spanien quollen aus dem Internet schon die Fotomontagen: van Persie fliegt mit Delfinen, van Persie düst an der Christus-Statue vorbei, van Persie mit Hexenbesen beim Quidditch. Alle Nicht-Spanien-Fans dieser Welt mögen sich das sagenhafte Zuspiel von Daley Blind und van Persies noch sagenhafteren Flug hundertmal im Internet anschauen, von oben, unten, rechts und links, in Zeitlupe oder im Zeitraffer. Wunderschön! Aber niemand braucht diese Ulk-Bilder. Also, liebe Photoshop-Jünger, bitte lasst das und wendet Euch wieder Euren Katzen zu! © picture alliance / dpa
WM-WURST:  Zugegeben, seitdem der Ball rollt, ist es nicht mehr ganz so schlimm. Aber in den Wochen davor: die reinste Werbehölle. Nicht nur Fußball-affine Produkte wie Chips und Bier wurden mit WM-Logos, Fußbällen oder/und Länderflaggen beworben, auch beim Kauf von Shampoos, Wurst-Snacks oder Brötchen kam man nicht am Großereignis in Brasilien vorbei. Noch schlimmer ist es im Radio und Fernsehen: Fangesänge, Stadionsprecher und Tröten, Tröten, immer wieder Tröten dröhnen einem da entgegen. Glaubt eigentlich irgendein Werber tatsächlich, echte Fans würden wegen dieses Fußball-Gedöns einen Kühlschrank, ein Sofa oder ein Auto mehr kaufen? © picture-alliance/ dpa
GEHEIMFAVORITEN: Nein, Belgien oder Chile nerven keineswegs. Sie bereichern durchaus die Stammtischdiskussionen um den künftigen Weltmeister. Es ist das Wort „Geheimfavorit“, das dem kritischen Fußballfan gehörig auf die Nerven geht. Doch Sportjournalisten, Moderatoren und Mitreden-Woller lieben diese unsinnige Floskel und ziehen sie stets dann aus dem Phrasenhut, wenn es um gute Mannschaften aus der zweiten Reihe geht. Aber was soll das denn sein, ein Geheimfavorit? Ein geheimer Favorit, den außer FIFA-Präsident Joseph Blatter noch keiner kennt? Mmh, dann wäre er ja nicht so bekannt, oder? Immerhin hat dieses Wort auch ein Gutes: Man weiß genau, dass all jene Mannschaften, die vor einem Turnier als Geheimfavorit tituliert werden, nie und nimmer den Titel holen. © picture alliance / dpa

Der Bundestrainer reagierte bereits irritiert, sagte im ZDF: „Diejenigen, die nach dem Portugal-Spiel gesagt haben, wie gut die Lösung mit Philipp Lahm im Mittelfeld ist, die diskutieren jetzt nach einem schlechteren Spiel: Soll er nicht zurück auf die Außenverteidiger-Position?“ Löw will nun nicht alles „über den Haufen werfen“. Doch wäre eine Veränderung kurz vor den Alles-oder-nichts-Spielen nicht genau das Richtige? Die tz hakte bei denen nach, die viele Jahre den Adler auf der Brust trugen. Was ist jetzt zu tun, was muss Jogi jetzt tun?

Kohler: Diskussion ist "schwachsinnig"

Weltmeister Jürgen Kohler sagt eindeutig: „Ich halte diese ganze Diskussion für schwachsinnig! Der Trainer hat das so entschieden. Man ist jetzt gut beraten, die Mannschaft in Ruhe zu lassen!“ Ein kleiner Hieb Richtung Ballack, obwohl auch Kohler eingestehen muss: „Ich schätze Philipp auch als rechten Verteidiger stärker ein, aber beim FC Bayern hat er ja fast das ganze Jahr im Mittelfeld gespielt. Also ist es keine große Umstellung.“

Lahm würde sich schon noch zurechtfinden auf der Sechs, auch wenn auf dem Trikot nun das Wappen des DFB und nicht das rot-weiß-blaue Bayern-Emblem prangt.

Ganz anders Gudio Buchwald, wie Kohler ein ehemaliger Knallhart-Verteidiger. Buchwald sagt: „Ich sehe Philipp lieber in der Verteidigung, weil wir da nicht so gut besetzt sind. Da haben wir Probleme!“ Er bewertet die aktuelle Abwehrkette mit vier Innenverteidigern kritisch, Lahm wäre die passende Ergänzung. Ähnlich argumentierte auch Ballack, er forderte sogar, Lahm auf der linken Seite für Höwedes zu bringen!

Im Mittelfeld hat Buchwald auf die dann entstehende Lücke eine ähnliche Idee parat wie der tz-Kolumnist. Buchwald: „Auf der Sechs ist Lahm nicht viel besser als Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos.“ Einer von ihnen sollte dort das Ruder übernehmen.

Der Grundtenor, Lahm zurückzustellen, ist aber eindeutig da. Auch ein dritter Weltmeister ist davon überzeugt: Thomas Berthold. Er sagt auf tz-Nachfrage: „Philipp kann der Mannschaft eher in der Verteidigung helfen, ich bin kein Freund von vier Innenverteidigern hinten drin! Mit Philipp kann man auch über außen das Spiel eröffnen.“ Das starke spielerische Element des Kapitäns würde somit nicht gänzlich verloren gehen.

Nun ist es an Jogi, die Lähmung aus dem Team zu schütteln…

Michael Knippenkötter, Sven Werterschulze

Auch interessant

Meistgelesen

„Das ist Wahnsinn, Wahnsinn!“ - Uli Hoeneß kriegt sich nicht mehr ein
„Das ist Wahnsinn, Wahnsinn!“ - Uli Hoeneß kriegt sich nicht mehr ein
FC Bayern gegen FC Augsburg im Live-Ticker: Gäste treten mutig auf - Sanches zeigt erneut seine Klasse
FC Bayern gegen FC Augsburg im Live-Ticker: Gäste treten mutig auf - Sanches zeigt erneut seine Klasse
Podcaster ist sich sicher: Beim FC Bayern bahnt sich Hammer-Transfer an
Podcaster ist sich sicher: Beim FC Bayern bahnt sich Hammer-Transfer an
Nachfolger-Suche für Manuel Neuer: FC Bayern hat wohl im Ausland spielenden Deutschen im Visier
Nachfolger-Suche für Manuel Neuer: FC Bayern hat wohl im Ausland spielenden Deutschen im Visier