Gladbach-Pleite nur ein Ausrutscher?

Verkehrte Bayern-Welt: Lahm sauer, Sammer gelassen

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Hauptdarsteller – im negativen Sinn: Schweinsteiger (l.) und Badstuber sahen bei den Gegentoren nicht gut aus.

München - Die 0:2-Heimpleite gegen Gladbach will der FC Bayern als Ausrutscher verstanden wissen – es gilt das Fazit: Ab jetzt besser machen!

Es kommt nicht oft vor, dass Philipp Lahm mal die Fassung verliert, pampig oder gar sauer wird. Aber am Sonntag war es der Fall. Nicht lange, eine knappe Minute vielleicht, merkte man dem Kapitän des FC Bayern an, dass ihm etwas gehörig gegen den Strich ging. Aber zur Überraschung aller war es nicht vordergründig der Auftritt seiner Mannschaft beim 0:2 gegen Borussia Mönchengladbach, der ihn wurmte. Sondern die öffentliche Debatte über die Art und Weise, in der sich der Double-Sieger die beiden Gegentore gefangen hatte.

Rummenigge: "Haben verdient verloren"

„Welche Schwäche?“ fragte der 31-Jährige genervt, als er auf die Konteranfälligkeit des Tabellenführers angesprochen wurde, und wollte zwei Dinge unbedingt klarstellen. Erstens, dass der erste Gegentreffer durch Doppeltorschütze Raffael „nach einem Einwurf an der Mittellinie“ gefallen war, „und das ist für mich kein Konter“. Und zweitens, dass es eher als positiv angesehen werden sollte, dass man sich wenn überhaupt derartige Gegentreffer fängt: „Weil es nicht möglich ist, anders gegen uns zu treffen.“ Das war die positive Sicht der Dinge. Die, an die man sich klammern kann, bis in zwei Wochen nach der Länderspielpause die Saison in Liga (gleich gegen Dortmund), Pokal (Viertelfinale in Leverkusen) und Champions League (Viertelfinale gegen Porto) so richtig in Fahrt kommt. Aber es gab auch andere öffentlich vorgetragene Meinungen aus den Kreisen der Bayern.

„Ich bin kein Mensch, der Niederlagen schönreden möchte. Es gibt nichts Positives oder Angenehmes. Wir haben verdient verloren“, sagte beispielsweise Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Es gäbe „einfach so Abende, an denen man nach Hause geht und sagt: ,Das war kein angenehmer Sonntag’.“

Viele unglückliche Umstände hatten zu dieser ersten Liga-Heimpleite seit knapp einem Jahr geführt. Der frühe Ausfall von Arjen Robben, der Fehlgriff von Manuel Neuer, aus dem der Rückstand in der 33. Minute resultierte – aber am auffälligsten waren doch die Probleme, die die Bayern schon durch das gesamte Fußballjahr 2015 begleiten. Auf der einen Seite die mangelnde Kreativität ohne die beiden Flügelspieler Franck Ribery und (ab der 24. Minute) Robben; auf der anderen Seite die mangelnde Fähigkeit, bei schnellen Gegenangriffen Ordnung zu finden sowie Tore zu verhindern.

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Matthias Sammer wollte ausnahmsweise mal nicht den Mahner geben, „weil es keinen Sinn hat“, sagte der Sportvorstand. Menschen seien keine Maschinen, gab der 47-Jährige zu Protokoll, deshalb gäbe es „Tage, da muss man eine Pleite einfach mal akzeptieren“. Hoppla! Lahm sauer, dafür Sammer ganz zahm: Verkehrte Welt beim FC Bayern? Immerhin fügte er noch hinzu: „Aber nur an einem Tag.“

Man wollte die Niederlage gegen Gladbach als Ausrutscher verstanden wissen – und es stimmte ja: Außer, dass der Vorsprung auf den Verfolger VfL Wolfsburg von elf Punkten auf zehn geschmolzen ist, war nichts passiert an diesem 26. Spieltag. „Zehn Punkte bei acht Spielen, das ist immer noch ordentlich“, sagte Thomas Müller. Aber trotzdem sollte man die Bilanz gegen die vermeintlich stärksten Teams der Liga nicht außer Acht lassen: Gegen Wolfsburg (2:1, 1:4), Gladbach (0:0, 0:2), Leverkusen (1:0) und Schalke (1:1, 1:1) gab es nur zwei Siege bei drei Unentschieden und zwei Pleiten. Die Mannschaften, die Struktur haben oder Paroli bieten, kann man nicht im Vorbeigehen besiegen.

„Eins ist klar: Gegen Dortmund müssen wir es besser machen“, sagte Rummenigge. Der Blick aber sollte noch weiter vorausgehen. Nach der Länderspielpause ist Pep Guardiola mehr gefragt denn je. Gelingt es, dem Team den Feinschliff für die heiße Phase der Saison zu verpassen? Oder endet die Saison wie die vergangene mit einem bitteren Erwachen in den K.o.-Spielen, weil man es wieder nicht schafft, das schnelle Umschaltspiel auf Weltklasse-Niveau umzusetzen?

„Aus Fehlern wie heute müssen wir lernen“, sagte Bastian Schweinsteiger: „Besonders, wenn wir in der Champions League gegen Mannschaften spielen, die ähnlich tief stehen.“ Der FC Porto wird wohl gleich den Anfang machen. „Bis dahin wird intern alles infrage gestellt“, gab dann immerhin auch Lahm zu. Er weiß: Die Fragen nach einem ähnlichen Auftritt in der Königsklasse wären weitaus unangenehmer. Und er selbst wohl auch noch weitaus sauerer.

Hann Schmalenbach

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