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Rekordmeister vs. Herausforderer

Vier Dinge, die sich der FC Bayern bei RB Leipzig abschauen kann

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Durfte gegen Bayern jubeln: Timo Werner.

Die Fußball-Fans in Deutschland freuen sich auf die beiden anstehenden Duelle zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig. Wir blicken nach Sachsen und schauen, was der aufstrebende Brauseklub bislang besser macht als Branchenprimus FC Bayern.

München - Das muss man sich selbst als Bayern-Fan fragen: Was für ein furioses erstes Bundesliga-Jahr legte bitte schön RB Leipzig vergangene Saison hin? Den Münchnern boten sie Paroli, sie schafften es nach 34 Spieltagen sogar auf Platz zwei der Bundesliga-Tabelle und sicherten sich so den Einzug in die Königsklasse. Und auch in diesem Jahr zeigt der Verein aus Sachsen, dass er keine Eintagsfliege ist. Aus dem vermeintlichen Titel-Zweikampf zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund ist längst ein Dreikampf geworden. Grund genug also, um einmal zu hinterfragen, in welchen Punkten RB Leipzig mit dem FC Bayern nicht nur gleich gezogen hat, sondern den Rekordmeister sogar überholt hat.

Punkt 1: Nachwuchsarbeit

Die Sachsen haben sich in den vergangenen Jahren mit ihrer Jugendarbeit einen klaren Vorsprung vor dem FC Bayern herausgearbeitet. Zwar hat es tatsächlich noch kein Spieler aus der eigenen Jugend zu den Profis geschafft, aber: Derzeit kicken 15 (!) Jugend-Nationalspieler in den Reihen der Leipziger. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Verantwortlichen Oliver Mintzlaff, Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl ernten können, was in den vergangenen Jahren gesät wurde. Der Brauseklub bedient sich dabei einer Methode, die sich der FC Bayern in den kommenden Jahren aneignen muss und wird: Weltweit macht der Verein Jagd auf Top-Talente im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Spieler werden intensiv gescoutet, vergleichsweise günstig gekauft und dann in der Nachwuchsakademie ausgebildet. Wie die Sport Bild berichtet, werden manchen Kickern bereits im Teenageralter vierstellige Monatsgehälter bezahlt. Moralisch gesehen eine bedenkliche Entwicklung, dennoch bedient sich RB hier den Mitteln, mit denen der FC Bayern auf anderer Ebene bereits seit Jahrzehnten die Konkurrenz ärgert. Und: Die Bayern haben sich auf diesem Terrain bereits versucht, scheiterten mit der Verpflichtung von Renato Sanches aber - nach bisherigem Stand - ziemlich desaströs.

Außerdem: Während die Leipziger ihre Reservemannschaft längst aufgelöst haben und der Fokus auf der Ausbildung in den Jugendmannschaften liegt, dümpelt die „Zweite“ des FC Bayern seit Jahren in der Regionalliga Bayern herum. Der Jahr für Jahr anvisierte Aufstieg mag einfach nicht gelingen, zu dünn ist die Qualität, die aus dem Juniorenbereich nachrückt. Die Zukunft verspricht mit dem neuen, hochmodernen Nachwuchsleistungszentrum zwar rosig zu werden, bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. So hat derzeit der Umbruch der Profi-Mannschaft Priorität. Hermann Gerland, der eigentlich als Boss des NLZ eingeplant war, hilft bis zum Saisonende als Co-Trainer aus, und auch Tom Starke kann auf Grund der langfristigen Verletzung von Stammkeeper Manuel Neuer nicht wie geplant als Torwart-Koordinator im Münchner Norden arbeiten.

Kommentar zum NLZ: Ein erster Schritt

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Punkt 2: Zusammenarbeit zwischen Sportdirektor und Trainer

Die Hierarchien bei RB Leipzig wirken deutlich flacher als beim FC Bayern. Beim Rekordmeister thront das unantastbare Duo Karl-Heinz Rummenigge/Uli Hoeneß scheinbar über allem. Sie sind die Entscheider. Sie sind der personifizierte FC Bayern. Danach kommt der Trainer. Sowohl Pep Guardiola (mit Thiago) als auch Carlo Ancelotti (mit James) durften zwar zuletzt ihre Lieblingsspieler an die Säbener Straße holen, und Jupp Heynckes genießt extrem hohes Ansehen im Verein. Dennoch scheint die Stimme eines Bayern-Trainers nur ein Flüstern im Vergleich zu der des Bayern-Bosses und der des Präsidenten. 

Und dann? Ja, dann kommt - gefühlt mit einigem Abstand - auch noch Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Er scheint im Grunde nur ein Sprachrohr zu sein, das sich dann äußern darf, wenn die Bayern-Chefs eine wichtige Entscheidung gefällt haben. Er wirkt eher wie ein Kommentator dessen, was hinter den Kulissen geschieht.

Bei Leipzig wirkt das hingegen ganz anders. Ein so steiles Gefälle innerhalb der RB-Führung wie beim FC Bayern gibt es längst nicht. Im Gegenteil: Sportdirektor Ralf Rangnick (59) und Trainer Ralph Hasenhüttl (50) agieren - so zumindest vermittelt es das Bild nach Außen - beinahe auf Augenhöhe. Die Zugeständnisse, die sich beide zukommen lassen, wirken echt: „Wir wissen, was wir aneinander haben. Die Wertschätzung könnte nicht größer sein“, sagte Rangnick gerade erst über seinen Trainer. Und auch das Verhältnis zu Oliver Mintzlaff scheint vorzeigbar. Der RB-Geschäftsführer bezeichnet seinen Sportdirektor als sportlichen „Motor, der die Philosophie vorgegeben hat und für die Umsetzung sorgt“.

Auch nicht ganz unerheblich: Während sich Jupp Heynckes und Hasan Salihamidzic sportlich noch nie über den Weg gelaufen sind und sich erst beschnuppern müssen, arbeiten Rangnick und Hasenhüttl nun schon das zweite Jahr in Folge zusammen. Und dabei hat der RB-Sportdirektor einen ganz großen Vorteil: Er weiß, wie im Verein trainingstechnisch der Hase läuft - immerhin coachte er Leipzig selbst in der Saison 2015/2016.

Punkt 3: Keine Top-Stars, kein Beef

Um ehrlich zu sein: Wenn man beim FC Bayern spielt, dann hat man es als Fußballer geschafft. Und dann hat man vielleicht auch ein wenig mehr das Recht darauf, über (subjektiv) unpopuläre Entscheidungen des Trainers aus der Haut zu fahren. Bestes Beispiel: Franck Ribéry. „Jedes Mal, wenn der Ribéry nach 70 Minuten raus muss, ruft er mich am Abend an und sagt: 'Jetzt habe ich genug, ich gehe!'“, erklärte Uli Hoeneß erst im Mai. Schon da war es kein Geheimnis mehr, dass Carlo Ancelotti einige Spieler gegen sich aufgebracht hatte. Und es zeigte: Ist beim FC Bayern das Klima vergiftet, haben die Star-Kicker so viel Macht, um einen Star-Trainer zum Sturz zu bringen

So etwas ist bei RB Leipzig undenkbar. Klar, RB Leipzig hat nicht DEN großen Star, der mit einem Profi des FC Bayern vergleichbar wäre. Dennoch wirkt das Team gleichwertig und es hat sich (noch) niemand den Rüffel eines RB-Chefs eingefangen, wie zum Beispiel Jerome Boateng beim FC Bayern, den Karl-Heinz Rummenigge Ende 2016 gerne ein bisschen mehr „back to earth“ geholt hätte. Bedeutet: In Leipzig stehen nicht die Befindlichkeiten des Einzelnen im Vordergrund, sondern die Leistung des Teams. Das könnte ab und an auch dem FC Bayern nicht schaden.

Punkt 4: Kaderplanung

Man muss kein Berufskritiker des FC Bayern sein, um festzustellen: Der Klub scheint den Umbruch zum richtigen Zeitpunkt verpasst zu haben. In der vergangenen Saison stellte der Rekordmeister den im Durchschnitt ältesten Kader der Bundesliga. Im Sommer beendeten mit Xabi Alonso (35) und Philipp Lahm (33) zwar zwei Routiniers ihre Karrieren und senkten den Altersschnitt dadurch, der Verlust der beiden Weltklassefußballer ging aber nicht reibungslos vonstatten, wie man an der Krise zu Saisonbeginn und der daraus resultierenden Entlassung von Trainer Carlo Ancelotti erkennen kann. 

Mittlerweile hat Jupp Heynckes die Bayern wieder in ruhigeres Fahrwasser gelenkt, und angesichts des relativ frühen Zeitpunkts in der Saison sind auch noch alle Ziele und Träume zu erreichen. Doch das Selbstverständnis aus den vergangenen Jahren, als der Gewinn der Champions League als durchaus realistisches Ziel angesehen wurde, scheint etwas angekratzt. Die großen, aberwitzigen Transfers à la Neymar (für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain gewechselt) mag man nicht mitmachen. Stattdessen wurden Leute wie Corentin Tolisso (mit 41,5 Millionen Ablösesumme immerhin der teuerste Einkauf der Bundesliga-Geschichte), Sebastian Rudy oder Niklas Süle geholt. Alles sehr gute Fußballer, aber die Ansprüche beim FC Bayern waren früher andere. Und der einzige Zugang, der dem Namen nach Starruhm besitzt, James Rodriguez, war ein Wunschspieler jenes Trainers, der mittlerweile nicht mehr in München arbeitet.

RB Leipzig hat es bei der Kaderplanung natürlich ein ganzes Stück leichter als der FC Bayern. Die Ansprüche, die Erwartungshaltung, die Transfersummen und auch die Gehälter sind längst nicht so hoch wie in München. „Bei uns geht es vornehmlich um Entwicklung. Das haben wir mit Borussia Dortmund gemeinsam, während Bayern München doch eher gestandene Spieler holt“, erzählt Ralf Rangnick. 

Das Dreigestirn Mintzlaff, Rangnick und Hasenhüttl kann vergleichsweise in Ruhe seine Arbeit machen - tut dies aber mit viel Bedacht und Weitsicht. Talentierte Neuverpflichtungen wie Sturm-Talent Jean-Kevin Augustin (20), Linksaußen Bruma (22) oder Mittelfeldspieler Konrad Laimer (20) waren europaweit begehrt, entschieden sich jedoch für Leipzig, einzig Kevin Kampl (26) kam als „gestandener“ Spieler. „Wir haben den jüngsten Kader. Da könnte man sagen, dass wir uns erst am Anfang unseres Weges befinden. Aber man weiß nie, wie lange die Spieler den Weg mit uns mitgehen. Fakt ist allerdings, dass wir hier etwas Nachhaltiges aufbauen und uns daher für die Zukunft gut gerüstet sehen“, sagte Trainer Hasenhüttl in der Sport Bild.

Allerdings hat Leipzig den deutlichen Vorteil, dass bei RB derzeit noch ein Großprojekt am Entstehen und die Luft nach oben weiterhin groß ist. Der FC Bayern dagegen ist der beste und erfolgreichste Fußballverein in Deutschland - und das bereits seit Jahrzehnten. Die Redensart „Der Weg an die Spitze ist einfach. Die Kunst ist, sich an der Spitze zu behaupten“ kommt nicht von ungefähr.

Fazit: 

Über alle vier genannten Punkte ließe sich trefflich diskutieren und man kann es drehen und wenden wie man will: Branchenprimus ist und bleibt der FC Bayern - zumindest mittelfristig. RB Leipzig ist dabei, in die Phalanx des Rekordmeisters aufzusteigen. Die genannten Punkte sind ein Indiz dafür, dass in Sachsen vieles richtig gemacht wird. Doch an diesem Punkt war Borussia Dortmund beispielsweise vor fünf Jahren auch, luchste den Bayern sogar ein paar Titel ab. Rückschläge warfen den BVB jedoch immer wieder zurück, sodass die Borussia am Thron der Bayern bislang nicht wirklich rütteln konnte. Auch bei RB wird es vermutlich zu Rückschlägen kommen. Vielleicht ja schon am Mittwoch im DFB-Pokal-Duell beim direkten Aufeinandertreffen gegen die Bayern (bei uns im Live-Ticker) - und/oder drei Tage später beim Aufeinandertreffen in der Bundesliga ...

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