Interview mit Vitor Baia

"Porto bezwingen? Es gibt Einfacheres…"

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Vitor Baia gewann 2004 mit dem FC Porto die Champions League.

Porto - Vitor Baia ist immer noch eine Instanz im portugiesischen Fußball. 2004 gewann er mit dem FC Porto die Champions League. Im Interview spricht er über das Duell mit dem FCB.

Er spielte mit Pep Guardiola Ende der 90er-Jahre zusammen in Barcelona, holte mit Porto 2004 den Champions-League-Titel - und hält mit 1192 Minuten ohne Gegentor noch immer den portugiesischen Liga-Rekord. Das tz-Interview mit Ex-Nationalkeeper Vitor Baía (45) vor dem heutigen Viertelfinal-Hinspiel der Bayern in Porto.

Herr Baía, was ging Ihnen durch den Kopf, als klar war, dass Porto im Viertelfinale auf die Bayern trifft?

Baía: Dass wir auf die wohl schwerste Mannschaft treffen! Die Qualität der Spieler, der Spielweise und des Trainers machen die Bayern zu einem unheimlich schweren Gegner für Porto.

Aber Sie glauben an das Wunder?

Baía: Natürlich! Ich bin der Meinung, dass Porto an einem guten Tag jede Mannschaft der Welt schlagen kann. Bislang treten sie sehr konstant auf, und in einem Viertelfinale ist sowieso alles möglich, daher würde ich die Bayern auch nicht mit der Favoritenrolle versehen. Ich habe großes Vertrauen in die Möglichkeiten Portos.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Tello rechts außen?

Baía: Schon schwer. Tello ist einer der gefährlichsten Spieler der Mannschaft, aber das muss man schnell abhaken. Porto verfügt über mehrere Spieler von Weltformat, ich denke da beispielsweise an Quaresma oder Brahimi, die ebenfalls viel bewegen können.

Zumal das Bayern-Lazarett derzeit auch voll ist. Robben, Ribéry, Schweinsteiger, Alaba - sie alle sind nicht fit.

Baía: Stimmt, dafür haben sie aber einen großen Kader mit entsprechender Qualität. Diese Spieler können alle gebührend ersetzt werden. Aber klar, für Porto wäre es natürlich gut, wenn die Bayern zumindest in einem der beiden Spiele auf ihre Vorzeigekicker verzichten müssten.

Ist es ein Vor- oder Nachteil, dass das Hinspiel in Portugal stattfindet?

Baía: Porto muss in beiden Spielen alles geben, daheim wie in München. Die Reihenfolge ist dabei gar nicht so wichtig. Soll ich Ihnen etwas sagen?

Bitte!

Baía: Als wir 2004 den Titel gewannen, haben wir zuerst auswärts und dann daheim gespielt. Das ist egal. Wichtig sind die Strategie und die Taktik, mit der Porto zu Werke geht.

Was schwebt Ihnen vor?

Baía: Porto muss die Bayern in der Aufbauphase stören, nur so können sie ihnen wehtun. Denn egal wie sicher und stark die Bayern individuell sind, im Spielaufbau macht jedes Team mal Fehler. Gleiches gilt aber für Porto selbst. Auch sie sind eine Mannschaft, die sich über den Ballbesitz definiert und gegen die Bayern so wenige Bälle wie möglich verlieren sollte, wenn sie von hinten heraus ihr Spiel konstruieren.

Kommt Porto auch ein wenig die Außenseiterrolle zugute?

Baía: Das spielt keine Rolle.

Haben Sie noch das Jahr 1987 im Kopf?

Baía: Wie könnte ich nicht. Ich war damals 17 Jahre alt und bin mit den ganzen Porto-Fans in die Innenstadt gepilgert, nachdem Madjer die Bayern fast im Alleingang geschlagen hatte. Ein unvergesslicher Tag für ganz Porto. Schon damals habe ich davon geträumt, auch mal diesen Pott in Händen zu halten. 2004 habe ich mir diesen Traum erfüllt.

Wie erklären Sie sich diesen Triumph? Porto war ja ähnlich wie heute nicht unbedingt der Topfavorit…

Baía: Bei dieser Mannschaft hat alles gepasst. Da war ein junger, ambitionierter Trainer namens José Mourinho, der der Beste der Welt sein wollte und heute auch ist. Und dann war da noch diese Mischung von erfahrenen und jungen Spielern, die zwei unvergessliche Saisons spielten und danach alle Weltkarrieren starteten.

Was hat Mourinho als Coach ausgezeichnet?

Baía: Sein Erfolgshunger, sein Diskurs, seine Energie, seine Art, zu motivieren, und zuletzt auch sein Wissen. Er ist ein Kenner des Fachs, der in jedem Moment weiß, was zu tun ist. Er war unser Freund, unser Motivator, auch unser Psychologe - Mourinho war all das in einer Person. Das ist wichtig, denn ein Trainer muss nicht nur auf dem Platz top sein, er muss es auch daneben sein. Vor allem daneben.

Während Ihrer Zeit beim FC Barcelona lernten Sie auch den Spieler Guardiola kennen. Wie haben Sie ihn in Erinnerung behalten?

Baía: Als Leader. Er war es damals schon. Immer wenn es um Taktik und Strategie ging, wollte Pep mitreden. Und hat es natürlich auch getan. Was er als Spieler, vor allem aber als Trainer geschafft hat, ist außergewöhnlich. Und ohne das Barça-Gen hätte er es wohl auch nie geschafft. Pep hat das Cruyff-Modell zur Perfektion gebracht, den offensiven Stil des Holländers vollendet und Barça seinen eigenen Stempel aufgedrückt, der nach wie vor da ist und auf immer bleibt.

Wie bewerten Sie seine Arbeit beim FC Bayern?

Baía: Pep ist ein intelligenter Mensch. Er ist in Deutschland angekommen, hat sich an das Neue angepasst und bringt dadurch die Mannschaft, aber auch sich selbst weiter. Ähnlich wie bei Mourinho. Nach seiner Zeit bei Chelsea war Mourinho nicht mehr derselbe wie zuvor nach seiner Zeit bei Porto. Gleiches geschah nach seiner Zeit bei Inter und Madrid, denn er hat sich stets weiterentwickelt. Pep hat es jetzt ebenfalls super gemacht. Er hat Bayern seine DNA eingeimpft, nämlich den Ballbesitz, hat die Qualitäten seiner Spieler aber auch dazu genutzt, um mehrere Varianten für seine Spielweise zu entwickeln.

Muss er auch mit den Bayern die Champions League gewinnen, um auf einer Stufe mit Mourinho (zwei CL-Siege mit Porto und Inter) zu stehen?

Baía: Peps Herausforderung nach Barça war genau diese: sich im Ausland zu beweisen. Mourinho hat zwar mehr Titel gewonnen, war aber auch schon in mehr Ländern als Pep. Jetzt hat er mit den Bayern schon mal die Meisterschaft und den Pokal gewonnen. Fehlt nur noch die Königsklasse.

Dafür muss er aber jetzt erst mal Porto bezwingen.

Baía: Es gibt Einfacheres…

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