Interview mit Vivianne Miedema

Bayern-Star: "Robbens Vater hatte Anteil an meinem Wechsel"

+
In Aktion: Bayerns Vivianne Miedema geht gegen Wolfsburgs Anna Blässe in den Zweikampf.

München - Mit dem FC Bayern will Vivianne Miedema gegen Twente Enschede ins Viertelfinale der Champions League einziehen. Vorher macht sich die Stürmerin Gedanken über horrende Gehälter. 

Während sich Thomas Müller & Co. noch in der Gruppenphase der Champions League befinden, geht es für die Fußballfrauen des FC Bayern am Mittwoch schon um alles. Das Team von Thomas Wörle trifft um 19 Uhr auf Twente Enschede. Im heimischen Grünwalder Stadion wollen die Münchnerinnen den Einzug ins Achtelfinale perfekt machen, Tickets (für drei bis zehn Euro) gibt es noch an der Abendkasse.

Nach dem 1:1 im Hinspiel reicht den Roten zwar schon ein torloses Unentschieden für den Einzug ins Achtelfinale, doch FCB-Angreiferin Vivianne Miedema will die Partie gegen ihre Landsleute gewinnen. Im tz-Interview spricht die 19-Jährige, in ihrer Heimat schon ein echter Star, über Bekanntheit, Geld und ihre Verbindung zu Arjen Robben.

Frau Miedema, wie ist die Stimmung vor dem Rückspiel – entspannt oder angespannt?

Miedema: Eher entspannt, die Stimmung ist gut. Vor allem, weil wir in Enschede kurz vor Schluss noch ein wichtiges Auswärtstor geschossen haben. Also muss Twente im Rückspiel angreifen, und das ist nicht ihr Spiel. Wir wissen, dass wir die bessere Mannschaft sind und vertrauen auf unsere Stärken.

Also ist das 1:1 im Hinspiel eher eine gute als eine gefährliche Ausgangsposition?

Miedema: Das Ergebnis ist natürlich immer noch gefährlich. Twente hat das vergangene Woche gut gemacht. Sie haben uns Fußball spielen lassen und selbst nur gekontert. Wenn wir die Konter besser kontrollieren und noch konzentrierter nach vorne spielen als in Enschede, dann kommen wir eine Runde weiter.

In Enschede waren über 6000 Zuschauer. Mit so vielen ist in München nicht zu rechnen. Fehlt hier die Begeisterung für Frauenfußball?

Miedema: Dazu muss ich sagen, dass sich Frauenfußball in Holland großer Beliebtheit erfreut. Wenn wir mit der Nationalelf spielen, sind eigentlich immer mindestens 15.000 Zuschauer da. Ich hoffe, dass in München vielleicht auch 3000 Zuschauer kommen. Das wäre toll. Aber natürlich stehen wir im Schatten der Männer.

Wünschen Sie sich manchmal mehr Aufmerksamkeit oder sind Sie froh, wenn Sie in der Stadt nicht von jedem erkannt werden? 

Vivianne Miedema im Interview mit tz-Redakteur Sven Westerschulze.

Miedema: Zum Glück ist München ja sehr groß. Aber ich glaube, nicht nur ich, sondern auch bekannte deutsche Spielerinnen wie Melanie Behringer oder Lena Lotzen können sich noch frei bewegen. Und ehrlich gesagt bin ich da auch ganz froh drüber. Wenn ich in Hoogeveen, meinem Geburtsort, durch die Stadt gehe, erkennt mich fast jeder und ich werde von unglaublich vielen Leuten angesprochen. Aber die sind immer freundlich, es wird nicht aufdringlich.
Sie üben die gleiche Sportart aus, verdienen aber völlig andere Summen als Ihre männlichen Kollegen. Was denken Sie eigentlich, wenn Sie von diesen riesigen Millionenbeträgen hören?

Miedema: Wahnsinn, absoluter Wahnsinn. Das ist viel zu viel Geld. Ich glaube weder, dass Spieler tatsächlich 90 oder 100 Millionen Euro wert sind, noch, dass diese Entwicklung für den Sport gut ist.

Mit 19 Jahren und Ihrem Talent wären Sie als Fußballer wahrscheinlich schon Millionär…

Miedema: Ich bin froh, dass der FC Bayern für mich nicht so viel Geld auf den Tisch gelegt hat. Denn das bedeutet unheimlich viel Druck. Das sieht man ja auch bei einigen männlichen Kollegen.

Aber ist es nicht auch unheimlich viel Druck, mit 19 Jahren die Hoffnungsträgerin im holländischen Frauenfußball zu sein? Sie werden als holländischer Messi bezeichnet.

Miedema: Nein, das macht mich einfach nur stolz. Das ist für mich ein positives Gefühl. Ich gebe zu, dass ich vor der WM im Sommer schon ein bisschen Druck gespürt habe, weil alle Leute große Dinge von mir erwartet haben. Aber grundsätzlich ehren mich die Erwartungen und auch die Vergleiche mit Lionel Messi oder auch Robin van Persie. Das ist für mich einfach nur cool und kein Druck.

Beim FCB spielt mit Arjen Robben auch ein Topstar der Elftal. Sie kennen seine Familie ganz gut…

Miedema: Ja, das stimmt. Arjens Vater Hans hatte auch einen Anteil an meinem Wechsel zum FC Bayern. Arjen selbst habe ich erst zwei, drei Mal gesehen, seit ich im vergangenen Jahr hierher gewechselt bin. 

Woher kommt der Kontakt?

Miedema: Unsere Familien wohnen in Holland nicht weit entfernt voneinander. Mein Vater und Hans haben den gleichen Freundeskreis, daher kennen sie sich. Vor meinem Wechsel habe ich oft mit Hans über München und den FC Bayern gesprochen. Ich hatte einige Angebote, aber am Ende habe ich mich dann für den FC Bayern entschieden. 

Interview: Sven Westerschulze

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Derby der Farbwechsler: Diese Blauen waren schon rot – und umgekehrt
Derby der Farbwechsler: Diese Blauen waren schon rot – und umgekehrt
Arbeitet Philipp Lahm bald für den DFB?
Arbeitet Philipp Lahm bald für den DFB?

Kommentare