Bayern-II-Coach im Interview

Vogel: "Hoeneß ist ein Beschleuniger"

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Vogel: "Hoeneß kennt die Talente nicht nur, er fragt nach: Wie geht es dem?"

München - Er ist der neuen starke Mann bei den Bayern-Amateuren: Heiko Vogel. Der Trainer soll den Nachwuchs wieder in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Vogel über die Zusammenarbeit mit Uli Hoeneß und seine Ziele mit dem Bayern-Nachwuchs. Hier finden Sie den ersten Teil.

Bei Bayern wird in dem Zusammenhang das „Mia san mia“ zitiert – wie schwer oder leicht ist es, Talenten diese Haltung einzuimpfen?

Einimpfen ist da sicherlich der falsche Ausdruck. So ein Bewusstsein muss wachsen, im jeweiligen Spieler selbst. Es ist ja nicht so, um das mal bildhaft auszudrücken, dass man eine Spritze aufzieht, jeden Tag 100 Milliliter „Mia san mia“, und dann hat das ein Talent irgendwann intus. Feuer, das wirklich brennen soll, muss von innen entfacht werden. Das geschieht aber fast automatisch. Unsere Jungs werden früh mit extremen Bedingungen konfrontiert: Als FC Bayern wirst du eher mal angefeindet, und jeder Gegner strengt sich mehr an. Sie wachsen mit dem Anspruch. Ich spreche da ungern vom Stahlbad, das ist mir zu kriegerisch, martialisch. Aber Talente müssen reifen – auch unter diesen Bedingungen.

Letztes Jahr setzte es gegen ManCity in der Youth League frappierend hohe Niederlagen – wie nah war der FC Bayern nach einem 0:6, das Konzept der Briten zu übernehmen, die bereits im Juniorenbereich den Erfolg mit Millionen statt mit Innovationen suchen?

Wir haben unsere Identität und müssen längst nicht alles mitmachen. Aber wie gesagt hat sich auch der deutsche Markt gewandelt, und ich denke, dass auch der FC Bayern da nicht herumkommt, für ein Top-Talent eventuell mal ein paar Euro mehr auf den Tisch zu legen. Wobei alles in einem Rahmen bleiben muss, der natürlich weit jenseits unserer vielzitierten 114 Pogba-Millionen liegt.

Sinan Kurt war Ihnen im Sommer ja bereits einen Millionen-Betrag wert.

Ja, man sieht, wir entwickeln uns da auch. Uns hätte Martin Ödegaard ebenso interessiert, der ging aber zu Real Madrid. Wobei andere Vereine, auch in Deutschland, noch ganz andere Summen als wir bieten.

Kann man mit Innovation irgendwann mal einfach nicht mehr Kaufkraft kompensieren, auf dem Niveau, das der FC Bayern benötigt?

Alles steht mit der Qualität. Sie ist im Fußball von der Genetik abhängig. Ich kann ja nicht sagen, wir schauen nur noch auf Talente im Großraum München und sind so innovativ, dass die alle durchstarten. Wir können uns einem groß angelegten Wettbewerb nicht verschließen, sondern müssen uns ihm mit allen Mitteln stellen.

Wie sehr schmerzt es den FC Bayern, dass bei der U-21-EM keiner aus den eigenen Reihen dabei ist – nur Joshua Kimmich, der aber erst aus Leipzig kommt?

Natürlich hätten wir da gerne Spieler von uns dabei, und es ist ein Ansporn, es beim nächsten Turnier besser zu machen. Aber wir können es verkraften und denken an das Finale der A-Nationalelf von 2014 – da standen gleich fünf unserer Eigengewächse in der Startelf.

"Wieso sollte der Zug abgefahren sein? Gerade bei Pierre!"

Bei der U-21-EM spielt Pierre-Emile Hojbjerg, der wie Julian Green ausgeliehen war. Haben beide bei Bayern noch eine Zukunft?

Wieso sollte der Zug abgefahren sein? Gerade bei Pierre! Bei Julian kann es sein, dass er einen Schritt zurückmachen muss, um vorwärts zu kommen. Er wäre aber keineswegs als Profi gescheitert, sollte er es beim FC Bayern nicht schaffen. Er hat alle Eigenschaften, um sich durchzubeißen. Es wäre verfrüht, zu sagen, ihre Karriere bei Bayern sei zuende.

Da sind wir wieder bei den strengen Richtlinien im Umfeld des FC Bayern.

Aber wir sind nicht Umfeld.

Wie hat sich Sinan Kurt im ersten Jahr entwickelt?

Man muss ihm Zeit geben, um richtig anzukommen. Er kam aus Gladbachs Jugend und landete gleich bei Pep Guardiola. Seine Anlagen sind außergewöhnlich, das sieht man bei nur einer Einheit: toller linker Fuß, schnell, super Standards, sehr gut im Abschluss. Er kommt schon noch.

Warum holt der FC Bayern Joshua Kimmich?

Weil wir die Vorstellung haben, dass er es mit seinem Talent hier groß schaffen kann. Sein Gesamtpaket ist top.

Was ändert sich mit dem Leistungszentrum, das gerade gebaut wird?

Wir werden viel mehr Platz haben. An der Säbener Straße müssen wir zurzeit zu viel improvisieren. Es ist unabdingbar, dass dieses Leistungszentrum kommt, allein schon, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Wir ziehen nach.

Wird es die „La Masia“ von Fröttmaning?

Ich mag keine Vergleiche. Bei Barcelona haben sie ihre katalanische Kultur, wir haben unsere bayerische. Das ist gut so.

Beim Stichwort bayerische Kultur sind wir bei Uli Hoeneß – wie erleben Sie ihn im Juniorenbereich?

Der Austausch ist offen und unkompliziert. Seine Tür ist immer offen. Dass er sich bei uns engagiert, zeigt auch, wie ernst es dem Klub ist, diesen Bereich zu forcieren. Er ist ein Katalysator, ein Beschleuniger.

"Uli Hoeneß ist ein Phänomen, er kann jeden begeistern"

Kennt er alle Talente?

Sie wären da überrascht! Er kennt sie nicht nur, er fragt nach: Wie geht es dem? Wie entwickelt sich der? Uli Hoeneß ist ein Phänomen, er kann jeden begeistern – einen Acht- wie einen 80-Jährigen.

Sie haben früher mit Ihren Talenten Karten gespielt – heute auch noch?

Die Spieler sind heute nicht mehr so karten-affin. Wir haben es dann bei „Mario Kart“ belassen, da habe ich ihnen gezeigt, wer der Weltmeister ist – nämlich ich (lacht). Ich bin generell ein Freund von Spielen und finde, dass gute Fußballer auch oft in anderen Spielen gut sind. Ich selber bin ein begeistertes Spielkind.

Ist es schwerer, eine Generation zu erreichen, die statt am Kartentisch lieber am Smartphone hängt?

Es ist anders. Aber ich will ihnen nicht den Spieltrieb absprechen. In unserem Zeitalter darf man sich Veränderungen nicht verschließen. Da fallen mir die „Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt ein: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“ Es gibt nicht nur die gute alte Zeit. Und wenn es heute Spielkonsolen gibt, stehe ich auf verlorenem Posten, würde ich alle zum Kartenspielen verdonnern. Da verliere ich jeglichen Anspruch auf eine zeitgemäße Ansprache. Schade ist nur, dass ich an der Spielkonsole völlig verloren bin (lacht).

Stimmt es eigentlich, dass Sie der Vater von Thomas Müller einst anrief, um sich zu erkundigen, ob sein Sohn Profi werden kann?

Nach Ende der U 15 wollte er mal ein Fazit. Ich sagte: „Keine Sorge, er wird mit dem Fußball Geld verdienen. Wie viel, weiß ich nicht – aber es wird mindestens reichen, um sich ein Studium zu finanzieren.“ Naja, was soll ich sagen? Ganz falsch lag ich nicht. Er kann sich sogar ein paar Semester mehr leisten, wenn er will (lacht).

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