Bayerns Pokal-Auftakt in Chemnitz

Stand heute: Alles gut bei Ancelotti

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Schlüpft wieder ins Trikot: Robben ist wie Alaba zurück im Kader.

Der Sieg im Supercup hat dem FC Bayern Selbstvertrauen und vor allem Ruhe verschafft. Vor dem Pokal-Gastspiel in Chemnitz erinnert nichts mehr an die Krise der letzten Wochen. Man geht mit Zuversicht in die Saison – auch weil die Verletztenliste kürzer wird.

München – Oh ja, Jena! Da war doch was! 1980, erste Runde im Europapokal, der AS Rom mit Jungprofi Carlo Ancelotti zu Gast, Endstand: 4:0. Eine Niederlage, die den kleinen ,Carletto’ lange beschäftigte, sogar eine, die auch der große Signor Ancelotti nicht vergessen hat. Genau ein Jahr ist es nun her, als er die Anekdote noch ein paar Mal öfter erzählen musste, als ihm eigentlich lieb war.

Damals, in der ersten Runde des DFB-Pokals, spielten die Bayern in eben jenem Jena, an diesem Samstag geht es 100 Kilometer weiter in Richtung Osten, nach Chemnitz. Eine Stadt, an die Ancelotti keine Erinnerungen hat, weder gute noch schlechte. Sein erster Besuch beim ansässigen FC wird aber auch nichts anderes sein als eine Stippvisite. Der Start in eine Saison, an deren Ende Großes gelingen soll.

Ob es bewusst platziert war oder nicht: Seit der vergangenen Woche ist nicht nur jedem klar, sondern auch öffentlich verbrieft, dass Ancelotti in sein zweites Jahr beim FC Bayern mit anderen Zielen startet als dem gähnend langweiligen Gewinn der sechsten Meisterschaft in Folge. Auf die Frage, wer die Champions League gewinne, sagte der Italiener in einem Interview in Italien: „Meine Bayern!“ Mit Ausrufezeichen, mit Nachdruck. Und am Freitag führte er noch mal aus: „Meine Mannschaft hat die Möglichkeit und die Qualität dazu. Es wird nicht einfach, aber wir versuchen, besser zu sein als im letzten Jahr.“

In Titeln ausgedrückt heißt das: Er will den Henkelpott – und auch den DFB-Pokal. Denn die Niederlage im Halbfinale gegen den BVB hatte im Frühjahr doch arg am Selbstverständnis des Trainers und des Teams genagt. „Das Ausscheiden im Pokal war unser Fehler, in der Champions League nicht“, sagte Ancelotti. Freilich geht niemand davon aus, dass der Drittligist Chemnitz ein Stolperstein sein wird. Ancelotti aber wirkte so, als wolle er vor dem Start in die Pflichtspiele noch einmal darauf hinweisen, dass Verlieren ab jetzt wehtun kann.

Welch beruhigende Wirkung der Gewinn des Supercups auf das Binnen- und Außenklima des FC Bayern hatte, merkte man in der vergangenen Woche enorm. Ancelotti war auf der Pressekonferenz am Freitag locker wie selten zuvor, erntete einen Lacher nach dem anderen – sei es für die Vorfreude auf die „schöne neue Erfahrung“ mit Bibiana Steinhaus als Schiedsrichterin in Chemnitz oder für das von Sportdirektor Hasan Salihamidzic eingeführte Rauchverbot rund um den Profi-Trakt („meine Frau freut sich“). Die Trainingswoche war gut für Geist und Körper, „wir haben viel auf Sand trainiert, das ist das, was die Spieler brauchen“, erzählte der Coach. Dass zudem die Verletztenliste rund eine Woche vor dem Bundesliga-Start am kommenden Freitag gegen Leverkusen immer kürzer wird, lässt die in der holprigen Vorbereitung entstandenen Sorgen deutlich kleiner werden. Ancelotti sagte sogar: „Es ist alles gut in diesem Moment.“

Nun ja, Manuel Neuer, Jerome Boateng, Thiago, James, Javi Martinez und Juan Bernat fehlen immer noch, immerhin aber haben Arjen Robben und David Alaba die Reise ins Erzgebirge angetreten. „Sie werden nicht starten, aber vielleicht in der zweiten Halbzeit spielen“, verkündete Ancelotti, der sich auch mit den Fortschritten der übrigen Verletzten zufrieden zeigte. Neuer sei „im Plan“ für ein Comeback gegen Leverkusen, beim Rest schaue man „von Tag zu Tag“. Allerdings werde man kein Risiko eingehen. „ Es sei „kein Problem“, wenn der Rest erst nach der zweiwöchigen Länderspielpause Anfang September zurückkehre. Bis dahin stehen lediglich noch Bundesliga-Partien gegen Leverkusen und in Bremen an.

In Chemnitz wird die „beste Elf“ auflaufen, logisch, davon ist auch FC-Trainer Horst Steffen ausgegangen, der seine erste Reaktion auf das Los mit „ach du Scheiße!“ beschreibt. Immerhin reist Ancelotti ohne Revanche-Gedanken an. Das Pokalspiel in Jena endete im letzten Jahr 5:0.

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