Erfolgsfans und verwöhnte Spieler?

Vorurteile gegen den FC Bayern und was wirklich dran ist

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"Alles nur Erfolgsfans!" - Mit diesem Satz werden Bayern-Anhänger häufig konfrontiert. 

München - Vorurteile gegen den FC Bayern gibt es viele, aber wie berechtigt sind die Kritikpunkte am deutschen Rekordmeister wirklich? Wir machen den Check. 

Als Bayern-Fan hat man es manchmal nicht leicht. Nämlich dann, wenn man sich für seinen Club rechtfertigen muss. Allzu oft werden die Anhänger des deutschen Rekordmeisters mit Vorurteilen konfrontiert. Man wäre gar kein echter Fan, heißt es dann. Oder der Verein hätte überhaupt keine Identität, die Spieler wären arrogant und abgehoben und zu wichtigen Siegen helfe eh nur das "Bayern-Dusel". Welche Vorwürfe der Bayern-Kritiker sind berechtigt, welche sind nur heiße Luft? Wir haben die häufigsten Aussagen unter die Lupe genommen. 

1. Der FC Bayern hat nur Erfolgsfans

Der wohl häufigste Vorwurf, mit dem man als Bayern-Anhänger konfrontiert wird lautet: Man ist nur deswegen Bayern-Fan, weil der Verein bekannt und erfolgreich ist. Wahrscheinlich hat man eigentlich gar nichts mit Fußball am Hut und kennt gerade mal die bekanntesten Spieler. Pünktlich zum Wochenende wird ein Selfie im Trikot auf Instagram gepostet - das war's mit der Fanliebe.

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Mit Fans über 300.000 registrierten Fanclub-Anhängern (Stand August 2015) ist der FC Bayern der beliebteste Verein Deutschlands. Natürlich lässt es sich nicht leugnen, dass darunter viele dieser sogenannten Erfolgsfans sind. Aber eben nicht nur. Der FC Bayern hat genauso leidenschaftliche Anhänger wie jeder andere Verein, die dem Klub schon ihr ganzes Leben treu sind und nicht seit dem Gewinn des Triples 2013. Auch wenn die Kritiker es gerne übersehen. Dennoch: Ganz entkräften lässt sich das Gerücht nicht.

2. Der FC Bayern gewinnt immer - wie langweilig

Eng damit verbunden ist ein zweites häufiges Vorurteil: Bayern-Fan zu sein ist langweilig, weil die ja sowieso immer gewinnen. Mit seinem Verein in schwierigen Zeiten mitzuleiden und ihm trotzdem die Treue zu halten - das ist echte Fanliebe. Aber davon haben Bayern-Fans ja keine Ahnung.

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Falsch! Auch ein Bayern-Fan hat genug zu leiden. Beispiel gefällig? Das Aus im letztjährigen Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona. Oder im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund. Ganz zu Schweigen vom Trauma nach dem "Finale dahoam" von 2012. Zugegeben: Bayern-Fans müssen weniger zittern als Anhänger einer Mannschaft, die Jahr für Jahr gegen den Abstieg spielt. Aber emotionale Höhen und Tiefen machen sie dennoch zur Genüge mit. 

3. FC Hollywood - Bei einer Niederlage herrscht sofort Krisenstimmung

Und wehe, wenn der FC Bayern mal ein Spiel verlieren sollte! Dann herrscht sofort Alarmstufe rot in München. Vor allem in der medialen Berichterstattung wird eine schlechte Leistung zur allgemeinen Krise hochstilisiert, Spieler und Trainer werden schnell in Frage gestellt. Gleichzeitig betreiben die Fans sofort Schadensbegrenzung. Im nächsten wirklich wichtigen Spiel wird die Leistung schon wieder stimmen. Und natürlich: "Mia san Mia", in guten wie in schlechten Zeiten. 

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Zugegeben: Dieses Vorurteil stimmt wirklich. Beispiel: Das verlorene Supercup-Finale gegen den VfL Wolfsburg. 

4. Die Bayern-Spieler sind verwöhnt und unselbstständig

Beim deutschen Rekordmeister geben viele unsichtbare Helfer alles, um den Spielern das Leben so einfach wie möglich zu machen. Dadurch entsteht der Eindruck, die Stars seien unselbstständig und verwöhnt. Die Schuhe werden geputzt und hinterher getragen, um das Trainingsmaterial müssen sich die Spieler nicht kümmern.

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Falsch gedacht! Natürlich genießt ein Spieler des FC Bayern den ein oder anderen Extra-Service. Aber dass auch die Stars selbst beim Bälle tragen anpacken, beweist das oben stehende Video.      

5. Die arroganten Bayern-Spieler haben keinen Bezug zum Verein und den Fans

Die Umkehrung der Erfolgsfan-These besagt, die Bayern-Spieler hätten keinen Bezug zum Verein oder den Fans. Da hilft es auch nichts, sich einmal jährlich in Lederhosn ablichten zu lassen. Stattdessen sind sie reich, abgehoben und arrogant. Kein Wunder bei diesem Verein!  

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Sämtliche Spieler über einen Kamm zu scheren ist natürlich immer eine Übertreibung. Wie bei jedem anderen Verein auch gibt es beim FC Bayern Spieler, die trotz des Rummel um sie auf dem Boden geblieben sind. Natürlich ist bei Manchen genau das Gegenteil der Fall. Aber gerade die Eigengewächse wie Thomas Müller, Philipp Lahm und Holger Badstuber entkräften das Vorurteil vom arroganten Münchner, der sich nicht mit dem Verein identifiziert. Das gleiche gilt für die Nähe zu den Fans: Bei öffentlichen Trainings nehmen sich die Spieler immer Zeit für Fotos und Autogramme. 

6. "Mia san Mia" - Der FC Bayern hat keine Identität

Die Diskussion um die Identität des FC Bayern entflammte vor allem nach dem Weggang von Bastian Schweinsteiger. Dabei geht es um viele Aspekte, die von den Kritikern gerne vermischt werden. Die vermeintlichen Erfolgsfans spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Macht der Anteilseigner Audi, Allianz und Adidas. Dazu kommen Spieler, Trainer und Transferpolitik - diese Themen müssen getrennt voneinander betrachtet werden. 

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Zur Frage der Identität: Die hat der FC Bayern genauso wie jeder andere Verein. Auch wenn sich der Verein gerade in einem Umbruch befindet. Dazu gehören Spieler- und Trainerlegenden wie Gerd Müller, Sepp Maier oder Oliver Kahn, Stadionsprecher Stephan Lehmann und Fangesänge wie "Stern des Südens".  

7. Beim FC Bayern spielen fast nur noch Ausländer

Eine weiteres Vorurteil, das gerade in den letzten Jahren unter Pep Guardiola die Runde gemacht hat. Der Katalane hole nur noch Ausländer, am liebsten seine bevorzugten Spanier und deutsche Spieler wie Mario Götze oder Bastian Schweinsteiger werden verdrängt.

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Angesichts der Transferpolitik der letzten Jahre ist diese Kritik teilweise berechtigt. Aber eben nur teilweise. Denn: Als der FC Bayern 2013 unter Jupp Heynckes das Triple gewann, umfasste der Kader des FC Bayern 26 Spieler. 14 davon besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft, inklusive des Deutsch-Türken Emre Can. Zum Vergleich: In dieser Saison stehen 13 Deutsche im 28 Mann starken Bayern-Kader, wenn man die degradierten Jung-Profis Green, Gaudino und Kurt mit berücksichtigt. Das ist natürlich ein Rückgang, allerdings kein so drastischer, wie gerne behauptet wird. Richtig ist allerdings: Im Moment bekommen deutsche Akteure wie Mario Götze oder Sebastian Rode tatsächlich nur wenig Einsatzzeit.   

8. Das Bayern-Dusel: Last-Minute-Tore und Losglück

Dieses Vorurteil ist besonders in den Köpfe älterer Bayern-Kritiker verankert. In wichtigen Spielen gewinnt der FC Bayern demnach oft nur durch den sogenannten "Bayern-Dusel" Der Begriff hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Dort steht: "Er bezieht sich auf den FC Bayern München und besagt, dass die Mannschaft in knappen Spielen besonders häufig Glück habe." Das gilt übrigens nicht nur für Last-Minute-Tore, im Pokal und in der Champions League wird den Bayern gerne auch unverschämtes Losglück nachgesagt.

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Wer den Wikipedia-Eintrag aufmerksam durchliest entdeckt auch, dass der Begriff aus den 70er Jahren stammt. Mittlerweile gibt es genügend Beispiele, die dieses unsinnige Vorurteil entkräften. Statt Bayern-Dusel passiert den Münchnern oft genug das Gegenteil: Die Münchner spielen 90 Minuten erfolglos auf ein Tor und geben dann durch einen ärgerlichen Gegentreffer das Spiel aus der Hand. So geschehen zuletzt beim Supercup-Finale gegen den VfL Wolfsburg. Apropos Wolfsburg: Gegen die Wölfe müssen die Bayern dieses Jahr in der zweiten Runde des DFB-Pokals ran. Soviel zum Losglück.

9. In den letzten Spielen verliert der FC Bayern mit der B-Elf - Wettbewerbsverzerrung!

Es ist immer wieder der große Aufreger zum Saisonende: Der FC Bayern ist schon sicher Meister, konzentriert sich womöglich noch auf die anderen Wettbewerbe und tritt in der Liga nicht mehr mit der ersten Garde und dem nötigen Ehrgeiz an. Die Folge: Trotz der Favoritenrolle verlieren die Bayern mehrere Spiele, wie in der vergangenen Saison gegen Augsburg und Freiburg. Die Liga schreit empört über Wettbewerbsverzerrung, gefundenes Fressen für die Kritiker.

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Genau genommen spricht schon die Tatsache, dass es bei jedem Punktverlust der Bayern kurz vor Saisonende gleich Geschrei gibt, für sich. Liebe Kritiker: Bei der 1:0-Niederlage in Augsburg stand mit Boateng, Lahm, Schweinsteiger, Götze, Müller und Lewandowski wahrlich keine B-Elf auf dem Platz. Überhaupt besitzt auch die sogenannte zweite Garde der Münchner genug Potential, um die Liga zu dominieren. Und zur Wettbewerbsverzerrung sei gesagt: Dem SC Freiburg nutzten die drei Punkte aus dem Bayern-Spiel letztlich nichts. Am Ende der Saison stiegen die Breisgauer trotzdem ab.

10. Bayern-Spieler werden in der Nationalmannschaft bevorzugt

Spieler des FC Bayern in der Nationalmannschaft - dieses Thema entzürnt besonders die anderen großen Bundesliga-Vereine wie Borussia Dortmund. Regelmäßig beschweren sich Watzke und Co. darüber, dass Bayern-Spieler beim DFB bevorzugt werden. Das gilt sowohl für die Nominierung als auch für den Vorwurf, dass diese Spieler vor wichtigen Liga-Spielen gezielt geschont werden.

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Tatsächlich ist die Zahl der Bayern-Spieler in den letzten Jahren aber stark zurückgegangen. Standen bei der EM 2012 noch acht Akteure aus München im DFB-Kader, so sind es momentan nur noch vier. Mit den personellen Veränderungen beim FC Bayern ändert sich auch das Bild in der Nationalmannschaft. Das haben manche Kritiker aber noch nicht bemerkt.

Fazit

Also liebe Bayern-Verurteiler: Prüft lieber noch einmal nach, was eigentlich hinter Euren Anschuldigungen steckt. So manch ein Vorurteil gegen den FC Bayern ist sicher berechtigt - aber eben nicht jedes.

sr

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