Vorwürfe aus Frankreich

Müller-Wohlfahrt wehrt sich im Fall Ribéry

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt
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Bayern-Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wehrt sich gegen die Vorwürfe aus Frankreich.

Berlin - Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wehrt sich im Falle des verletzten Superstars Franck Ribery gegen Vorwürfe aus dem Lager der französischen Nationalmannschaft.

Der Fall Franck Ribery eskaliert, zwischen den Ärzten des verletzten Superstars fliegen die Fetzen. Einen Tag ließ Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die Attacken seines französischen Kollegen Franck Le Gall im Raum stehen, dann fuhr der Bayern-Doc schweres Geschütz auf. Er gehe davon aus, „dass im Falle einer Behandlung durch ihn eine WM-Teilnahme möglich gewesen wäre“, ließ er über die Medienanwaltskanzlei Schertz Bergmann ausrichten.

„Aufgrund der falschen Darstellung von Tatsachen“ habe er sich zu einer Reaktion entschlossen, ließ Müller-Wohlfahrt ausrichten. Den indirekten Vorwurf des französischen Teamarztes, seine Behandlung hätte Ribery die Teilnahme an der WM gekostet, wies „MW“, der gerade die deutschen WM-Stars in Santo Andre betreut, scharf zurück. Ribery sei „offenbar untersagt worden, zu Müller-Wohlfahrt in Behandlung zu kommen“, hieß es in dem Anwaltsschreiben, was nach Meinung des weltweit anerkannten Münchner Mediziners der entscheidende Fehler war.

Er hätte Ribery fit bekommen, glaubt der 71-Jährige, mit Kälberblutserum: „Die von Herrn Dr. Müller-Wohlfahrt angewandte Infiltrationsbehandlung mit Actovegin, bei welchem es sich um ein Ultrafiltrat aus Kälberblutserum handelt“, sei explizit von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA „zur Injektionsbehandlung zugelassen“.

Die Darstellung Le Galls, die Bandbreite der Betreuung Riberys sei eingeschränkt gewesen, weil dieser aufgrund ausufernder Injektionsbehandlungen in München Angst vor Spritzen habe, ließ er zurückweisen - und reichte den Schwarzen Peter erneut zurück. „Franck Ribery hat aufgrund eigener Kenntnis von Herrn Dr. Müller-Wohlfahrt auch keine panische Angst vor Spritzen. Er hat lediglich die in Frankreich empfohlene Behandlung mit Kortison abgelehnt.“

Er wies auch den Vorwurf des Fitspritzens „mit aller gebotenen Nachhaltigkeit“ zurück. Zudem betonte Müller-Wohlfahrt, er habe den französischen Ärzten im Fall Ribery „alle Unterlagen und Befunde zur Verfügung gestellt“ und auch in einem Telefonat „seine Überlegungen zu den Beschwerden geäußert“.

Le Gall hatte am Donnerstag Müller-Wohlfahrt indirekt scharf attackiert. „Franck spielt bei einem Klub, bei dem alle Probleme, egal welche es sind, mit Spritzen behandelt werden“, sagte der Mediziner. Es könnten „10, 20, 25, 40 pro Problem, pro Jahr sein. Wir hätten auch so vorgehen können, aber wir haben es nicht getan“. Es sei der Zeitpunkt erreicht gewesen, „an dem er sich nicht mehr auf mehr Spritzen einlassen wollte. Wir haben es also nicht getan, weil er Angst vor Spritzen hat“, sagte Le Gall.

Ribery selbst äußerte sich bislang zum Zwist seiner Ärzte nicht, auch vonseiten der Bayern gab es bislang keine Stellungnahme.

Es ist nicht das erste Mal, dass die medizinische Behandlung einer seiner Superstars dem deutschen Branchenprimus im Rahmen einer WM Schwierigkeiten bereitet. Vor vier Jahren war der Fall Arjen Robben völlig ausgeufert, damals waren zunächst allerdings die Bayern die Ankläger.

Robben war angeschlagen zur WM 2010 nach Südafrika gereist, hatte dort dann - unter anderem im Finale gegen Spanien (0:1) - gespielt und fehlte den Bayern danach dann aufgrund eines Muskelrisses ein halbes Jahr. „Man hat uns Arjen Robben enteignet und dann demoliert wieder in die Garage gestellt“, hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge damals gesagt.

Nach monatelangen Streitigkeiten einigte man sich dann auf ein „Kompensationsspiel“ zwischen den Bayern und der niederländischen Nationalmannschaft in München. Es wurde eine triste Veranstaltung an jenem 22. Mai 2012, an dem sich Robben sogar Pfiffe der Bayern-Fans anhören musste.

Rückblick: Die Double-Saison der Bayern

Rückblick: Die Double-Saison der Bayern

Nach der Triple-Saison unter Jupp Heynckes tritt Pep Guardiola das schwere Erbe beim FC Bayern an. Von dem spanischen Star-Trainer wird nichts Geringeres als die Verteidigung aller Titel erwartet. Keine leichte Aufgabe. © picture alliance / dpa
Damit dieses Vorhaben gelingt, braucht Guardiola Spieler, die seine Vorstellung von Fußball teilen. Mit dem Satz "Thiago oder nix" bewegt er die Bayern-Verantworlichen dazu, den 23-Jährigen Spanier vom FC Barcelona zu verpflichten. Ein gelungener Transfer, wie sich im Laufe der Saison herausstellt. © picture alliance / dpa
Und auch der erste Titel lässt nicht lange auf sich warten. Die Bayern starten mit einer Revanche für das verlorene "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea in die Saison. Beim Supercup in Prag schlägt man die "Blues" nach Elfmeterschießen 5:4. © picture alliance / dpa
In der Bundesliga spielen die Bayern eine überragende Hinrunde. Ein Highlight war unter anderem der 3:0-Sieg in Dortmund, bei dem ausgerechnet Ex-Borusse Mario Götze das 1:0 erzielte. Insgesamt sicherte sich der FC Bayern mit sechzehn Siegen und einem Remis die Herbstmeisterschaft. © picture alliance / dpa
Auch die Champions-League-Gruppenphase bereitet den Münchnern keine großen Schwierigkeiten. Der 3:1-Auswärtssieg bei Manchester City ist der Beleg für das funktionierende Guardiola-System. Die Citizens haben dem Tiki-Taka der Bayern nichts entgegenzusetzen. Als Gruppensieger zieht der FCB souverän ins Achtelfinale ein. © picture alliance / dpa
Bevor sich die Guardiola-Elf in die Winterpause verabschiedet, steht die Club-WM in Marokko an. Mit Siegen über Guangzhou Evergrande FC und Raja Casablanca sichert sich der FC Bayern den Weltpokal. © picture alliance / dpa
Gut erholt präsentieren sich die Bayern in der Bundesliga-Rückrunde. Die Münchner eilen von Sieg zu Sieg und von Rekord zu Rekord. Das 3:1 gegen Hertha BSC Berlin am 27. Spieltag sichert dem FC Bayern die früheste Meisterschaft aller Zeiten. Bereits im März sind die Münchner für die Konkurrenz aus Dortmund und Gelsenkirchen nicht mehr einholbar. Das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesliga. © picture alliance / dpa
Ein paar Wochen später unterliegen die Bayern mit einer B-Elf 0:1 gegen den FC Augsburg. Die erste Pleite nach 53 Spielen ohne Niederlage. Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder ein Spiel in der bundesliga verloren. Doch Rekorde spielen für Pep keine Rolle, die Meisterschaft ist für ihn entschieden. Deswegen schont er seine Stars und rotiert die Startelf regelmäßig durcheinander. © picture alliance / dpa
Zwei Wochen nach der gewonnenen Meisterschaft schaltet der FC Bayern im Viertelfinale der Champions League Manchester United aus. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt haben die Münchner den Rhythmus in der Bundesliga verloren. Auch gegen ManU liegt man 0:1 hinten, dreht die Partie aber durch das schnelle Ausgleichstor. © picture alliance / dpa
Der fehlende Rhythmus macht sich vor allem im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid bemerkbar. Die 0:4-Pleite vor heimischen Publikum ist der bitterste Moment der Saison. Der Traum als erste Mannschaft den Titel in der Königsklassezu verteidigen ist geplatzt. Und plötzlich steht Pep Guardiola und sein Spiel-System in der Kritik. © picture alliance / dpa
Doch die Bayern erholen sich von dem Schock, schlagen nach dem CL-Aus den HSV mit 4:1 und bringen die Bundesliga-Saison zu einem versöhnlichen Ende. © picture alliance / dpa
Nach dem letzten Spiel (ein 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart) nimmt Bayern-Kapitän Philip Lahm die Meisterschale in Empfang. Die Freude über den "wichtigsten Titel" der Saison ist natürlich riesig. © picture alliance / dpa
Die traditionelle Bierdusche darf bei den Meisterfeierlichkeiten natürlich nicht fehlen. Daniel van Buyten weiht Pep Guardiola in diese Bayern-Tradition ein. © picture alliance / dpa
Eine Niederlage im Pokalfinale gegen den großen Konkurrenten Borussia Dortmund hätte den Bayern die Saison trotz des Meistertitels verdorben. Aber nicht mit Arjen Robben. Der Holländer erzielt in der Verlängerung das wichtige 1:0 für den FCB. Thomas Müller legt kurz vor Schluss das 2:0 nach. Dadurch feiern die Münchner das 10. Double der Vereinsgeschichte! © picture alliance / dpa
Und Pep Guardiola krönt seine erste Spielzeit als Bayern-Coach mit dem vierten Titel. Kein Wunder, dass er von der kompletten Mannschaft ausgelassen gefeiert wird. © picture alliance / dpa

SID

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