Drei Gegentore in kürzester Zeit

tz-Analyse: Warum bricht Bayern so schnell auseinander?

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Pep war der Verzweiflung nahe.

München - Wie schon 2014 gegen Real Madrid und 2015 gegen den FC Barcelona beging der FCB auch gegen die Gladbacher Borussia eine Art Blitz-Suizid nach dem ersten Gegentreffer. Warum, wird sich Pep Guardiola gefragt haben. Die tz beantwortet diese und weitere Fragen zur ersten Ligapleite der Saison.

Warum brechen die Bayern nach Gegentreffern auseinander?

Ganz einfach: weil sie keine Ruhe bewahren. Liegt der FCB hinten, muss auf Teufel komm raus der Ausgleich her. Heißt: Die Roten geben ihre Ordnung auf und werfen sich geschlossen nach vorne, was im Zweifel alles noch schlimmer macht. „Wir müssen in der Lage sein, aus dem Spiel zu lernen, dass wir nie unsere Kontrolle, unsere Basis verlieren dürfen“, rüffelte Pep seine Spieler daher unmittelbar nach Schlusspfiff. Ein sichtlich angefressener Philipp Lahm fügte an: „Man darf ein Spiel nicht in fünf Minuten herschenken. Dass man Gegentore kassiert und auch mal ein Spiel verliert, gehört dazu. Man muss das Spiel aber nicht gleich in den ersten fünf Minuten drehen.“ Ausschlaggebend: Nach Wendts Führungstreffer verlagerten Javi Martínez und Vidal ihre Positionen nach vorn, was den Fohlen riesige Lücken im Zentrum bescherte. „Wir müssen lernen, dass Siege nicht selbstverständlich sind und Rückschläge in einem Spiel dazugehören“, mahnte Chefmahner Sammer. „Da muss man Ruhe bewahren!“

Wie hat André Schubert das Pep-System geknackt?

Von oben genanntem Selbstzerstörungsmechanismus und den Hundertprozentigen in Hälfte eins mal abgesehen bleibt festzuhalten: Gladbach war auch taktisch gesehen ein harter Knochen, den der FCB letzten Endes nicht knacken konnte. Zu Beginn hatte es Gladbachs Rechtsverteidiger Elvedi nicht leicht gegen den starken Coman, doch kaum hatte sich Korb dazugesellt, ging es bergab mit dem FCB. Die Bayern wurden sehr früh attackiert, auf den Flügeln wurde fleißig hinterlaufen und hinten wurde bei Bedarf aus einer Dreierkette auch eine Vierer- oder Fünferkette – so sah Schuberts Schlüssel gegen den Rekordmeister aus. „Eine sensationelle Leistung“, lobte der Fohlen-Coach sein Team. „Wir haben mit viel Herz, viel Leidenschaft und sehr klug gespielt.“ Vor allem Letzteres.

Warum sprang im Angriff nur so wenig heraus?

Auch wenn Philipp Lahm die Ausfälle von Costa, Alaba, Robben, Thiago und Götze nicht für die Pleite verantwortlich machen wollte – in gewisser Weise waren sie es doch. Der Grund: Ohne die Virtuosen vorne stiftete lediglich Coman ein wenig Unruhe bei der Borussia. Kaum hatten Elvedi und Horn den Franzosen neutralisiert, ging vorne bis auf eine gute Kombination und Flanken aus allen Lagen recht wenig beim FCB. Sammer: „Wenn man seine Chancen in der ersten Halbzeit nicht nutzt, dann ist es möglich, dass man in der zweiten Halbzeit bei einer aktuell so stabilen Mannschaft ein Gegentor bekommt.“ Positiv: In Ribéry gewinnt der FCB einen weiteren Spieler dazu, der gegen diese Art von Mannschaft Gold wert ist.

Kann jetzt jede Mannschaft die Bayern so packen?

Nur wenn Bayern es zulässt. Die beiden Saisonpleiten bei Arsenal London (0:2) und in Gladbach zeigen: Macht der FCB vorne nicht die Dinger und fängt sich eines, findet hinten Tag der offenen Tür statt. „Kühlen Kopf bewahren“, fordert Ribéry. Denn dann geht man nicht 1:3 unter, sondern dreht so eine Partie noch!

José Carlos Menzel Lopez

 

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