Ein Interview macht Hoffnung

Warum Claudio Pizarro noch einmal für Bayern spielen könnte

Auch mit 39 noch fit! Claudio Pizarro kam nur drei Tage nach seiner Verpflichtung in Köln zum Einsatz. Foto: dpa

Es läuft mal wieder nicht bei der Bayern-Reserve. Das hochambitionierte Team von Tim Walter hinkt seinen Ansprüchen hinterher und hat bereits 16 Punkte Rückstand auf Tabellenführer 1860 München. Oft fehlt es der jungen Mannschaft an Erfahrung. Eine interessante Personalie bringt sich jetzt indirekt selbst ins Gespräch.

Es entspricht einfach nicht dem Münchner "Mia san Mia"-Selbstverständnis. Ohne Selbstvertrauen dümpelt die U23 des FC Bayern in dieser Saison durch die Regionalliga Bayern und hängt tabellarisch im grauen Mittelmaß fest. Auf jedes gute Spiel, das die Münchner machen, folgen mindestens ein bis zwei schlechte Leistungen. Der Kader wirkt oft zu unerfahren.

Dabei hatte sich der FCB vor der Saison (wie immer) viel vorgenommen. Endlich sollte der Aufstieg in die 3. Liga gelingen. Der Rekordmeister möchte schließlich eine Reservemannschaft, die auf Profiniveau, die Bayern-Talente entwickeln kann. Mit dem Bau des neuen Nachwuchsleistungszentrums haben die Bayern viel Geld in die Hand genommen, um eben diese Talente herauszubringen. Im Vergleich dazu wurde bei der zweiten Mannschaft etwas gesparrt.

Ganz leicht ist es aber auch nicht. Obwohl die Zweite Mannschaft für den Vorstand eine wichtige Rolle spielt, kann Uli Hoeneß nicht einfach die Brieftasche öffnen und ein Topteam zusammenkaufen. Als Bundesliga-Reserve darf der FCB nämlich nur drei Spieler einsetzen, die über 23 Jahre alt sind. Für die Verantwortlichen ist es somit alles andere als leicht, einen Kader zusammenzustellen, der sowohl jung wie auch schlagkräftig ist.

Doch in Bezug auf die Ü23-Spieler haben die Kaderplaner der Roten vielleicht zu spät reagiert. Aktuell befinden sich im Team nur zwei Spieler, die überhaupt über dem Alterschnitt liegen. Torhüter Andreas Rössl (29) ist dabei nicht mal Stammspieler und so bleibt als ältere Indentifikationsperson nur der 31-jährige Nicolas Feldhahn. Aufgrund von Personalproblemen saß Co-Trainer Tobi Schweinsteiger schon viermal als "Notnagel" auf der Bank. 

Nun hat sich einer zu Wort gemeldet, der bei den Bayern wohl bekannt ist. Im Interview mit spox.com äußerte sich Claudio Pizarro natürlich auch zum FCB. Auf die Frage, ob er nochmal für Bayern auflaufen würde, antwortete der 39-Jährige: "Wo ist der Vertrag? Wo soll ich unterschreiben?"

Zugegeben, die Frage war auf die Erste Mannschaft bezogen und die Antwort vielleicht ein wenig scherzhaft gemeint. Doch Sinn würde eine Rückkehr von Claudio Pizarro in die bayerische Landeshauptstadt schon machen.  

Der Peruaner hat gerade noch einmal einen Einjahres-Vertrag beim 1. FC Köln unterschrieben. Ein Zeichen dafür, dass Pizarro noch voll im Saft steht und bundesligatauglich ist. Doch ewig wird er das Niveau nicht mehr halten können. Die Belastung ist für einen 39-jährigen in der Bundesliga einfach zu hoch. 

Nach dem Jahr ist es also naheliegend, dass sich der sechsmalige Deutsche Meister eine neue Herausforderung sucht. Das Ausland ist vermutlich keine Option. Der Stürmer lebt schon lange in Deutschland und hat hier Familie, die wohl kaum für ein bis zwei Jahre aus ihrem Umfeld gerissen werden möchte.

Und hier kommt der FC Bayern ins Spiel. Pizarro verbrachte seine erfolgreichste Zeit in München und feierte dort 17 Titel. Mit Uli Hoeneß pflegt er eine "sehr gute Beziehung". Für die Erste Mannschaft wird es wohl nicht mehr reichen, doch für die Reserve wäre er die Identifikationsfigur mit eingebauter Torgarantie, die sie braucht. 

Dort könnte er mithelfen die Mission Aufstieg endlich erfolgreich zu gestalten. Denn Qualität hat die Reserve schon. Spieler wie Marco Friedl oder Niklas Dorsch haben ihre Fähigkeiten schon oft unter Beweis gestellt. In schwierigen Situationen wirken aber auch sie ein wenig führungslos.

Mit Pizarro hätten die Bayern einen Traumsturm, der an die aktuelle Offensive des Regionalliga-Spitzenreiters TSV 1860 erinnert. Die Routiniers Mölders, Ziereis und der junge Karger wechseln sich bei den Löwen munter beim Toreschießen ab. FCB-Neuzugang Okyere Wriedt hat in dieser Saison bereits acht Mal getroffen. Manuel Wintzheimer trifft in der U19-Bundesliga nach Belieben und wechselt in der nächsten Saison endgültig in den Herrenbereich. Zu dritt wäre das Trio kaum zu bremsen.

Darüber hinaus würde die Reserve bei den Fans an Beachtung und Identifikation gewinnen. Pizarro war seiner Zeit absoluter Publikumsliebling in der Allianz Arena und auch nach seinem Wechsel wurde sein Werdegang von den Anhängern wohlwollend verfolgt.  In der Saison 2013/14 als die kleinen Bayern in der Relegation unglücklich an Fortuna Köln gescheitert sind, bot der damalige Edel-Joker der Profis bereits seine Dienste für den Aufstiegskampf an. Der damalige Coach Erik ten Hag vertraute aber auf das Personal, mit dem er Meister wurde. 

Dass so ein Schritt nicht ungewöhnlich ist, zeigt ein Beispiel aus dem Ruhrpott. Dort hat sich Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah für die zweite Mannschaft des FC Schalke 04 verpflichten lassen und seinen Legendenstatus noch einmal unterstrichen. 

Klar ist auch, dass so ein Wechsel momentan noch reine Spekulation ist. Vielleicht erlebt der Peruaner in Köln ja seinen x-ten Frühling als Fußball-Profi und beendet die Torflaute der Rheinländer. Doch mit Blick auf die Zukunft müssen die Bayern-Verantworlichen handeln, wenn der Aufstieg in die 3.Liga irgendwann einmal gelingen soll. Ein wichtiger Baustein wäre es, die drei Ü23-Stellen mit qualitativen Spielern zu besetzten. Ein Claudio Pizarro wäre dabei ein erster richtiger Schritt. 

Quelle: fussball-vorort.de

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