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Netzer im tz-Interview: "Was die Bayern getan haben, macht Sinn"

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Man kennt sich: Günter Netzer und Tochter Alana sind gern gesehene Gäste in der Allianz Arena. © imago

München - Ex-Nationalspieler Günter Netzer ist auch nach dem Ende seiner Tätigkeit als Experte der ARD ein gefragter Gesprächspartner. Im tz-Interview spricht er über die Frauen-WM und die Transferaktivitäten des FC Bayern.

Die Entscheidung des DFB in der Causa Michael Ballack will Günter Netzer nicht kommentieren. „Nein, nein, dazu wurde genug geschrieben und gesagt“, wiegelt der 66-Jährige ab. Das Thema nervt Netzer. Auskunftsfreudiger ist die Gladbach-Legenden, wenn es um den FC Bayern geht. Im tz-Interview spricht Netzer über die Einkaufspolitik des Rekordmeisters – und wie er die Frauen-WM in Deutschland verfolgen wird.

Herr Netzer, genießen Sie die fußballfreie Zeit? Oder fiebern Sie schon der Frauen-WM entgegen?

Günter Netzer: Ich bin nicht mehr so hibbelig wie früher. Aber die fußballlose Zeit genießen? Nein, auf keinen Fall, immer noch nicht. Ich freue mich schon wieder auf den Start der Bundesliga. Aber sehr wohl auch auf die Frauen-WM.

Wie werden Sie die Titelkämpfe in Deutschland verfolgen?

Netzer: Ich werde bei einigen Spielen live dabei sein. Das wird eine sehr tolle Verantstaltung, die unserem Land sehr gut tun wird. Man wird auch sehen, wie sehr sich der Frauen-Fußball entwickelt hat, vor allem hier in Deutschland. Das konnte ich in einigen Begegnungen bereits erkennen. Es wird sehr schön zu sehen sein, wie sich die Frauen in unserem Land bewähren werden.

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Wie beurteilen Sie die Transferaktivitäten des FC Bayern?

Netzer: Was die Bayern bisher getan haben, macht Sinn. Manuel Neuer ist ohne Zweifel eine großartige Verpflichtung, die den Bayern auf dieser Position Ruhe verschafft. Da gibt es viele Jahre keinen Diskussionsbedarf mehr. Jerome Boateng wäre eine sehr gute Verpflichtung.

Warum genau?

Netzer: Erstens ist er jung. Dazu fehlt es bei Bayern in der Innenverteidigung, er könnte eine Lücke schließen, wenn er sich weiterhin so entwickelt. Boateng hätte das Kaliber, die Abwehrschwäche der Bayern im Zentrum zu beheben.

Wie denken Sie über den Transfer von Rafinha, der lange Problemkind auf Schalke war?

Netzer: Eine gute Verpflichtung mit Einschränkungen. Er ist immer ein bisschen gefährdet, dass er Dinge macht, die nicht in ein Mannschaftsgefüge gehören – all diese Dinge, die Brasilianer eben manchmal im Kopf haben. Ich hoffe, dass man ihm seine Flausen austreibt und er sich bei Bayern diszipliniert, die Bayern ihn disziplinieren können. Das wird bei einem großen Verein sicher auch anders gehandhabt als woanders. Von der Qualität her ist er aber ohne Frage eine gute Verpflichtung.

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War es richtig, Miroslav Klose abzugeben?

Netzer: Das sind die Lebensplanungen von Miroslav Klose, der glaubt, noch einen Zweijahresvertrag bekommen zu müssen. Es ist verständlich, dass die Bayern das nicht so recht wollten. Bayern konnte ihm einfach keinen Zweijahresvertrag mehr geben, deswegen hat Klose diesen Schritt gemacht.

Aber ist Lazio Rom der richtige Verein für einen deutschen Topstürmer?

Netzer: Lazio Rom ist sicher nicht das Aushängeschild Italiens. Es wird nicht einfach werden für Klose. Er wird als Sturmspitze meist Einzelkämpfer sein, die Mannschaft ist zudem nicht so gefestigt, Lazio ist keine Topadresse. Seine Lebensplanung waren zwei Jahre, die hat er in Rom bekommen – da kann man Miroslav Klose nun wirklich nur viel Glück wünschen.

Sollte Vidal kommen?

Netzer: Es sind schon unglaublich viele Mittelfeldspieler bei Bayern vorhanden. Aber Vidal ist vielseitig verwendbar. Bedarf an erstklassigen Spielern ist immer da. Man muss nur schauen, dass es nicht irgendwann zu viele Superstars werden.

Muss Bastian Schweinsteiger 2011/2012 mehr zeigen?

Netzer: Seine Fähigkeiten sind herausragend. Aber er wird selbst merken, dass er nachgelassen hat. Schweinsteiger wird, auch bei den ganzen Transfers, anziehen und Gas geben müssen. Er hat alle Fähigkeiten, dies zu tun. Dann ist sein Platz sicher nie gefährdet. Es sei denn, er spielt über einen längeren Zeitraum schlecht.

Kann Jupp Heynckes alle Stars bei Laune halten? Kehrt mit ihm wieder Ruhe ein?

Netzer: Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Man kennt sich untereinander. Dass sie Ruhe haben, ist gewährleistet. Den Erfolg müssen sich die Bayern trotzdem erst einmal erarbeiten.

Interview: Tobias Altschäffl

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