Er nutzt seine Chancen nicht

Was ist nur mit Mario Götze los?

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Besser als Lionel Messi? Der hochveranlagte Mario Götze steht gegen Barcelona in der Bringschuld.

München/Barcelona - Es ist ein Reizthema beim FC Bayern. Mario Götze bekommt seine Chancen beim Rekordmeister und nutzt sie nicht. Wo ist der Held von Rio?

In Bildern stecken Botschaften, und dieses Motiv ist ein Wandgemälde an Entschlossenheit: Der Trainer fletscht die Zähne, der Spieler an seiner Seite, der gleich eingewechselt wird, hat Großes im Blick. Sein Oberkörper ist gekrümmt, als setze er zum Sprung an, in seine Stirn fällt eine widerspenstige Haarsträhne. Mario Götze sieht auf diesem Bild fast verwegen aus. Minuten später wird er Geschichte schreiben. Er schießt das 1:0 im WM-Finale von Rio de Janeiro. Deutschland ist Weltmeister.

Zehn Monate später sieht Mario Götze, 22, kein bisschen verwegen aus. Er sieht immer gleich aus, auf dem Platz wie außerhalb, im Blick nichts Großes, gewiss auch nichts Kleines – aber einfach immer wie ein XXL-Poster für den Starschnitt einer Teenie-Zeitschrift. Die Leute fragen sich: Wie kann das sein? Götze gibt Rätsel auf, immer mehr, immer öfter. Wüsste man es nicht besser, würde man sagen, er habe er den WM-Helden in Rio gelassen.

Eigentlich hatte es im Spätsommer durchaus den Anschein, als wäre der Treffer in der 113. Endspiel-Minute gegen Argentinien der Durchbruch gewesen. Götze ließ sein maues erstes Münchner Jahr mit Toren in Serie vergessen, doch sein Höhenflug endete abrupt im herbstlichen Sauwetter. Seitdem ist der Held von Rio verschütt. Dabei bräuchten die Bayern am Mittwochabend beim FC Barcelona nichts dringender als Helden. Es ist aber nicht einmal sicher, dass Götze spielt. Tendenz: eher nicht.

Ist das Final-Tor eine zu schwere Hypothek? Helmut Rahn, Gerd Müller und Andreas Brehme erzielten die deutschen WM-Siegtreffer auf ihrem Zenit, Götze hingegen erreichte den Gipfel mit Anfang 20. Rio steht für den deutschen Fußball-Olymp, doch momentan sieht es aus, als hätte Götze sich damals, am Zuckerhut der brasilianischen Metropole, vor allem die Fallhöhe geschaffen, die er nun ausmisst. Wird er sich noch einmal aufschwingen?

Diese elementare Frage begleitet ihn bis nach Barcelona, zwischen die Berge Montjuic und Tibidabo. Über 8500 Kilometer Luftlinie trennen Rio von Katalonien – und ähnlich weit scheint der Götze aus dem WM-Endspiel von dem jungen Mann entfernt, dem gestern beim Aussteigen aus dem Flieger der Wind mächtig ins Gesicht blies.

Götze ist schwer zu begreifen. These eins: Er ist verunsichert. Das dürfte aber nicht sein, denn nur Robert Lewandowski und Juan Bernat haben diese Saison mehr Einsätze (je 44, er folgt mit Thomas Müller mit 43). These zwei: Er passt nicht ins System von Pep Guardiola. Auch das hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand – er hat in der Regel einen festen Platz im Team, nur setzt er da kaum Akzente. These drei: Er ist überschätzt. Aber wie kann man so was sagen, wenn einer eines der schönsten Tore in der WM-Historie erzielt hat?

Bei Nachfragen werden die Bayern zornig. Paul Breitner etwa reagierte vor dem Abflug gestern energisch beim Thema Götze. „Nebensächlich, unnötig und blöd“ sei die Diskussion um den kriselnden Nationalspieler, „so eine Diskussion bringt nur einen Wurm rein, den es gar nicht braucht“. Das Dumme ist nur: Irgendwo ist der Wurm bei Götze drin, schon länger.

Das letzte Tor hat er beim 7:0 gegen Donezk geschossen, dabei ist er der einzige Münchner, der in den vergangenen 15 Spielen zum Einsatz gekommen ist. 13 Mal stand er sogar in der Startelf, und in den K.o.-Spielen kam er in dieser Saison sogar stets von Beginn an dran. Im vergangenen Sommer war einer der Vorwürfe an Guardiola in der Abschlussbilanz, er habe es versäumt, für Götze einen Platz und die richtige Ansprache zu finden. In diesem Jahr ist der Katalane zumindest frei von Schuld, was die Möglichkeiten angeht, die er dem 37-Millionen-Einkauf eingeräumt hat. Es liegt nun längst an Götze, den Schritt zu machen, dem ihm die Fußballwelt schon seit Jahren zutraut – hinein in die Riege der Lionel Messis dieser Welt.

Es gibt einen Satz, der ihn verfolgt, eine Manifestation aller Erwartungen in diesen Fußballer, und womöglich zerbricht er daran. „Zeig' der Welt, dass du besser bist als Messi!“ Neun Worte, die ihm ins Ohr geraunt wurden, ehe er im WM-Finale losgelassen wurde. Joachim Löw hatte sie ausgesprochen, und während seiner Ansprache fletschte er die Zähne. Das Motiv und der Satz gingen danach um die Welt. Und Mario Götze ist seitdem damit beschäftigt, hinterherzuhecheln.

Von Andreas Werner

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