FCB für ihn "klarer Favorit"

tz-Interview: Watzke über Bayern, Reus, di Maria

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Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke (rechts) mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Dortmund - Im großen Interview mit der tz spricht Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke über den FC Bayern, Financial Fairplay, Real Madrid, PSG und RB Leipzig.

Man hätte ein Sakko erwartet, zumindest ein Hemd, vielleicht eine Jeans. Hans-Joachim Watzke aber kommt im Trainingsanzug, denn „den tragen wir hier alle den ganzen Tag“, sagt der Geschäftsführer von Borussia Dortmund und macht es sich im Ledersofa bequem. Nur weil dieser Flügel des noblen Grand Resort Hotel im schönen Heidiland ziemlich schick daherkommt und seine Gäste in der Regel auch, macht der BVB-Boss jetzt keine Ausnahme. Es geht doch sowieso um Fußball in der nächsten Stunde mit der tz. Das Interview mit Bayerns ärgstem Verfolger!

Herr Watzke, der BVB bereitet sich zum vierten Mal in Folge in der Schweiz auf die Saison vor. Beschwören Sie den Geist von Bad Ragaz herauf?

Watzke (lacht): Wir sind immer Erster oder Zweiter geworden, wenn wir hier waren. Nennen wir es also mal gutes Omen. Was zählt, sind die Bedingungen, und die sind hier einfach top!

Der FC Bayern ist in die USA geflogen, auch andere Vereine sind in Übersee unterwegs. Warum nicht der BVB?

Watzke (lacht): Ich finde das zunächst mal gut, was die Bayern im Zuge der Internationalisierung machen. Aber es gibt auch immer eine Abwägung – zwischen ökonomischen Interessen und einer optimalen Vorbereitung. Wir haben beschlossen, so eine Reise in diesem Jahr nach der Weltmeisterschaft nicht zu machen.

Das heißt, Ihnen ist die sportliche Situation im Moment wichtiger.

Watzke (lacht): In diesem Moment ja. Aber wir wissen, dass wir die Nummer zwei in Deutschland sind und eine gewisse Verantwortung gegenüber der Liga haben. Wir werden im nächsten Sommer sicher auch eine weitere Reise unternehmen, um die Bundesliga im Ausland zu vertreten.

Ist die Kritik am engen Terminplan seitens des FCB vor dem Hintergrund der selbst gewählten weiten Reise auch etwas übertrieben?

Watzke (lacht): Das glaube ich nicht. Da ging es mehr darum, dass die Spieler in sehr unterschiedlichen Zyklen zurückkommen und man unterschiedliche Fitnesszustände innerhalb der Mannschaft hat. Natürlich wusste man das auch vorher, außerdem hat Bayern dafür schon seit Jahren den Kader. Aber es ist auch legitim, dass man darauf hinweist. Man muss ihnen einfach zugestehen, dass sie zu dem WM-Titel, der ganz Deutschland gefreut hat, von allen Klubs am meisten beigesteuert haben.

Und wie die Statistik zeigt, hat der FCB nach WM-Turnieren schwächere Spielzeiten gehabt.

Watzke (lacht): Ja, aber das ist doch alles Schnee von gestern. Als einer, der die Liga praktisch seit der Gründung genau verfolgt und studiert hat, weiß ich, dass da 1974 nach der WM 14 gleichwertige Spieler im Kader standen und dass man dann natürlich…

Moment: Auch nach den letzten beiden Weltmeisterschaften 2006 und 2010 wurde Bayern nicht Meister.

Watzke (lacht): Das ist richtig. Aber es hatte auch nicht jedes Mal etwas damit zu tun. Pep Guardiola hat gesagt, dass er beim FC Barcelona völlig andere Erfahrungen gemacht hat. Und Bayern hat viele Leistungsträger, die gar nicht dabei waren in Brasilien: Lewandowski, Alaba, Ribéry – wir kennen sie alle. Ich glaube das also alles nicht, für mich ist Bayern München wieder klarer Favorit.

Dass Sie selbst keine Kampfansage auspacken, damit hatten wir gerechnet. Aber wie fühlt es sich an, selber attackiert zu werden? Aus Leverkusen kommen klare Signale.

"Wir haben nie zur Jagd auf irgendjemanden geblasen"

Watzke: Auch das haben wir uns erarbeitet. Nach den ersten beiden Meisterschaften kamen die Attacken eher aus München, jetzt sind wir in der Position zwischen den Bayern und dem Rest der Top-Klubs. Und aus dieser Position heraus würde ich es auch so machen, schließlich wären auch Leverkusen, Schalke oder Wolfsburg gern mal wieder Zweiter. Es wäre ein gefühlter Erfolg für alle, wenn sie uns mal wieder ein Jahr lang hinter sich hätten. Deswegen ist das legitim, auch wenn wir das verbal nie gemacht haben. Wir haben nie zur Jagd auf irgendjemanden geblasen, weil es einfach nichts bringt – außer vielleicht mediale Aufmerksamkeit. Aber die brauchen wir nicht.

Leverkusen schon?

Watzke: Das will ich nicht beurteilen.

Leverkusen hat sich die Sponsorengelder der nächsten drei Jahre ausbezahlen lassen. Clever im Jahr nach der WM…

Watzke: Das muss jeder Klub für sich entscheiden. Grundsätzlich halte ich nichts davon, dass der BVB sich vorab etwas ausbezahlen lässt. Das hatten wir hier alles schon mal vor ein paar Jahren. Ich bin ein Freund davon, nur die periodischen Einnahmen zu verplanen.

Dann kommen wir zu Real Ma­drid und James Rodriguez: Was haben Sie gedacht, als er für 80 Millionen nach Spanien gewechselt ist?

Watzke: Ich habe gedacht, Florentino, du bist ein glücklicher Mensch! Wir hätten den auch noch genommen (lacht). Aber Fakt ist: Real Madrid ist der größte Klub der Welt, und die 80 Millionen Euro kriegen sie auch wieder rein. Man muss auch sehen, wen sie verkaufen. Da könnte auch jetzt noch was passieren.

Sie meinen, Di Maria verlässt den Klub noch. Richtung BVB?

Watzke: Eher unwahrscheinlich. Aber genau das meinte ich, ja. Real wird seriös geführt, macht eine halbe Milliarde Euro Umsatz.

Anders als Paris oder Manchester City?

Watzke: Ja, das ist was völlig anderes. Gegen die Ausgaben dieser Vereine stehen keinerlei Einnahmen. Da muss das Financial Fairplay weiter zuschlagen. Bei beiden sehe ich aber bereits ein etwas dezenteres Kaufverhalten als zuletzt. Wir in Deutschland können das sowieso mit Gelassenheit sehen, unsere Wettbewerbssituation wird sich verbessern. Aber grundsätzlich sollte es nicht mehr darum gehen, wer den größten Geldgeber, den größten Staatsfonds hinter sich hat. Beim Geld ist es so, dass du es dir auch verdient haben solltest. Wenn du es kriegst, ohne selber etwas dafür getan zu haben? Nein, eine Leistung muss dahinterstehen.

Wie sehen Sie dann die Rolle von RB Leipzig?

Watzke: Als Sonderfall. Man kann das nicht mit den herkömmlichen Maßstäben messen.

Aber haben Sie nicht Leipzig kritisiert!

Watzke: Ich habe oft kritisiert, dass Klubs, die eine eindimensionale Struktur haben, keine Leute bewegen, keine Fanscharen. Dietrich Mateschitz aber hat sehr klug den Standort Leipzig gewählt, einen Ort, der förmlich nach Fußball schreit. Man hat seit Jahrzehnten gesehen, dass der ganze Osten ohne externe Hilfe wahrscheinlich keinen dauerhaften Bundesligafußball bekommt.

Ist das Modell dadurch zu legitimieren?

Watzke: Darum geht es mir nicht, für diese Frage ist die DFL zuständig. Und wenn sie nach Prüfung aller Fragen die Lizenz erteilt, dann wird das seine Richtigkeit haben. Ich sage nur, es ist ein Sonderfall, weil dort Fußballbegeisterung und -kultur herrscht.

Leipzig ist anders gelagert als Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim?

Watzke: Das Entscheidende ist: Der Klub muss sich irgendwann selbst tragen und darf nicht am Tropf von Herrn Mateschitz hängen. Aber wenn es überhaupt einen Standort gibt, an dem man so ein Projekt mittelfristig über klassische Einnahmen refinanzieren kann, dann ist es der Osten Deutschlands.

Heißt im Umkehrschluss: Hoffenheim wird sich nicht selbst tragen.

Watzke: Das habe ich nicht gesagt. Hoffenheim hat aber auch nicht den Anspruch, ganz schnell international zu spielen und deutscher Meister zu werden.

Man könnte meinen, Sie haben sich von Hoffenheim überzeugen lassen.

Watzke: Nein. Überhaupt nicht.

Aber Ihre Meinung dazu war vor ein paar Jahren noch deutlich schlechter.

Watzke: Ich glaube, dass man dort vor Jahren mit brachialerer Gewalt den Erfolg gesucht hat, das scheint heute im Profibereich anders zu sein.

Im Moment scheint das Verhältnis zwischen DFB und DFL harmonisch wie nie.

Watzke: Das ist so, definitiv. Und nehmen wir die WM, da ist man auf Spielerseite noch mehr zusammengerückt. Ich wüsste jetzt aber nicht, warum sich mein Verhältnis zu meinen Liga-Konkurrenten verändert hätte. Da gibt es ja keinen Grund, wir hatten keine gemeinsamen Erlebnisse oder so etwas. Wir sind Konkurrenten, da sollte man sich respektieren. Aber du musst dir nicht jeden Tag auf die Schulter klopfen.

Wie sieht es denn aktuell bei Ihnen und Herrn Hopfner aus?

Watzke: Der Stand ist der gleiche wie vor dem Pokalfinale.

Wird es beim anstehenden Supercup ein Treffen geben? Eine Einladung Ihrerseits?

Watzke: Es ist keine Veranstaltung von uns, sondern eine der DFL. Wir saßen gerade erst in Berlin zusammen und brauchen das nicht alle vier Wochen. Das ist nicht nötig.

Gibt es in Ihrem Kopf schon Pläne für eine Nachfolge von Marco Reus?

Watzke: Nein, nicht einen.

Muss man sich nicht vorbereiten?

Watzke: Wenn wir es täten, würden wir es Ihnen nicht sagen. Problematisch wäre es, wenn unsere Spieler für niemanden mehr interessant wären. Dann hätten wir mindestens eine miese Saison gespielt.

Aber Sie würden ruhiger schlafen, wenn keine Ausstiegsklausel im Spiel wäre, oder?

Watzke: Wenn es bei einem Spieler eine Ausstiegsklausel geben sollte, ist ja immer die Frage: Hättest du damals auf den Spieler verzichten sollen, unter der Prämisse, dass alle anderen Klubs ihm diese gestattet hätten? Insofern erkenne ich kein Problem. Selbst Bayern hat 40, 50 Jahre damit leben müssen, dass mal jemand geht. Zuletzt sogar Toni Kroos.

Wie haben Sie den Einstand von Robert Lewandowski beim FC Bayern gesehen?

Watzke: Robert ist für jede Mannschaft der Welt eine Verstärkung. Er ist ein super Profi, der sich in Dortmund zu dem entwickelt hat, der er heute ist. Man muss aber fairerweise sagen, dass Bayern auf dieser Position auch vorher nicht schlecht aufgestellt war. Ein Mandzukic hat ja auch ab und zu getroffen.

In München heißt es, man bedient sich nicht bei Spielern von Borussia Dortmund, nur um den Verein zu schwächen.

Watzke: Ich höre das. Ob ich das dann glaube, ist eine andere Sache. Aber mehr braucht man dazu nicht zu sagen.

Interview: M. Knippenkötter

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