Breitenreiter freut sich auf Gastspiel

"Wenn die Arena rot leuchtet und ausverkauft ist ..."

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München - André Breitenreiter ist ein zielstrebiger, selbstbewusster Trainer – und hat nicht mal vor den Bayern Angst. Der Paderborn-Coach freut sich auf das Duell.

An den FC Bayern hat André Breitenreiter, 40, beste Erinnerungen. Am 17. September 1994 schoss der damals 20 Jahre alte Stürmer im voll besetzten Olympiastadion sein erstes Bundesligator für den HSV. Lothar Matthäus erzielte kurz vor dem Abpfiff per Foulelfmeter den Treffer zum 1:1-Endstand. „Matthäus getunnelt, lange Ecke gegen Kahn“, blickt der der Trainer des Sensationsaufsteigers SC Paderborn zurück: „Ich habe immer gerne gegen Bayern gespielt und war dabei immer besonders motiviert.“

Das gilt gewiss auch am heutigen Dienstag, wenn der frühere Unterhaching-Profi (1999 bis 2002) wieder mal in München vorbeischaut – als Trainer des Bundesliga-Spitzenreiters SC Paderborn. Das Überraschungsteam der Liga muss in der Allianz Arena seinen schwersten Härtetest bestehen: gegen den punktgleichen Meister FC Bayern, der aber wegen der schlechteren Tordifferenz nur Vierter ist, drei Plätze hinter dem Klub mit dem kleinsten Stadion (für 15 000 Zuschauer) und dem kleinsten Etat (15 Millionen Euro) der Liga.

Für Breitenreiter ist es die bisher aufregendste Dienstreise einer Saison, in der die Paderborner alle Welt mit ihrem couragierten Fußball verblüfft haben. Das Stadion kennt Breitenreiter ja schon von Zweitliga-Duellen mit dem TSV 1860, doch diesmal ist der Zauber noch größer, „wenn die Arena rot leuchtet und ausverkauft ist“. Das ist sie natürlich bei diesem Topspiel des fünften Spieltags, in dem die Paderborner „nicht nur zum Trikottauschen“ da sein wollen, wie Breitenreiter sagt. „Auch in München wollen wir Vollgas geben“, hebt der Trainer, ohne dabei angeberisch zu wirken, hervor.

Breitenreiters Spieler, die engsten Verbündeten ihres Chefs, haben ein Erfolgserlebnis hinter sich, das 2:0 über Hannover 96, gekrönt durch das 83-Meter-Rekordtor von Moritz Stoppelkamp, der wie sein Trainer München gut kennt als ehemaliger 1860-Profi. Gleichwohl tritt Breitenreiter mit seiner Elf aus elf deutschen Spielern erstmals nach der Devise an, die der Trainer zum Leitmotiv gemacht hat. „Wir sind der krasseste Außenseiter aller Zeiten“, sagt der aus Hannover stammende Niedersachse immer wieder und redet seine Paderborner damit bewusst kleiner als sie sich selber von vornherein einschätzten.

Da dieser Trainer ein selbstbewusster Mann ist und sich mit seiner festen Stimme und Überzeugungskraft auf Anhieb den Respekt erwarb, den er in Paderborn und der zweiten Liga Woche für Woche ausbaute, fällt es ihm auch nicht schwer, in seiner Bundesliga-Zweitkarriere umstandslos Fuß zu fassen. Schließlich scheint dieser André Breitenreiter alles, was er anpackt, ruckzuck hinzubekommen. Er, der vom Regionalligist TSV Havelse nach Paderborn kam und sich dort auf seiner ersten Trainerstation im Profifußball sogleich mit einem No-Name-Team in die erste Liga katapultierte, ist ein Fortschrittsbeschleuniger wie nur wenige Kollegen in seiner Szene. Dabei ist Breitenreiter seinem Selbstverständnis gemäß bodenständig geblieben. Er nennt die Dinge beim richtigen Namen und will deshalb auch nichts vom „Wunder“ Paderborn wissen, wenn er die Momentaufnahme Platz eins in der Bundesliga oder die Erfolgsgeschichte vom Aufstieg eines Klubs erzählen soll, der in Ostwestfalen zuvor stets im Schatten des traditionsreichen DSC Arminia Bielefeld stand. „Wir haben im vergangenen Jahr viele Spieler viel besser gemacht“, sagt Breitenreiter über die qualitative Klasse seines Kaders, „wir glauben an die eigenen Stärken und die Spielintelligenz dieser Mannschaft. Die Spieler wissen, wie sie in verschiedenen Systemen zu agieren haben.“

Per kollektivem Lernprozess die individuelle Handlungsvollmacht stärken, das ist Breitenreiters Stil, orientiert mal am Balleroberungsfußball der Dortmunder Art, mal am Ballbesitzfußball der Münchner Schule. Dass das Ganze auf gerade mal einem Trainingsplatz im Herzen der kleinen Großstadt Paderborn eingeübt worden ist, hat die erstklassige Ausbildung der Breitenreiter-Schüler nicht beeinträchtigt. Es sind, wie der Trainer, großenteils Profis, deren Talent anderswo übersehen wurde oder nicht zur Blüte reifen konnte. Dass seine Mannschaft trotzdem noch weit entfernt ist von den Großen der Bundesliga, weiß Breitenreiter. „Für uns geht es ausschließlich um den Klassenerhalt“, sagt der Übungsleiter, „wenn auch nur irgendwo ein paar Prozentpunkte wegbrechen, werden wir chancenlos sein.“

Die acht Punkte aus vier Spielen, die der Sportclub vor dem speziellen Gipfeltreffen eingesammelt hat, hält Breitenreiter für viel wichtiger als die „schöne Momentaufnahme“ Tabellenführung. Weil sie dem Sportclub im Kampf gegen den Abstieg niemand mehr wegnehmen kann. Nicht einmal die Bayern.

Roland Zorn

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