"Wenn der Erfolg fehlt, fliegen Klinsi die Buddhas um die Ohren"

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Fliegende Buddhas an der Säbener Straße? Für Klaus Augenthaler ist das nicht auszuschließen.

Klaus Augenthaler war einer der erfolgreichsten Bayern-Spieler aller Zeiten.

404 Spiele (52 Tore) bestritt „Auge“ als Abwehrriese von 1976 bis 1991 für die Roten und wurde dabei siebenmal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Der Ex-Kapitän und ehemalige Trainer von Graz, Nürnberg, Leverkusen und Wolfsburg ist als österreichischer Nationaltrainer im Gespräch. Im tz-Interview spricht er über Klinsmann, Kontrolle und Kapitäne.

Training mit 15.000 Fans

Die Spieler Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Lukas Podolski und Tim Borowski vom FC Bayern sowie vier Models und vier Kinder präsentieren in der Allianz-Arena die neuen Trikots des FC Bayern München. Die neue "Dienstuniform" der Bayern ist Dunkelblau für die Auswärtsspiele und Weiß für die Heimspiele. © dpa
Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger mit einem Model im neuen Bayern-Trikot. © dpa
Zwei Models präsentieren in der Münchner Allianz-Arena das neue Heimtrikot des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München. © dpa
Lukas Podolski (l) und Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern in den neuen Trikots des Rekordmeisters. © dpa
Trainer Jürgen Klinsmann (M) vom FC Bayern München und die Spieler (l-r) Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Lukas Podolski und Tim Borowski in den neuen Trikots. © 
Klinsi begrüßte gut gelaunt die Fans. © Sampics
Auch Franck Ribéry tauchte überraschend beim Showtraining in der Arena auf. © Sampics
Das erste Training vor Publikum in den neuen Trikots auf dem Rasen der Münchner Allianz-Arena. © dpa
15. 000 Fans sahen die offizielle Eröffnung der Saison 2008/2009. © Sampics
Rund 15. 000 Fans kamen in die Allianz Arena, um den Bayern beim Training zuzuschauen. © Sampics
Rund 15. 000 Fans kamen in die Allianz Arena, um den Bayern beim Training zuzuschauen. © Sampics
Rund 15. 000 Fans kamen in die Allianz Arena, um den Bayern beim Training zuzuschauen. © Sampics
Rund 15. 000 Fans kamen in die Allianz Arena, um den Bayern beim Training zuzuschauen. © Sampics

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Wie beurteilen Sie aus der Ferne den neuen FC Bayern nach der Klinsi-Revolution?

Augenthaler:Ich habe gehört, was bei Bayern entstanden ist, mit den Lounges und und und… Das war ja schon bei der WM 2006 so, als das Hotel umgebaut wurde. Das fand ich sehr gut. Denn ich kenne ja die ganzen Geschichten, ob Malente oder Sportschule Kaiserau – da ist das Ganze jetzt natürlich viel angenehmer. Automatisch bessere Leistungen gibt es deswegen nicht. Aber wenn wir uns wohlgefühlt haben, nicht ständig im Kopf hatten, dass das Bad zu klein oder die Dusche kalt ist, brachte das schon etwas.

Das Quartier vor den Heimspielen wurde auch abgeschafft. Eine gute Idee?

Augenthaler: Ich hab’ das auch das ein oder andere Mal in Wolfsburg, Leverkusen oder Graz umgeändert. Es gibt immer zwei Seiten. Vielleicht sind Spieler dabei, die ein Kleinkind zu Hause haben, das nachts nervt. Oder es sind junge Spieler dabei, die Freunde nach Hause einladen. Da weißt du nie 100-prozentig, was los ist, wer sich professionell vorbereitet. Aber man geht jetzt dazu über, den Spielern mehr Selbstverantwortung aufzuerlegen – und da gehören solche Maßnahmen dazu.

Kann man der heutigen Spielergeneration dieses Maß an Verantwortung zutrauen?

Augenthaler:Man muss ihnen wieder mehr Selbstverantwortung geben! In den letzten zehn, 15 Jahren wurden den Spielern ja alles abgenommen. Reisebuchungen, Wohnungssuche, Autos anmelden, alles. Die Spieler müssen selbstständig durchs Leben gehen können.

Gerade der FC Bayern ist für diese Rundumversorgung bekannt.

Augenthaler:Eigentlich alle Bundesliga-Vereine wollen so viel wie möglich abnehmen. Dabei denke ich, dass man die Kleinigkeiten des normalen Lebens auch selbst bewältigen kann.

Was halten Sie vom Acht-Stunden-Tag?

Augenthaler:Das ist doch okay, wenn’s nur in der Vorbereitung ist. Das sind doch Profis. Es gibt ja auch Pendler, die 400 Kilometer fahren, die ganze Woche in München sind und einen Acht-Stunden-Tag auf der Baustelle haben. Da jammert auch keiner.

Wie viel können die neuen Methoden, beispielsweise das Auditorium, zum Erfolg beitragen – und wie viel hängt tatsächlich von der Arbeit auf dem Platz ab?

Augenthaler:Das hängt zusammen. Die Aufgabe von Jürgen Klinsmann, ist es, auch jetzt den goldenen Mittelweg zu finden. Gerade das Auditorium finde ich nicht so schlecht. Ich hatte in Leverkusen fünf Brasilianer, in Wolfsburg vier Argentinier. Die habe ich während den Besprechungen oft gefragt, ob sie mich verstehen. Sie haben genickt. Dann habe ich nachgefragt, was ich gesagt hatte – und sie hatten es doch nicht richtig verstanden. Durch diese Übersetzung hat keiner mehr ein Alibi. Jeder weiß, was der Trainer verlangt.

Kann man es mit den neuen Methoden auch übertreiben?

Augenthaler:Es gilt eben, den Mittelweg zu finden. Ich habe jetzt auch mit Kollegen über die neuen Trends diskutiert. Klar braucht man Spezialisten. Aber ich weiß nicht, ob so ein großer Trainerstab nötig ist. Das mag vielleicht beim American Football funktionieren, dass man in Gruppen trainiert – aber im Fußball? Das hat Berti Vogts schon in Leverkusen probiert, aber es hat auch nicht so funktioniert. Das Entscheidende ist, dass Erfolgshunger und Leidenschaft da sind, dass die Mischung und die Qualität stimmt – unabhängig von den Buddhas…

Was hätten Sie früher gesagt, wenn nach dem Urlaub Buddhas an der Säbener Straße gestanden wären?

Augenthaler:Es wird sich keiner an den Buddhas stören. Wenn der Erfolg nicht da ist, werden Klinsmann die Buddhas um die Ohren fliegen. Wenn der Erfolg da ist, waren’s eben die Buddhas.

Eine wichtige Frage vor Saisonstart ist die des Kapitänsamts. Sie waren lange genug Bayern-Spielführer. Welche Anforderungen müssen erfüllt werden?

Augenthaler:Ich wollte ja eigentlich nie Kapitän werden. Ich hatte das Problem auch in Wolfsburg – da wollten fünf oder sechs Mann Kapitän werden, aber ich habe gesagt: Ich brauche gar keinen. Dann habe ich einfach einmal 15 Kapitänsbinden in die Kabine gelegt und gesagt: Jetzt kann sich jeder eine nehmen. Entscheidend ist, dass ich eine Achse im Team habe mit sechs, sieben gestandenen Spielern. Dann ist egal, wer die Binde trägt.

Dennoch ist die Kapitänsbinde ein Machtsymbol.

Augenthaler:Ich habe mich nie als Machtmensch gefühlt, nur weil ich sieben Jahre bei Bayern die Spielführer-Binde getragen habe. Ich hatte einfach die Unterstützung von einem Hoeneß, einem Lerby, einem Dremmler. Der Kapitän muss Leistung bringen, bei den Fans einen Stellenwert haben und mit der Presse gut auskommen.

Wer ist aktuell dafür geeignet? Lahm als Münchner?

Augenthaler:Der Fan ist nicht mehr so wie vor 15 Jahren, dass er sagt: Hauptsache wir haben möglichst viele Bayern in der Mannschaft. Der Fan sieht die Leistung. Es kann ein Lahm sein, es kann auch ein van Bommel sein.

Muss der Kapitän fließend Deutsch sprechen, oder wäre auch Lucio der Richtige?

Augenthaler:Lucio hat ja keine Probleme mit der Sprache, sondern nur Angst, einen Fehler zu machen. Ich habe Lucio in Leverkusen auch mal die Kapitänsbinde gegeben, und plötzlich hat er ein ganz anderes Engagement gezeigt. Für die Brasilianer ist es eine Ehre, die Binde zu tragen. Lucio ist ein guter Kandidat. Für ihn wäre das Amt ein richtiger Motivationsschub.

Interview: Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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