Wiggerl Kögl über Porto

"Bayern ist Favorit - wie damals..."

+
Ludwig Kögl, Ex-Bayernstar, 49.

München - Wiggerl Kögl war dabei beim Drama in Wien, als Porto dem FC Bayern ein Trauma auf Jahre verpasste. Mit der tz sprach er über das damalige Spiel und den Unterschied zu heute.

Porto gegen Bayern. Da werden bei einem ganz besondere Erinnerungen wach. Der kleine Wiggerl Kögl hatte im Europacup-Finale der Landesmeister 1987 in Wien die Roten mit einem Kopfballtor (!) gegen die Portugiesen in der ersten Halbzeit in Führung gebracht, am Ende war’s nichts wert: Porto gewann mit 2:1. Die tz sprach mit Kögl, der heute unter anderem auch Thomas Müller als Berater dient, über den Abend von Wien, das Schweben zwischen Himmel und Hölle und darüber, ob ihm das Ganze fast 28 Jahre später immer noch zu schaffen macht.

Haben Sie mittlerweile alles gut verkraftet, Herr Kögl?

Kögl: Also ein Trauma habe ich deswegen sowieso nie gehabt. Mir geht’s gut. Damals habe ich mich natürlich furchtbar geärgert. Weniger, weil mein Tor nicht gereicht hat, sondern vor allem deswegen, weil es ja nicht alltäglich ist, dass du den Europacup der Landesmeister gewinnen kannst. Der letzte Titel für den FC Bayern war ja damals auch schon elf Jahre her.

Ungewöhnlich war auf alle Fälle, dass Sie ein Kopfballtor erzielt haben. Und dann noch aus vierzehn Metern. Ihr einziges in der Profikarriere per Kopf? Ihre Stärke als Außenstürmer waren ja eigentlich Dribblings und Flanken.

Kögl: Nein, nein. Ich habe drei Kopfballtore erzielt. Das eine im Europacup-Finale, eins in der Bundesliga und eins im Pokal. Schön verteilt.

Ist Bayern einfach zu siegessicher ins Finale gegangen? Nur Hildegard Lattek, die Frau eures damaligen Trainers, gab vor dem Spiel zu, dass sie „ein ganz schlechtes Gefühl“ habe…

Kögl: Wir waren natürlich ganz klarer Favorit, nachdem wir im Halbfinale Real Madrid ausgeschaltet haben. Und wer wusste damals schon irgendwas mit dem FC Porto anzufangen? Ich habe nur gewusst, dass sie einen polnischen Torwart haben, und der Name Madjer war mir ein Begriff. Ansonsten habe ich keinen gekannt oder mal spielen sehen. Damals war das mit dem Scouten des Gegners von ungefähr 25 Beobachtern noch nicht so wie heutzutage. Jeder bei uns ist davon ausgegangen, dass wir das Spiel gewinnen, erst recht nach meinem Tor zum 1:0.

Was haben Sie sich nach dem Ausgleichstreffer von Rabah Madjer mit der Hacke gedacht?

Kögl: Wie er das gemacht hat, war mir völlig egal. Schlimm war, dass er es gemacht hat.

Wie waren die Stunden nach dem Finale?

Kögl: Ausgerechnet nach diesem Spiel musste ich erstmals zur Dopingprobe. Zusammen mit Dieter Hoeneß und zwei Portugiesen. Es hat gedauert. Wir haben viel Portwein und Bier getrunken…

Und danach?

Kögl: Für’s Bankett im Hotel war’s zu spät, weil ohnehin alle schon sehr früh den Saal verlassen hatten. Zu feiern gab’s ja nun wirklich nichts. Ich war dann mit Freunden und Kollegen noch in Wien unterwegs.

Sie waren mit Abstand der beste Bayernspieler im Finale, Lothar Matthäus dagegen wurde richtig niedergemacht. Das ging sogar so weit, dass Michael Rummenigge nach der Rückkehr in der Ankunftshalle des Flughafens Riem wutentbrannt auf einer Zeitung herumtrampelte, die ihm die gleiche schlechte Note verpasst hatte wie Matthäus. „Ich lass’ mich nicht mit dem Matthäus auf eine Stufe stellen“, schimpfte Rummenigge. Wie schlecht war die Stimmung in der Mannschaft?

Kögl: Die Niederlage nur an Lothar festzumachen, das war nicht gerecht. Die Hälfte der Mannschaft hat unter ihren Möglichkeiten gespielt. Und so schlecht haben wir uns gar nicht verstanden. Direkt von Riem sind wir nämlich fast alle noch in den Biergarten, in die Emmeramsmühle, gefahren. Das nächste Bundesliga-spiel war ja erst zwei Tage später…

Ihre Freundin Susanne, die jetzt Ihre Frau ist, durfte damals nicht mit nach Wien…

Kögl: Weil Sie von ihrem Arbeitgeber nicht freibekommen hat. Sie hatte keinen Urlaub mehr. Heutzutage wäre so etwas undenkbar.

Haben Sie eigentlich ein Foto von Ihrem berühmtesten Tor zu Hause an der Wand hängen?

Kögl: Nein. Aber ein Foto habe ich natürlich irgendwo. Ein Mannschaftsbild von Wien hängt allerdings in meinem Billardkeller.

Den jetzigen FC Porto kennen Sie sicher besser als den damaligen. Wie schätzen Sie Bayerns nächsten Gegner ein?

Kögl (lacht): Ja, jetzt kenne ich mich aus. Porto ist sehr, sehr gut. Ich habe die Mannschaft im Achtelfinale beim 1:1 in Basel gesehen, das Heimspiel hatte Porto ja bereits 4:0 gewonnen. Aber Bayern ist natürlich wieder Favorit. So wie damals…

Interview: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Ist er die erste Mini-Granate für die Bayern? Sein Berater war schon da
Ist er die erste Mini-Granate für die Bayern? Sein Berater war schon da
Exklusiv: Geheim-Hochzeit! Neuer im Glück
Exklusiv: Geheim-Hochzeit! Neuer im Glück
Lahm zum Abschied in die Hall of Fame des FC Bayern aufgenommen
Lahm zum Abschied in die Hall of Fame des FC Bayern aufgenommen
Alonso im Abschiedsinterview: „Innerlich gab es Tränen“
Alonso im Abschiedsinterview: „Innerlich gab es Tränen“

Kommentare