Eintracht fühlt sich als moralischer Sieger

"Wir haben uns nicht abschlachten lassen"

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Pirmin Schwegler (l.) gegen Thiago

Frankfurt/Main - Eintracht Frankfurt trauert den Chancen im Spiel gegen den Rekordmeister Bayern München hinterher und reagiert fassungslos auf umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen.

Irgendwie fühlten sich die Verlierer von Eintracht Frankfurt wie moralische Sieger. Das 0:1 (0:1) gegen den gar nicht so unschlagbar wirkenden Triple-Gewinner Bayern München war deshalb aber nicht minder schmerzhaft. „Wenn du so benachteiligt wirst, kannst du nicht gewinnen. Du brauchst auch mal eine richtige Entscheidung“, klagte Frankfurts Trainer Armin Veh nach der befürchteten zweiten Schlappe im zweiten Punktspiel.

Zwei umstrittene Entscheidungen monierte das Eintracht-Lager und schob Schiedsrichter Peter Gagelmann die Hauptschuld für das neuerliche Negativerlebnis in die Schuhe. Zunächst erkannte der 45-jährige Bremer einen Treffer von Alexander Meier (42.) wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht an. In der Nachspielzeit blieb die Pfeife dann stumm, als erneut Meier im Strafraum von Dante und Jerome Boateng in die Zange genommen wurde.

„Ein Tor und ein Elfmeter - mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, kommentierte der auch am Sonntagmorgen noch sichtlich angefressene Meier die entscheidenden Szenen. Mittelfeldspieler Stefan Aigner hakte das Spiel ab: „Hätte, wenn und aber zählt nicht. Er hat keinen Elfer gegeben, und deswegen macht es keinen Sinn darüber nachzudenken.“ Er, Gagelmann, bekam schon am Samstagabend die Quittung und wurde vom Großteil der 51.500 Zuschauer mit einem Pfeifkonzert in die Katakomben verabschiedet. „Das war ein klarer Elfmeter“, meinte Veh.

Noch steht die Eintracht, auf die am Donnerstag das Play-off-Hinspiel zur Europa League bei FK Karabach Agdam/Aserbaidschan wartet, als Tabellen-Schlusslicht mit leeren Händen da. Doch eine Woche nach der 1:6-Klatsche bei Aufsteiger Hertha BSC und ungeachtet des „Bayern-Dusels“ herrscht Aufbruchstimmung. „Wir haben einen Riesenschritt nach vorne gemacht im Vergleich zur letzten Woche. Das war eine Steigerung um 100 Prozent“, sagte Meier und fügte trotzig hinzu: „Das nächste Mal haben wir wieder Glück.“

Am Sonntag dann der nächste Hoffnungsschimmer - in Person von Vaclav Kadlec. Nach einem wochenlangen Ringen ist der Transfer des Wunschstürmers von Sparta Prag an den Main anscheinend perfekt. Der 21-Jährige, der in Tschechien bis 2016 vertraglich gebunden war, soll am Montag offiziell vorgestellt werden. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau wird Kadlec für eine Ablöse von rund 3,2 Millionen Euro nach Frankfurt wechseln.

Bereits seit Juni zieht sich der Poker um den Angreifer hin. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner hatte immer betont, dass man sich schon früh auf Kadlec als 1a-Lösung festgelegt habe, weil er mit seiner Spielweise „ideal“ passe.

Für Coach Veh ist Kadlec eine weitere Option im Sturm. Der 52-Jährige konnte sich nach dem Spiel kaum darüber freuen, dass seine Taktik fast aufgegangen wäre. „Wir wollten wenig Ballbesitz haben, nicht ins offene Messer laufen“, erklärte Veh die defensive Ausrichtung.

Weil der Champions-League-Sieger aus München schlampig mit seinen Chancen umging, blieb die Partie bis zum Ende „sehr eng“, so Bayerns Nationalkeeper Manuel Neuer. „Wir haben uns auf jeden Fall nicht abschlachten lassen“, sagte Kapitän Pirmin Schwegler und attestierte seinem Team kurz vor der Rückkehr auf die internationale Bühne nach knapp siebenjähriger Abstinenz aufsteigende Tendenz.

Auch Keeper Kevin Trapp, der beim Gegentreffer durch Mario Mandzukic (13.) machtlos war, tankte Selbstvertrauen. Der 23-Jährige hatte sich im März in Reihen der U21-Nationalmannschaft bei einem Werbedreh einen Handbruch zugezogen. Nach dem Albtraum-Start in Berlin mit sechs Gegentreffern ist Trapp zurück auf dem Weg zu alter Stärke. Gegen Dante (33.) und Bastian Schweinsteiger (89.) rettete er glänzend. „Das Spiel ist gut gelaufen für mich. Jetzt ist die Vorfreude überragend auf das Spiel in Aserbaidschan. Darauf haben wir ein Jahr hingearbeitet“, sagte Trapp.

sid

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