Heynckes wurde laut in der Kabine

FCB selbstkritisch trotz des Sieges: „Das ist nicht unser Anspruch“

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Jerome Boateng im Zweikampf mit Anderlechts Sofiane Hanni

Es war zähe Kost, die der FC Bayern den Fans am Mittwoch geboten hat. Auch die Spieler sparten nach dem glücklichen 2:1 in Anderlecht nicht mit Selbstkritik.

Brüssel - Hätte der FC Bayern zur Halbzeit gegen den bis dahin in de Champions League noch torlosen RSC Anderlecht 0:2 zurückgelegen - niemand hätte sich am Mittwochabend beschweren können. Nach zähen 90 Minuten fuhr der Rekordmeister immerhin noch drei Punkte ein

Der Gruppensieg bleibt so theoretisch denkbar. Aber darüber wollte nach dem glücklichen Sieg keiner der Stars sprechen. Im Vordergrund standen stattdessen die Verletzungen von Thiago und Robben sowie harsche Kritik - und eine laute Halbzeitansprache Jupp Heynckes‘. Nur Rückhalt Sven Ulreich konnte Lob der Kollegen einheimsen. Die Stimmen zum Spiel:

Jerome Boateng ...

... über die Leistung in Anderlecht: „Wir haben die erste Hälfte komplett verpennt und die Platzverhältnisse nicht angenommen. Damit können wir natürlich nicht zufrieden sein, das ist nicht unser Anspruch. Jeder einzelne Spieler war heute schlecht, da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Und wir müssen uns auch bei Sven Ulreich bedanken.

... über die Vorbereitung vor dem Spiel: Der Trainer hat uns gewarnt und gesagt, wir müssen die richtige Einstellung zum Spiel finden - die haben wir nicht gefunden.

... über Jupp Heynckes‘ Pausenansprache: Er ist zurecht laut geworden. Wir haben das schlechteste Spiel gespielt seit langem. Klar, dass der Trainer da laut wird.

... über die Chancen auf den Gruppensieg: Wir wissen, dass Paris eine sehr starke Mannschaft ist, aber wir spielen zuhause. Es muss schon viel zusammenpassen, damit wir 4:0 gewinnen - aber nach heute müssen wir ohnehin erstmal von vorne anfangen.

Bayern müht sich zum Sieg in Anderlecht - einmal die Note 1, einmal die 5

Debütant Marco Friedl ...

... über seine Nacht vor dem großen Spiel: Ein bisschen geträumt hab ich schon davon, aber wie gesagt, gestern ging‘s noch gut, heute kam ein bisschen Nervosität - aber ich denke, das ist normal.

...über die Gründe für den eher glücklichen Sieg: In der ersten Halbzeit hatten wir viele Ballverluste, die nicht notwendig sind, oder die wir so von uns nicht kennen. Aber wichtig ist, dass wir die drei Punkte geholt haben und jetzt schauen wir aufs nächste Spiel.

Marco Friedl am Mittwochabend in Aktion

... über den Unterschied zwischen Regionalliga und Champions League: Hier wird jeder Fehler bestraft, auf jeden Fall. Wir haben gewusst das Teodorczyk sehr kopfballstark ist - ihn da im Fünfer so freizulassen, da denke ich, dass das auch mein Fehler war. Aber das werden wir auch noch ansprechen.

... auf die Frage ob sein Mitspieler Joshua Kimmich ein Vorbild ist: Auf jeden Fall. Ich sehe jeden Tag wie er trainiert, wie er Gas gibt im Training. Er war schon an so vielen Toren beteiligt in diesem Jahr. Für einen jungen Spieler wie mich ist er auf jeden Fall ein Vorbild.

Keeper Sven Ulreich ...

... über die Schwierigkeiten im Match gegen Anderlecht: Wir sind nicht so ins Spiel reingekommen, haben die Zweikämpfe oft verloren im Mittelfeld. Natürlich war der Platz schwer zu bespielen, aber das hatten beide Mannschaften. Wenn wir dann defensiv nicht so agieren, wie wir uns das vorstellen, ist es normal, dass der Gegner ins Spiel kommt. Am Ende sind wir froh, dass wir gewonnen haben.

... über die Rolle Jupp Heynckes‘ für seine starke Leistung: Der Trainer gibt mir das Vertrauen, er spricht viel mit mir. Und ich hoffe, das Vertrauen durch Leistung zurückzugeben.

... über die Chancen auf den Gruppensieg: Da ist natürlich immer die Hoffnung im Fußball, da passieren häufig unmögliche Dinge. Aber das wird natürlich schwer gegen Paris.

... über Neuling Marco Friedl: Sein Spiel hat er super gemacht, seine Aufgaben super gelöst. Kompliment, das ist nicht einfach, wenn man in so ein Spiel reinkommt.

Robert Lewandowski ...

... über die mangelnde offensive Durchschlagskraft der Bayern in der ersten Hälfte: Wir haben offensiv ein bisschen zu passiv gespielt, es ist klar, dass das kein perfektes Spiel von unserer Seite war. Ich denke, dass der erste Pass immer nach hinten ging, nicht nach vorne. Und da wird es schwer, etwas zu machen oder ein Tor zu schießen.

.. .über Jupp Heynckes Halbzeitansprache: Er war ein bisschen laut, das ist ganz normal. Er weiß, dass wir besser spielen müssen, das ist klar, wir haben so viele Fehler gemacht.

... auf die Frage, ob Thomas Müller bis zum Spiel gegen Gladbach am Wochenende wieder fit werden könnte: Das wäre richtig gut, aber ich weiß es nicht ... wir haben momentan nicht so viele Offensivspieler. Aber das ist egal, wir müssen kämpfen und versuchen auch in Gladbach zu gewinnen.

Robert Lewandowski tat sich gegen die Anderlechter Defensive am Mittwoch häufig schwer

Trainer Jupp Heynckes ...

... über die Lautstärke seiner Halbzeitansprache: Es ist doch klar, dass ich in der Halbzeitpause ein paar Anweisungen geben musste, denn wir haben ja in der ersten Halbzeit auch sehr schlecht gespielt und auch drei oder vier Torchancen zugelassen, die Sven Ulreich vereitelt hat.

... über die unerwartete Stärke der Gastgeber: Das hat man immer wieder mal. Der RSC Anderlecht hat vor ein paar Wochen den Trainer gewechselt, seitdem spielt die Mannschaft auch anders, sehr viel aggressiver, laufstärker. Und das ist auch in dieser ersten Halbzeit passiert. Wir sind zu unbekümmert ins Spiel gegangen und haben gedacht, der Gegner hat noch keinen Punkt in der Champions League - aber das kann man heute nicht mehr so machen.

... über Mängel im Defensivspiel: Das habe ich auch in der Halbzeit reklamiert, dass wir viel zu große Abstände hatten. Auch viele Ballverluste, die uns sonst völlig fremd sind. Das hat auch etwas mit Konzentration zu tun und wie man zum Spiel findet. Das wissen die Spieler aber auch, dass wir heute 2:1 gewonnen haben und dass das kein Ruhmesblatt war.

... über die Verletzung Thiagos: Thiago hat wohl eine schwerere Muskelverletzung. Er hatte ja schon eine Verletzung von der Länderspielreise mitgebracht. Nicht nur eine Prellung, sondern da waren auch die Bänder mit angegriffen. Vor dem Spiel war er beschwerdefrei - aber es ist möglich, dass ein Zusammenhang besteht.

... über Arjen Robbens Verletzung: Ich glaube nicht, dass es ganz so schlimm ist. Wir können uns aber auch keine Ausfälle leisten, denn es sind schon einige Spieler verletzt und die Decke wird immer dünner.

... über das letzte Match gegen PSG: Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir uns schon qualifiziert haben. Und nach dem ersten Spiel gegen PSG kann man nicht so vermessen sein, dass man erwartet jetzt noch den Gruppensieg zu erreichen. Das kann aber auch nicht primär unser Ziel sein. Wichtig ist, dass man dieses Spiel auf Augenhöhe bestreitet.

Hier gibt‘s den Ticker zum Spiel zum Nachlesen.

fn

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